07:07 17 Dezember 2017
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    Im Spiegel der Presse am 24. September

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    Modernisierung stolpert über Fachleutemangel * Moskauer gegen Bau von Moschee in ihrem Stadtbezirk * Zollunion kann Schmuggelstrom aus China provozieren * Ukrainische Blauhelme im Kosovo als Schmuggler enttarnt * Russlands Atomenergie-Maschinenbau lebt immer noch


    „NOVOPOL.ru“: Modernisierung stolpert über Fachleutemangel

    Wenn unter Modernisierung in erster Linie die Schaffung von neuen Produktionslinien, ein technologischer Durchbruch verstanden wird, braucht unser Land Fachleute, die ihn verwirklichen können. Dieses Thema behandelt die Nachrichten-Webseite „NOVOPOL.ru“ am Donnerstag.

    Als Präsident Medwedew in seiner Botschaft an die Föderalversammlung von 2009 seine Modernisierungspläne bekannt gab, sprach er von fünf Hauptrichtungen:

    •    Entwicklung der Medizintechnik, Technologie und Pharmazeutik

    •    Erhöhung der Energieeffizienz, Übergang zu einem rationellen Modell des Rohstoff- und Energieeinsatzes

    •    Atomenergiewirtschaft

    •    Entwicklung von Weltraumtechnologien und Telekommunikationen:

    •    Entwicklung von strategischen und Informationstechnologien.

    Wenn wir davon ausgehen, braucht das Land vor allem Fachleute in der Medizin und der medizinischen Industrie, in der Energiewirtschaft, Kernphysiker, Kosmonauten und Fachleute für Weltraumtechnologien, Computertechnik und Elektronik.

    Dieser Logik zufolge hätte der Staat in erster Linie die Zahl der unentgeltlichen Studienplätze für die genannten Richtungen erhöhen sowie die Ausbildung von Fachleuten erweitern müssen, die die politischen, sozialen und ökologischen Folgen dieser oder jener Entscheidungen in Organisation, Technologie und Produktion analysieren könnten.

    Zugleich wäre es notwendig gewesen, die Haushaltsmittel für die Ausbildung in den Berufen zumindest beizubehalten, die von akademischem, langfristigem, nicht produktionsgebundenem Charakter sind und der Aufgabe dienen, Kultur zu erhalten und zu produzieren: Philologen, Kunstwissenschaftler, gute Pädagogen usw. Zur Gewährleistung ihrer Ausbildung hätten die Lehrer und Dozenten wenigstens das gleiche Lohnniveau haben müssen wie zu Sowjet-Zeiten. Es galt also, die Arbeit an Hochschulen und den Unterricht insgesamt angesehen und attraktiv zu machen.

    Aus unerfindlichen Gründen trat in der Sitzung des Staatsrates über Probleme des Bildungswesens eine andere Logik zu Tage.  Da das Land viel zu viele Fachleute mit Hochschulbildung ausbilde, sei der Akzent auf die Entwicklung nicht der Hoch-, sondern der Fachschulbildung zu setzen, das heißt auf technische und sonstige Fachschulen, die im Zuge der postsowjetischen Reformen in Colleges umgetauft wurden.

    Es stimmt, dass es unserem Land an qualifizierten Werkarbeitern und -meistern, Technikern und ähnlichen Fachkräften für die Produktion mangelt. Das weitet sich tatsächlich zu einem Hindernis für die Entwicklung der modernen Industrie aus. Es mangelt jedoch nicht nur an ihnen, sondern auch an Ingenieuren, Technologen und Konstrukteuren.

    Wenn also festgestellt wird, dass wir zu viele Fachleute mit Hochschulabschluss haben, müsste auch zugegeben werden, dass das Land keine Spezialisten im Bereich von Innovationstechnologien, Weltraum, Medizin, Kernhysik mehr brauche – ihre Zahl sei schon ausreichend.

    Wenn so an das Problem der Modernisierung und Innovation herangegangen wird, so kann man Russland nur sein Beileid ausdrücken.


    „Gazeta.ru“: Moskauer gegen Bau von Moschee in ihrem Stadtbezirk

    Die Moskauer Einwohner haben eine Klage gegen den Bau einer Moschee an die Präfektur eingereicht, schreibt die Onlinezeitung „Gazeta.ru“ am Mittwoch.

    Die Beamten der Präfektur haben angeblich das von über 1800 Bürgern unterzeichnete Schreiben noch nicht erhalten. Doch die Moschee werde ohne öffentliche Anhörungen nicht gebaut, so die Beamten.

