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    Ölpreise: Russland als Nutznießer der Libyen-Krise * Aufstand in Libyen: Gaddafis Tage sind offenbar gezählt * Angst vor Konflikten: GUS-Länder rüsten um die Wette

    Ölpreise: Russland als Nutznießer der Libyen-Krise * Aufstand in Libyen: Gaddafis Tage sind offenbar gezählt * Angst vor Konflikten: GUS-Länder rüsten um die Wette

    „Wedomosti": Ölpreise: Russland als Nutznießer der Libyen-Krise

    Russland könnte von den Spannungen im Nahen Osten profitieren, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Dienstag.

    Die Unruhen in der arabischen Welt lassen die Ölpreise nach oben schnellen, weshalb Russland davon profitieren könne, so Branchenkenner.

    Am Sonntag hatte ein libyscher Scheich gedroht, Ölpipelines zu sprengen, wenn die Behörden die Massenproteste weiterhin niederschlagen. Internationale Energiekonzerne wie British Petroleum, Royal Dutch Shell, OMV, Statoil, Eni und Gazprom, haben bereits die Evakuierung ihrer Mitarbeiter aus Libyen angekündigt. Die Ölförderung wurde allerdings noch nicht gestoppt. 

    Die zunehmenden Spannungen in Libyen führten zu einem Anstieg der Ölpreise: Die Brent-Öl-Futures stiegen allein am Montag um 2,5 Prozent auf 104,6 Dollar je Barrel, was einen Rekord seit September 2008 darstellt. Sollten die Spannungen zunehmen, könnten die Ölpreise um weitere 20 bzw. 30 Dollar zulegen, prognostizierte Bill Belchere (Mirae Asset Securities) in einem Interview für Bloomberg. Geopolitische Risiken fördern den Preisanstieg, so Jaroslaw Lissowolik (Deutsche Bank).

    Die Situation auf dem Ölmarkt sei zwar beunruhigend, aber das Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot weiter stabil, sagte der Analyst des Investmenthauses Troika Dialog, Valeri Nesterow. Den jüngsten Preisanstieg führte er auf Spekulationsgeschäfte zurück. Sollte aber Libyen seine Förderung drosseln, könnten sich diese Befürchtungen bewahrheiten, räumte der Experte zu.

    Falls die Öllieferungen für mehr als zwei Monate unterbrochen werden, könnten die Preise zeitweilig um 20 bis 40 Dollar je Barrel zulegen. Der russische Finanzminister Alexej Kudrin äußerte, dass die Ölpreise in den kommenden Jahren auf 70 bis 90 Dollar je Barrel sinken werden.

    Libyen hat mit 44,3 Milliarden Barrel Öl (Angaben des US-Energieministeriums) die größten Vorräte in ganz Afrika. Laut der Internationalen Energieagentur fördert Libyen jeden Tag 1,6 Millionen Barrel, von denen 63 Prozent nach Europa exportiert werden.

    Die Massenunruhen im Nahen Osten seien für das Image der Region schädlich, die bisher als zuverlässiger Rohstofflieferant galt, stellte Lissowolik fest. Auf den Nahen Osten entfalle immerhin ein Drittel des weltweiten Ölexports. Früher habe die OPEC geringer werdende Exportlieferungen ausgeglichen. Ob sie aber auch diesmal effizient reagieren kann, sei unklar, betonte Nesterow.

    Die Instabilität in der Region könnte den Schwerpunkt der weltweiten Öltransporte verschieben, so Lissowolik weiter. Die Ölabnehmer können sich relativ leicht auf sicherere Länder umstellen. Ein solcher Wandel wäre merkwürdigerweise für Russland von Nutzen, so Experte Nesterow. „Um geopolitische Risiken zu vermeiden und die eigene Energiesicherheit zu festigen, könnten die Importeure mehr Öl in Russland kaufen.“

    Derzeit sind nach Angaben des US-Energieministeriums Italien (32 Prozent), Deutschland (14 Prozent), Frankreich und China (jeweils zehn Prozent) die größten Ölimporteure Libyens.

