05:32 27 Oktober 2020
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    Das verschreibungspflichtige Medikament Tilidin wird in der Medizin zur Schmerzlinderung verwendet. Doch nun droht es gerade unter Jugendlichen zur Modedroge zu werden – auch dank Rap-Künstlern wie Capital Bra.

    „Gib mir Tilidin, ja, ich könnte was gebrauchen“ singen Capital Bra und Samra in ihrem gemeinsamen Song „Tilidin“ immer wieder. Das eingängige Stück suggeriert, das Medikament könne einem die Sorgen nehmen, helfen, sich zu entspannen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Deutschrapper Capital Bra Tilidin in seinen Songs thematisiert – seit 2016 fiel der Name des Medikaments in ganzen 16 Stücken. Kritisch setzt sich Capital Bra dabei eher selten damit auseinander. Dabei sei er selbst seit seinem 15. Lebensjahr davon abhängig gewesen, gab der Rapper gegenüber „funk“ zu.

    „Du gehst nicht schaukeln mit 15. Einer holt Gras, einer holt Tilidin, dann chillst du halt den ganzen Tag. Und jeden Tag von vorne“, berichtet der Rapper. „Du kannst nicht ohne, weil es dich dann fickt. Du sitzt dann da wie ein vercrackter Junkie.“

    Der Weg vom Schmerzmittel zur Lifestyledroge – über Capital Bra

    Capital Bra, mit bürgerlichem Namen Wladislaw Balowazki, ist unheimlich erfolgreich: Er ist der Interpret mit den meisten Nummer-eins-Hits und Top-10-Platzierungen in der deutschen und der österreichischen Chartgeschichte. Wenn ein so populärer Künstler weitgehend unkritisch über eine Substanz wie Tilidin rappt, dann kann das die Gefahr bergen, dass seine oft sehr jungen Fans ihrem Idol nacheifern und ebenfalls Tilidin konsumieren.

    „Gerade in der Hip-Hop-Szene - unter anderem auch durch Bekanntwerden von prominenten Betroffenen - verbreitet sich die Substanz zurzeit“, warnt Maurice Cabanis, Leitender Oberarzt der Klinik für Suchtmedizin und Abhängiges Verhalten am Klinikum Stuttgart. „Zudem sind Schmerzmittel derzeit zu einer Lifestyle-Droge geworden, die zunehmend von Jugendlichen und jungen Erwachsen konsumiert wird“, so der Mediziner gegenüber der Deutschen Presseagentur.

    Die Gefahren beim Missbrauch von Schmerzmitteln als Droge würden unterschätzt. Besonders gefährdet seien Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, die im Konsum des Opioids das Gefühl von Wärme und Geborgenheit suchen würden, das sie zu Hause nicht bekämen.

    Der Kenntnisstand darüber, ob und in welchem Umfang der Konsum von Tilidin unter Jugendlichen zugenommen hat, ist nicht eindeutig.Der Report über die Arzneiverordnung von 2016 stellt fest, dass die definierte Tagesdose von Opioid-Analgetika, zu denen Tilidin gehört, zwischen 2006 und 2015 um 30 Prozent zugenommen hat.Neben dem legalen Erwerb des verschreibungspflichtigen Medikaments wird aber auch der Erwerb auf dem Schwarzmarkt vermutet.

    Zu Risiken und Nebenwirkungen …

    Tilidin ist ein synthetisches Opioid, das zur Schmerzlinderung eingesetzt wird. Als mögliche Nebenwirkungen werden Schwindel, Benommenheit, Übelkeit und Erbrechen genannt. Zu möglichen Wechselwirkungen mit Alkohol heißt es auf der Seite drugcom.de:

    „Bei kombinierter Einnahme von Tilidin und Alkohol oder Beruhigungsmitteln kommt es zu einer gegenseitigen Verstärkung und Verlängerung der dämpfenden Wirkung auf das Zentralnervensystem. Diese Kombinationen können so stark atemdepressiv (flache, langsame Atmung) wirken, dass es zum Tode durch Atemlähmung kommen kann. Tilidin sollte ebenfalls nicht mit anderen Opioiden kombiniert werden, da die resultierende Wirkung aufgrund von Wechselwirkungen nicht abgeschätzt werden kann.“
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    Tags:
    Rapper, Jugendliche, Drogenkonsum, Medizin, Drogensucht, Drogen