    Laut Michail Butrimow, dem Anführer der Bewegung „Mein Hof“ (diese Bewegung initiierte die Unterschriftensammlung gegen den Bau der Moschee), stehen in 195 Sammellisten bereits 1834 Unterschriften. Im Schreiben handelt es sich darum, dass die Anwohner gegen den Bau einer Moschee protestieren. „Doch es handelt sich gar nicht um Rassenhass oder Feindseligkeit gegenüber den Moslems“, betonte Butrimow.

    2006 wurde an die Präfektur eine Anfrage nach dem Bau einer orthodoxen Kirche auf einem unbebauten Platz eingereicht. Damals hatten die Auftraggeber eine Absage bekommen. Das sei damit begründet worden, dass sehr viele kommunale und Gasleitungen zwischen dem Wolschski Boulevard und der Saratowskaja Straße verlaufen.

    „Es ist schwer zu sagen, wie die Einwohner reagiert wären, wenn es sich um den Bau einer orthodoxen Kirche gehandelt hätte. Wir haben Beschwerden bekommen, als es um den Bau einer Moschee ging. Doch ich möchte betonen, dass die orthodoxe Kapelle eine Fläche von 50 Quadratmetern eingenommen hätte. Für die Moschee werden 0,4 Hektar bereit gestellt. Solche Entscheidungen lösen gewisse Unzufriedenheit und Feindseligkeit aus“, sagte Butrimow.

    Laut Anton Palejew, dem Vorsitzenden der Kommission für Gesellschaftsverbände und religiöse Organisationen, hatte sich die orthodoxe Gemeinde tatsächlich bezüglich des Baus der orthodoxen Kapelle an die Verwaltung des Stadtbezirks gewandt und bekam eine Absage. Was den Bau einer Moschee oder eines anderen Gotteshauses betrifft, müssen in Russland seit 300 Jahren zwei Regeln befolgt werden. Erstens muss der Bau mit der örtlichen religiösen Organisation abgesprochen werden, zweitens muss er von der Bevölkerung gebilligt werden.

    „Die Bauherren müssen öffentliche Anhörungen organisieren“, so Palejew. „Man muss mit den Einwohnern zusammen arbeiten. Auf keinen Fall darf gegen den Willen der Einwohner gebaut werden,“ sagte Palejew.

    Der Leiter der Synodalabteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Oberpriester Wsewolod Tschaplin betonte, dass in den Ländern, wo der Islam oder der Buddhismus dominierende Religionen sind, auch orthodoxe Kirchen gebaut werden. Man kann das Problem also sehr einfach lösen, indem man den Standort des zu bauenden Gotteshauses, seine Größe und architektonischen Besonderheiten mit allen Beteiligten, auch mit den Einwohnern, eingehend erörtert, so Tschaplin.



    „Wedomosti": Zollunion kann Schmuggelstrom aus China provozieren

    Etwa sechs Prozent der Waren, die in Russland im Einzelhandel umgesetzt werden, sind illegal eingeführt worden, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Freitag.

    Experten der Russischen Wirtschaftsschule haben auf Antrag der Gemeinschaft Rusbrand den Umfang von Schmuggelwaren auf dem russischen Markt und die Gefahr für legale Produzenten bewertet, die mit der Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan verbunden ist. An der Studie nahmen Vertreter von an Rusbrand beteiligten Unternehmen, von Rechtsschutzorganen, staatlichen Strukturen sowie Juristen teil, die sich auf den Schutz von Urheberrechten spezialisieren.

    Der Umsatz von gefälschten Produkten bekannter Marken beläuft sich laut den Studienergebnissen auf 910 Milliarden Rubel (1 Euro = 41,5 Rubel), was 24 Prozent des gesamten Umsatzes von neun Warengruppen ausmacht: Alkohol, Kleidung bzw. Schuhe, Kosmetik usw. Am meisten werden Alkoholgetränke, Kleidung und Schuhe gefälscht: Mehr als 30 Prozent dieser Erzeugnisse werden in Russland illegal hergestellt.

    Oft werden auch bekannte, aber günstige Marken gefälscht: Tee, Kaffee, Reinigungsmittel, sagte ein Experte, der sich an der Umfrage beteiligte. Produkte der Premium-Gruppe werden vor allem imitiert: in diesem Fall enthält die Fälschung nur einzelne Elemente einer Nobel-Marke. Billige Produkte werden dagegen „vollständig“ gefälscht, ergänzte der Sprecher.