    „Nesawissimaja Gaseta“: Aufstand in Libyen: Gaddafis Tage sind offenbar gezählt

    In der arabischen Welt werden autoritäre Regimes zu Fall gebracht, die bis zuletzt noch als unerschütterlich galten, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Die Proteswelle breitet sich weiter aus und erfasste jetzt auch Marokko, Algerien und Djibouti.

    Auf Tunesien und Ägypten folgte Libyen, wo die Protestierer sich weder von Tränengas und  Maschinengewehren oder Söldnern beeindrucken ließen. Die weitere Entwicklung der Situation ruft dennoch Besorgnisse hervor. Angesichts des drohenden Sturzes des Staatschefs Muammar Gaddafi und der Versuche seines Sohnes, die Opposition zu einem Kompromiss zu bewegen, scheint das Land bald im Chaos zu versinken.

    Gaddafi, der das Land seit 1969 regiert, steht kurz vor dem Sturz. Trotz der militanten Erklärungen aus seinem Umfeld haben die Sicherheitskräfte am Montag damit begonnen, das von den Massenunruhen erschütterte Tripolis zu verlassen.

    Gaddafis Sohn Saif al-Islam warf am Montag in einer Fernsehansprache der Opposition und den Islamisten vor, das Land zersplittern zu wollen. Zudem warnte er vor einem Bürgerkrieg. Er versuchte, für die Schüsse auf die Demonstranten inkompetente Militärs verantwortlich zu machen und versprach, in zwei Tagen Gespräche über eine Verfassungsreform zu führen.

    „Ihr wollt Demokratie und Rechte? Darüber können wir reden. Wir hätten dies vielleicht schon früher tun sollen“, sagte Saif al-Islam. Zudem drohte er: Entweder Reformgespräche oder Krieg und Tausende Tote. Gaddafis Sohn unterstrich, dass sein Vater im Land bleibt und sich weiter auf die Armee stützt. Er betonte, dass die Regierungsanhänger bis zur letzten Patrone kämpfen werden.

    Trotz des Kriegsgetöses weigerten sich viele Soldaten in einigen libyschen Städten, die Massenprosteste zu stoppen und liefen zu den Demonstranten über.

    Nach einigen Informationen haben die Aufständischen einige Militärstützpunkte erstürmt, wo sich die Panzer und andere schwere Waffen befinden.

    Der Fernsehsender Al-Jazeera berichtete, dass es am Montag erbitterte Kämpfe zwischen den Demonstranten und Gaddafi-Anhängern gegeben hat. In den Straßen sollen Soldaten mit Maschinengewehren auf die Demonstranten geschossen haben.

    In Bengasi, dem Epizentrum der neuen libyschen Revolution, gab es ebenfalls Zusammenstöße. Die Gaddafi-treuen Truppen versuchen ständig, die Kontrolle über die Stadt wiederzuerlangen.

    Die Frage stellt sich, wie es mit Libyen weiter geht und wer als Gaddafis Nachfolger in Betracht kommt. „In Libyen, wo es in den vergangenen 40 Jahren keine Opposition, keine öffentliche Meinung, keine unabhängigen Medien und keine bürgerliche Gesellschaft gegeben hatte, kann man kaum vorhersagen, wer Muammar Gaddafi ablösen kann.

    Falls der Oberst gestürzt wird (ist noch umstritten), wird die Macht anscheinend an diejenige Struktur übergehen, die funktioniert. Ein ägyptisches Szenario (die Armee gelangt an die Macht) ist nicht ausgeschlosssen“, sagte Francois Heisbourg, Sonderberater der Stiftung für strategische Studien (Paris).

    „Nesawissimaja Gaseta": Angst vor Konflikten: GUS-Länder rüsten um die Wette

    Die Supermächte denken an Abrüstung, doch im postsowjetischen Raum geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Die Militärausgaben der GUS-Länder und Georgiens im Gesamtwert von 60 Milliarden Dollar sind 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent angestiegen.

