Martin Stranzl in einem Spiel für Spartak Moskau (Archivbild)

Russland als „überragende Lebenserfahrung“ für österreichischen Fußballer

© Sputnik / Anton Denissow
Nachrichten von der Fußball-WM 2018
Zum Kurzlink
0 593

Der Ex-Fußballprofi Martin Stranzl fordert, mit Blick auf die Fußball-WM ab 14. Juni in Russland nichts zu dramatisieren. Er wundert sich in einem Interview über das „total übertriebene“ Theater um das Ereignis. Zugleich berichtet er über seine guten Erfahrungen in fünf Jahren als Spieler bei Spartak Moskau.

Martin Stranzl versteht „das Trara“ um die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht. „Es ist total übertrieben, nur weil das Ereignis in Russland stattfindet, ein Fass aufzumachen.“ Der ehemalige Fußballprofi aus dem österreichischen Burgenland erklärte das am Mittwoch gegenüber der Tageszeitung „Der Standard“. Die hatte ihn gefragt, ob die WM, für die Präsident Wladimir Putin zehn Milliarden Euro investiert habe, eventuell für politische Zwecke missbraucht werde.

Stranzl, ehemaliger österreichischer Nationalspieler, hatte laut der Zeitung unter anderem von 2006 bis 2010 für Spartak Moskau gespielt. Im Interview wundert er sich erkennbar auch über die Fragen. „Die Leute freuen sich darauf, es wird nicht anders sein als bei anderen Weltmeisterschaften.“ Es habe bei solchen Ereignissen „immer und überall Probleme“ gegeben. Der Ex-Profi forderte auf, nichts zu dramatisieren.

Bessere Perspektive

Auf die Frage, warum er damals zu Spartak Moskau wechselte, erzählte Stranzl, dass er dort einen festen Platz als Innenverteidiger sicher hatte. Zuvor sei er beim VfB Stuttgart auch in wechselnden Positionen eingesetzt worden. Neben der sportlichen Perspektive bis hin zur Champions League-Teilnahme sei auch die Bezahlung gut gewesen. Der derzeitige russische Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow war sein Klub-Trainer.

Er habe sich dabei nicht wie „in einem goldenen Käfig“ gefühlt, sagte Stranzl auf die entsprechende Frage. Beim Training in Moskau hätten weder Fans noch Journalisten zuschauen dürfen. Auch die ständigen Autogrammjäger habe es nicht gegeben, zudem keine Besuche bei Fanklubs. „Es ist schon anders als in Deutschland oder Österreich.“

Fußballverrückte Russen

Der Ex-Profi berichtete, dass die Menschen in Russland „fußballverrückt“ seien, und fügte hinzu: „Es war immer angenehm und nett“. Er beschrieb ein Erlebnis beim Kaffeetrinken in der Stadt: Der Kellner habe „in den Schaum meines Cappuccinos das Wappen von Spartak gemalt und den Daumen hoch gezeigt“.

Stranzl stellte klar: „Man muss in Russland keine Berührungsängste haben. Die Leute sind am Anfang zurückhaltend, aber dann blühen sie auf.“ Ebenso widersprach er in dem Interview dem Klischee von den schwermütigen Russen. Das sei ein falsches Bild. Wer sich mit der Geschichte Russlands beschäftige, könne „gewisse Verhaltensweisen nachvollziehen“. Er verwies auf die Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion. „Als ich dort war, hatte ich das Gefühl, dass viele Leute etwas aufbauen wollen.“

„Überragende Lebenserfahrung“

Der Ex-Fußballprofi schätzte gegenüber dem „Standard“ auch die Lage des russischen Fußballs ein und widersprach dem Bild einer „großen, gewaltbereiten Hooliganszene“ in Russland. Das habe er in den Stadien nicht erlebt – „keinen Platzsturm, keine Ausschreitungen“.

Die Zeit bei Spartak Moskau bezeichnete er als Herausforderung, zu der sein Versuch gehörte, Russisch zu lernen. Diese Jahre in Russland seien für ihn „eine überragende Lebenserfahrung“ gewesen. „Die Dimensionen sind gewaltig“, kommentierte er etwa die mehrstündigen Flugzeiten zum Meisterschaftsspiel nach Wladiwostok.

Für das Spiel der russischen Nationalmannschaft gegen die Österreichs am Mittwoch im Vorfeld der WM wollte Stranzl keine Prognose abgeben. Er habe kein Spiel der „Sbornaja“ gesehen und könne sie nicht einschätzen.

Zum Thema:

BBC und Co im WM-Fake-Rausch: Schwarze in Russland leiden, ahnen aber nichts
Fußball-WM-2018: Diese Kriegsschiffe sorgen für Sicherheit in Sotschi
Fußball-WM erleben mit Sputnik – Alles zum Turnier und darüber hinaus
Durch ganz Europa zur WM-2018: Zwei Isländer fahren mit Lada Niva nach Russland
Tags:
Fußball-WM, Fußballweltmeisterschaft 2018, Fußball-WM 2018, Spartak, Wladimir Putin, Wladiwostok, Österreich, Russland