    Die Teilnehmer der Umfrage waren besorgt darüber, dass der Anteil von Schmuggelwaren auf dem Markt bald zulegen könnte, und zwar wegen der Bildung der Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan. Besonders beunruhigend finden die Branchenkenner die für den 1. Juli 2011 geplante Aufhebung der Grenzkontrolle an der russisch-kasachischen Grenze.

    Dann könnte der russische Markt von billigen chinesischen Schmuggelwaren überflutet werden, die nach Kasachstan über die schlecht bewachte kasachisch-kirgisische Grenze eingeführt werden. Derzeit bleiben die illegalen Importgüter hauptsächlich in Kasachstan.

    „Dann wird sich für die nach Kasachstan eingeführten Schmuggelwaren auch der Weg nach Russland eröffnen“, warnt der Sicherheitschef der Russland- und GUS-Abteilung der Unilever Gruppe, Arai Balajan. „Wir verfolgen die Situation an der chinesisch-kasachischen Grenze und bewerten die möglichen Risiken“, sagte Julia Majorowa von Procter & Gamble.

    Der Exekutivdirektor von Rusbrand, Alexej Popowitschew, konnte den möglichen Zuwachs des illegalen Imports auf dem russischen Markt nicht genau voraussagen, weil eine Prognose für jede einzelne Warengruppe erforderlich sei. „Da sich aber die Verbraucher für maximal billige Produkte interessieren, wird die Nachfrage nach Schmuggelwaren höchstwahrscheinlich groß sein, was die Interessen von Besitzern der Urheberrechte wirklich gefährden könnte“, räumte er ein.

    Ein großes Problem bestehe darin, dass Kasachstan seine Außengrenzen schlecht bewacht, sagte seinerseits ein Beamter des Föderalen Zolldienstes. „Kasachische Zollbeamte fertigen die meisten Güter als Transit aus und können keine richtige Zollkontrolle organisieren. Dann besteht tatsächlich das Risiko, dass aus den Ländern, die Kasachstans Handelspartner sind, vor allem aus China und Indien, viel mehr Schmuggelwaren als bisher eingeführt werden.“

    „Rossijskaja Gaseta“: Ukrainische Blauhelme im Kosovo als Schmuggler enttarnt

    Die ukrainische Armee ist in einen großen Skandal verwickelt, der bereits internationales Aufsehen erregt hat, schreibt am Freitag die „Rossijskaja Gaseta“.

    Das Kommando der ukrainischen Friedenstruppen im Kosovo organisierte mehrere Jahre lang den Schmuggel von Treibstoff und fälschte dazu offizielle Dokumente der vereinigten UNO-Truppen in dieser Region (KFOR).

    Die Informationsbombe explodierte, als fast alle albanischen und kosovarischen Massenmedien mit Berufung auf das Kommando der vereinigten Gruppierung meldeten, dass Vertreter der Friedenstruppen Treibstoff schmuggelten, Steuern hinterzogen und die Wirtschafts- und Zollpräferenzen der UNO-Kräfte missbrauchten.

    Gleichzeitig bestätigte die Mission für Rechtsstaatlichkeit der Europäischen Union im Kosovo (EULEX) offiziell, dass einige Firmen im Kosovo, die vorgeblich mit den Schmugglern zusammengearbeitet hatten, durchsucht und fünf Kosovo-Albaner in dieser Angelegenheit festgenommen worden sind. Ursprünglich teilten weder das KFOR-Kommando noch die EULEX-Vertreter mit, aus welchem Land die Friedenssoldaten waren. Doch buchstäblich am gleichen Tag beschuldigten alle balkanischen Medien mit Berufung auf eigene Quellen die Ukrainer und die Franzosen. Dabei stellten sie die Ukrainer als Drahtzieher der Affäre hin.

    Nach Angaben von Journalisten kauften die ukrainischen Friedenssoldaten, von denen es im Kosovo etwas mehr als 100 gibt, billigen Kraftstoff in Bulgarien ein, brachten ihn durch den Zoll ins Kosovo und verkauften ihn an ihre lokalen Mittäter weiter. Güter, die für die KFOR-Truppen bestimmt sind, werden nicht verzollt. Ein Antrag auf einem offiziellen Formular genügt, um den Zoll ohne Prüfung zu passieren.