    Die meisten GUS-Länder haben keine besonderen Wirtschaftserfolge vorzuweisen. Ihr Bruttoinlandsprodukt ist 2010 im Durchschnitt um 4,5 Prozent gewachsen (in Georgien um 5,5 Prozent). In diesem Jahr bleibt der BIP-Zuwachs voraussichtlich konstant. Das Wachstum der Rüstungsausgaben ist sechs Mal höher als das des BIPs.

    Das beweist zwei Dingen. Erstens besteht im postsowjetischen Raum eine große Gefahr der Wiederbelebung regionaler und internationaler Konflikte aus der Vergangenheit. Zweitens haben mehrere Länder mit der kostspieligen Umrüstung ihrer Streitkräfte begonnen. Denn die Armeen aller früheren Sowjet-Republiken (außer den baltischen Ländern) sind nach wie vor mit sowjetischen Waffen gerüstet. 

    Zwei Ausnahmen sind Georgien und Aserbaidschan. Georgiens Streitkräfte wurden vor kurzem von den USA und der Nato aufgerüstet (was allerdings während des Südossetien-Kriegs nichts nützte). Aserbaidschan wappnet sich für mögliche Militäraktionen (in Bergkarabach), weshalb seine Militärausgaben von 1,59 Milliarden Dollar (3,95 Prozent vom BIP) 2010 auf 3,1 Milliarden Dollar (6,2 Prozent vom BIP) 2011 wachsen werden.

    Aserbaidschans Finanzminister teilte mit, dass für den Bedarf der Rüstungsindustrie in diesem Jahr 1,36 Milliarden Dollar bestimmt sind. Damit erreichen Bakus gesamte Militär- und Rüstungsausgaben die Summe von 4,46 Milliarden Dollar (8,9 Prozent vom BIP).

    Ziemlich umfassend sind auch die Rüstungsausgaben Armeniens (4,1 Prozent vom BIP). Sie machen allerdings weniger als zehn Prozent der Militärausgaben Aserbaidschans aus. Nicht zu vergessen ist aber, dass auch Bergkarabach mit 150 Millionen Dollar (zehn Prozent vom BIP) seinen Beitrag zur Militärstärke Armeniens leistet.

    Im Südkaukasus ist ein neuer Krieg durchaus möglich. Falls es dazu kommen sollte, ist ungewiss, wie er ausgeht. Russland würde dabei sicher ein Wort mitreden.

    Blutige Konflikte sind auch in Zentralasien möglich. Um neuen Massenunruhen vorzubeugen, wird Kirgistan in diesem Jahr 222,6 Millionen Dollar (12,6 Prozent seiner Haushaltsausgaben) für die Aufrüstung ausgeben. Sein BIP wird dabei voraussichtlich 5,3 Milliarden Dollar betragen. Diese Gelder werden allerdings nicht genügen, weshalb die Republik eine Hilfe von außen braucht.

    Unterstützung von außen wäre auch für Tadschikistan nützlich, dessen Armee im Sommer und Herbst 2010 gegen die zusammengeraufte Opposition kämpfen musste. Deshalb erhöhte Duschanbe seine Rüstungsausgaben um 25 Prozent. Wegen des wankenden Regimes von Emomali Rachmon sind neue Zusammenstöße mit der Opposition möglich.

    Weiter relativ stabil ist die Situation in Usbekistan und Turkmenistan. Taschkent plant 2011 Militärausgaben von 1,6 Milliarden Dollar (3,2 Prozent vom BIP gegenüber 3,5 Prozent im Vorjahr). In Turkmenistan liegt diese Summe konstant bei 1,5 Prozent der gesamten Haushaltsausgaben.

    Auch in Kasachstan bleibt der Rüstungsaufwand voraussichtlich nach wie vor bei 0,9 Prozent vom BIP. Nach den arabischen Revolutionen könnte es aber auch in Zentralasien zu Massenunruhen kommen, was zusätzliche Militärausgaben verursachen könnte.

    In Moldawien wird diese Summe voraussichtlich bei 29 Millionen Dollar liegen. Chisinau könnte allerdings Militärhilfe von mehreren Nato-Ländern erhalten.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.





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