11:01 01 Dezember 2020
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    Ein US-kanadisches Forscherteam hat die Klimaveränderungen innerhalb von fast 3000 Jahren durch die Ablagerungen in einem See verfolgt. Die Ergebnisse der Forschung haben gezeigt, dass der Nordatlantik in dieser Zeit noch nie so warm war wie jetzt.

    Klimaforscher der University of Massachusetts Amherst und der University of Quebec haben die Sedimentschichten des South Sawtooth Lake, eines Sees auf der Insel Ellesmere in der kanadischen Arktis untersucht. Die „Jahresschichten“ dieses Sees enthalten Titanmineralien, die durch die jahrhundertlange Verwitterung von Gesteinen freigesetzt worden sind. Die Forscher haben die Titankonzentration in den Schichten gemessen und konnten dadurch auf die relativen Veränderungen der Temperatur und des Luftdrucks in der Region zugreifen. Die Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift Proceedings der National Academy of Sciences veröffentlicht.

    Die Oberflächentemperaturen im Nordatlantik sind zyklischen Veränderungen ausgesetzt. Eine als Atlantische Multidekaden-Oszillation (AMO) bekannte Zirkulationsschwankung verursacht in Nordamerika mehrere Klimaschocks,  darunter Dürren und Hurrikane. Früher war es unmöglich, eine genaue Dauer der AMO-Zyklen zu bestimmen, weil die direkten Messungen erst vor 160 Jahren begannen. Dabei dauert ein Zyklus mindestens 60 Jahre.

    Bei niedrigeren Temperaturen über dem Nordatlantik wird in den meisten Teilen der kanadischen Arktis und Grönlands ein niedrigerer Luftdruck beobachtet. Dabei schmilzt der Schnee bei niedrigen Temperaturen langsamer, und die Titankonzentration in den Sedimenten ist höher. Dies gilt auch umgekehrt, sodass die niedrigeren Titanwerte auf wärmere Jahre hinweisen.

    „Wir haben diese Zusammenhänge analysiert und dadurch festgestellt, wie sich die Oberflächentemperatur des Atlantischen Ozeans in den letzten 2.900 Jahren verändert hat“, so Francois Lapointe, Forscher des Climate Systems Research Center der University of Massachusetts. „Unsere Studie wird es den Klimaforschern ermöglichen, die Mechanismen  langfristiger Veränderungen im Atlantik zu verstehen“, fügte Pierre Francus vom Nationalen Forschungsinstitut INRS an der University of Quebec hinzu.

    Am niedrigsten seien die Temperaturen zwischen den Jahren 1400 und 1600 gewesen, so die Wissenschaftler. Die höchsten Temperaturen seien dagegen in den letzten zehn Jahren dokumentiert worden. Die Arktis erwärme sich derzeit zwei oder dreimal schneller als der Rest der Welt. Dies könne auch daran liegen, dass die Warmphase von AMC vor dem Hintergrund des globalen Temperaturanstiegs erfolge, so die Forscher.

    „In letzter Zeit ist für diese Region  ein hoher Luftdruck im Sommer typisch – klarer Himmel und Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius halten tagelang oder sogar wochenlang an. Dies hat sich auf Schneedecke, Gletscher und den Permafrost stark ausgewirkt“, erklärte  Lapointe.

    Der Studie zufolge hat sich die Wassertemperatur an der Oberfläche des Atlantischen Ozeans seit etwa 1995 anomal erhöht. Im Jahr 2019 hat der Grönländische Eisschild einen Rekordverlust an Masse verzeichnet – mehr als 500 Milliarden Tonnen Eis gingen verloren. Die Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass dies auf den anhaltend hohen Luftdruck zurückzuführen sei.

    Sollte sich die Zirkulationsschwankung in den nächsten ein oder zwei Jahren nicht in eine kühlere Phase verlagern, könne man im nächsten Sommer ein noch intensiveres Abschmelzen der Eisdecke der kanadischen Arktis und Grönlands erwarten. In diesem Fall drohten ein weiterer Anstieg des Wasserspiegels des Weltozeans und andere schädliche Auswirkungen auf die Umwelt, so die Autoren.

    Die Wissenschaftler betonen, dass die Forschungsergebnisse auch mit anderen unabhängigen Analysen  der Sedimente im Atlantik in der Region Island und vor der Küste Venezuelas übereinstimmten, was die Zuverlässigkeit des gewählten Kriteriums zur Bewertung der Temperatur bestätige.

    ekn/gs/sna

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    Tags:
    Nordatlantik, Arktis, globale Erderwärmung, Klimaerwärmung, Erwärmung, Klimaveränderungen