06:10 03 Dezember 2020
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    „Herzlich willkommen in Nüwa, der Mars-Hauptstadt.“ Die Ansiedler könnten hier und in vier anderen Vertikalstädten leben, die in einem von Hunderten Felsen des Planeten integriert sind, die vor Strahlungen schützen, dabei aber Sonnenstrahlen durchlassen.

    So beginnt der Text, der von einer Gruppe von Forschern des Instituts für Weltraumstudien in Katalonien  (IEEC) erstellt wurde, die im Rahmen des Projekts SONet - The Sustainable Offworld Network, eine Stadt erfunden haben, wo bis zu einer Million Menschen nachhaltig leben können.

    Das SONet-Projekt wurde als eines von zehn Finalisten von mehr als 175 Projekten ausgewählt, die beim Wettbewerb mit Teilnehmern aus mehreren Ländern vertreten sind. Der Wettbewerb war der nachhaltigen Entwicklung einer Stadt mit einer Bevölkerung von einer Million Menschen auf dem Mars gewidmet und wurde von der Mars-Gesellschaft, der weltweit größten und einflussreichsten Organisation zum Schutz des Weltraums durchgeführt, die sich mit der Erforschung und potenziellen Besiedlung des Planeten Mars befasst.

    „Als man erfuhr, dass wir ins Finale gekommen sind, wussten wir, dass die Anstrengungen der Mühe wert waren. Die meisten von uns sind Profis in unseren Bereichen und Wissenschaftler, und wir wussten, dass wir uns auf einem hohen Niveau vorbereiteten, doch das war unsere erste Erfahrung der Team-Arbeit. Die Anerkennung war ein großer Antrieb und ließ uns die Arbeit fortsetzen“, sagte der Koordinator der Gruppe, Guillem Anglada-Escudé, gegenüber Sputnik.  

    Die Forscher haben die fiktive Stadt Nüwa zu Ehren der chinesischen Göttin gegründet, die die Menschheit schuf. Zudem nutzte diese Göttin fünf Steine zum Schutz des Himmels, in Nüwa gibt es laut dem Projekt fünf Stadtzentren. Die Stadt umfasst alle Aspekte des menschlichen Lebens – von Wohnwesen, Architektur und Lebensversorgung bis hin zu Kunst, Wirtschaft und politischem System.

    „Aus der Sicht von Architekten war die Projizierung einer funktionellen Stadtumgebung unter Berücksichtigung der Einschränkungen einer für uns unbekannten Welt eine gleichzeitig beeindruckende und äußerste bereichernde Erfahrung“, sagte Alfredo Muñoz, Mitbegründer des Studios ABIBOO und Leiter des Teams für Architekturplanung. „Wir freuen uns sehr über die Möglichkeit, die Entwicklung dieses ersten Konstruktes fortzusetzen und nach neuen radikalen Lösungen, die auch auf der Erde funktionieren würden, zu suchen.“

    Dieses Projekt wurde von mehr als 30 Forschern entwickelt und wird von katalanischen Spezialisten geleitet, obwohl an der Gruppe auch Vertreter anderer Länder beteiligt sind, darunter Großbritanniens, der USA, Argentiniens und Deutschlands. Sie haben einen 20-seitigen Bericht mit konzeptuellem Design vorbereitet, in dem sie ein umfassendes Spektrum diverser Aspekte von den Weltraumstudien bis hin zur nachhaltigen Entwicklung kombiniert haben. An der Gruppe beteiligen sich auch Frauen, beispielsweise Gisela Destrell von der Stuttgarter Universität und Laia Ribas vom Institut für Marinewissenschaften.

    Wie der Projektleiter erläuterte, beteiligten sich zehn der insgesamt 30 Mitglieder des Teams sehr intensiv daran, die anderen leisteten ihren Beitrag zu den Diskussionen und äußerten sich zu konkreten Themen.

    Sputnik musste einfach noch die Frage stellen, die die Öffentlichkeit schon seit Jahrhunderten beschäftigt: Gibt es Leben auf dem Mars? Der SONet-Koordinator Anglada-Escudé hatte sich zuvor mit ähnlichen Fragen befasst, ehe er dieses Projekt übernahm. Nach seiner Auffassung könnte es dort primitive Lebensformen geben, die immer noch unter der Oberfläche des Roten Planeten existieren. Aber jedenfalls ist dieses Leben nach seinen Worten ganz anders als auf der Erde, denn Beweise für das Leben auf der Oberfläche gibt es vorerst nicht. „Wie dieses hypothetische Leben entstanden sein könnte, ist eine der fundamentalen Fragen, die wir klären möchten, denn das hat damit zu tun, wie einmalig und wertvoll unsere Welt ist“, betonte der Forscher.

    Jetzt wird dieses Projekt für industrielle und wissenschaftliche Kreise sowie für diverse private Partner bestimmt sein, die dazu beitragen könnten, dass die Stadt auf dem Mars eine realistische Variante für die künftige Unterbringung der Menschen auf dem Roten Planeten wird.

    „Im Rahmen eines solch großen Projekts ist das Zusammenwirken von Experten für ganz verschiedene Bereiche nötig“, erläuterte Miquel Sureda, Professor für Luftfahrt an der Universität ESEIAAT-UPC in Terrassa (bei Barcelona). „Der Erfolg des Nüwa-Projekts beim Wettbewerb der Mars-Gesellschaft könnte SONet helfen, bekannt zu werden sowie Mitarbeiter und Finanzmittel heranzuziehen.“

    Das SONet-Projekt wurde im Laufe einer Gala am 17. Oktober verteidigt. Zwar wurde es nicht mit dem ersten Preis in Höhe von 10.000 Dollar ausgezeichnet, aber belohnt wurde es trotzdem. „Wir werden am Wettbewerb teilnehmen, nicht um zu gewinnen, sondern um die Menschen zu überzeugen, dass das Thema Nachhaltigkeit und menschlicher Faktor als zentrales Element des Designs wichtiger als einige technische Aspekte sind“, betonte Guillem.

    Die Projektleitung werden Forscher vom Institut für Weltraumforschung, von der Polytechnischen Universität von Katalonien und dem Institut für Weltraumwissenschaften bei der Universität zu Barcelona, wie auch von anderen Forschungszentren aus ganz Spanien übernehmen, insbesondere vom Institut für Marineforschungen, der Polytechnischen Universität von Katalonien, vom Institut für Weltraumstudien bei der Universität zu Barcelona.

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    Tags:
    Katalonien, Spanien, Weltraumforschung, Besiedelung, Kolonie, Mars