    Die Fälschung solcher Formulare gehörte übrigens ebenfalls zum „Geschäft“ der ukrainischen Friedenssoldaten. Sie verkauften die Formulare einfach zu 2000 Euro pro Stück. Die KFOR-Formulare und -Stempel halfen den Ukrainern ebenfalls, auch innerhalb des Kosovo preiswert Benzin und Diesel einzukaufen. Übrigens an einem französischen Stützpunkt. Bemerkenswert ist, dass die Franzosen über die eigenartige Besonderheit der ukrainischen Militärangehörigen, dass sie mehr Kraftstoff brauchten als alle anderen Friedenssoldaten, lange hinweg sahen. Der kosovarische Zoll ließ das aber nicht durchgehen und wandte sich an das KFOR-Kommando.

    Die Ermittler haben Informationen über fast hundert einzelne Taten erhalten. Die Einnahmen der ukrainischen Friedenssoldaten betrugen nach verschiedenen Schätzungen von 1,5 bis einigen Dutzend Millionen Euro.

    Das offizielle Kiew beeilt sich nicht mit Kommentaren. Das ukrainische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass die Briefe der KFOR-Führung nicht unbeachtet geblieben sind und dass die Militärermittler ihre Arbeit getan haben.

    „Expert“: Russlands Atomenergie-Maschinenbau lebt immer noch

    In der vergangenen Woche haben die Ischora Werke in Kolpino (Gebiet Leningrad) den ersten Rumpf des Meilers WWER-1200 gebaut, schreibt die Zeitschrift „Expert“ im jüngsten Heft.

    Damit kann der Reaktor nach einer unwesentlichen Vervollkommnung an den Auftraggeber ausgeliefert werden.

    Eigentlich ist das eine Nachricht, die zu Sowjetzeiten in allen großen Zeitungen für Schlagzeilen gesorgt hätte. Äußerst wichtig ist sie auch heutzutage. Es geht nicht nur darum, dass das der erste in Russland gebaute starke Meiler (1150 Megawatt) dieses Typs ist – das ist der erste Meilerrumpf, der für den russischen Markt seit den späten 1980ern hergestellt wurde. Es ist nun einmal so, dass in Russland nur 15 von insgesamt 60 Wasser-Wasser-Meilern funktionieren, die in den Ischora Werken gebaut wurden. Mehrere Reaktoren wurden bereits außer Betrieb gesetzt. Viele andere funktionieren immer noch, allerdings im Ausland.

    Die Ischora Werke begehen bald auch eine Art Jubiläum: Vor 25 Jahren wurde zum letzten Mal ein Meiler des Typs WWER-1000 an ein russisches Atomkraftwerk geliefert. Das war der dritte Meiler des AKWs Balakowo (Gebiet Saratow), der Ende 1988 in Betrieb genommen wurde. Balakowo empfing auch vor etwa 20 Jahren den letzten in der Sowjetunion für Russland gebauten Reaktor, der im Werk Atommasch in Wolgodonsk (Gebiet Rostow am Don) hergestellt wurde.

    Ende der 80er und Anfang der 90er wurden mehrere Meiler für die Ukraine gebaut. Nach der Tschernobyl-Katastrophe verzichtete man aber verstärkt auf Atomkraftwerke, weshalb die Lieferung von Reaktoren für eine lange Zeit eingestellt wurde. Das Atommasch-Werk, auf das die ganze Sowjetunion stolz war, wurde privatisiert und de facto ausgeraubt. Den Ischora Werken hätte das gleiche passieren können, aber Iran und später auch China und Indien mussten aus politischen Gründen fünf neue Meiler bestellen. Dank diesen Aufträgen wurde die russische Produktion von Atomenergiemaschinen vor der totalen Vernichtung gerettet.

    Im Oktober 2006 wurde das Föderale Zielprogramm „Entwicklung des Atomenergie-Industriekomplexes Russlands für die Jahre 2007-2010 und die Zeitspanne bis 2015“ verabschiedet. Laut diesem Programm sollte die Renaissance der Branche mit der Produktion von zehn Reaktoren binnen neun Jahren beginnen.

    Und nun ist endlich ein völlig neuer Meiler gebaut worden. Der Vertrag über seine Produktion wurde 2007 geschlossen. Das Projekt WWER-1200 ist eine Weiterentwicklung der sowjetischen Linie von Wasser-Wasser-Meilern. Das Wort „Weiterentwicklung“ verdient in diesem Fall wirklich Respekt, denn seit den frühen 1960ern (dem Bau der ersten WWER-Anlagen) ist ihre Stärke von 210 auf 1150 Megawatt gewachsen, wobei der Durchmesser des Rumpfes nahezu gleich geblieben ist. Außerdem wurde die geplante Betriebszeit der Meiler von 50 auf 60 Jahre verlängert. Zu diesem Zweck mussten neue strahlungsresistente Stoffe entwickelt werden.

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