20:56 23 November 2020
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    Nur Risikogruppen vor dem Coronavirus zu schützen, ist aus Sicht der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek weder möglich noch machbar. Auch ihr Kollege Christian Drosten plädiert für einen Strategiewechsel.

    Das Robert Koch-Institut liste Vorerkrankungen auf, die ein Risiko für einen besonders schweren Verlauf haben. Lege man diese Liste zugrunde, seien das 21,9 Millionen Menschen, sagte Virologin Sandra Ciesek im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. 

    Über ein Viertel der Deutschen hatte demnach mindestens eine der berücksichtigten Vorerkrankungen und somit ein Risiko für einen besonders schweren Verlauf.

    Irrsinnig und schwierig

    „Wenn man sich jetzt einmal überlegt, was das bedeutet – 21,9 Millionen Menschen sollen geschützt werden vor den restlichen 60 Millionen –, dann, glaube ich, merkt man, wie irrsinnig und wie schwierig das ist.“

    Zur Risikogruppe gehörten nicht nur alte Menschen im Pflegeheim – „das ist einfach nicht der Fall“, so die Wissenschaftlerin. Ein Drittel – 7,3 Millionen Menschen – dieser knapp 22 Millionen seien unter 60 Jahre. Die Strategie, nur die Risikogruppen zu schützen, hält Ciesek daher für nicht durchdacht: „Wie das gehen soll, das stelle ich mir extrem schwierig vor.“

    Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt wechselt sich mit dem Berliner Virologen Christian Drosten wochenweise ab.

    Ursprung der Infektionen ausmachen – Kontakt-Tagebücher führen

    Ihr Kollege Drosten plädiert auch für einen Strategiewechsel – die Strategie der Gesundheitsämter müsse geändert werden. Aktuell seien die Ämter nicht mehr in der Lage, alle Infektionsketten nachzuverfolgen. Der Virologe hielt im Emsland beim „Windthorst-Abend“ in Meppen einen Vortrag mit Fragerunde, wie ntv berichtet.

    Der Virologe schlägt vor, statt wie bisher nach Personen zu suchen, die zu einem Infizierten Kontakt hatten, den Ursprung der Infektion zurückzuverfolgen. So sollten Cluster ausgemacht werden, also Nester von Corona-Fällen. Etwa 20 Prozent der Infizierten seien bei sogenannten „Superspreading-Events“ für 80 Prozent der Weiterverbreitung ursächlich. Alle anderen würden niemanden oder nur wenige Menschen anstecken.

    Einmal gefunden, müsse man sofort alle Beteiligten unter Quarantäne stellen, ohne Zeit durch Tests zu verschwenden. Um die Ereignisse selbst zu finden, schlägt der Virologe vor, die Menschen mögen „Kontakt-Tagebücher“ führen, in die sie möglicherweise kritische Situationen eintragen.

    Antigen-Schnelltests

    Drosten setzt zudem auf Antigen-Schnelltests. Die Tests zeigten nur dann positive Ergebnisse, wenn ein Patient auch infektiös ist, da die Viruslast ein bestimmtes Niveau erreicht hat. Ein negatives Testergebnis bedeute, dass selbst ein Infizierter Dritte nicht mehr anstecken kann.

    Wenn die jetzige Strategie nicht angepasst wird, kann die Corona-Lage nach dem Shutdown im November schnell wieder außer Kontrolle geraten.

    ba/dpa

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    Risikogruppe, Coronavirus