11:53 13 Dezember 2017
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    Russische Ölförderer bangen um Projekte in Libyen * EU findet plötzlich Gefallen an South Stream * Wegen Libyen-Einsatz: Medwedew kanzelt Putin ab

    „RBC Daily“: Russische Ölförderer bangen um Projekte in Libyen
    Wegen des Militäreinsatzes gegen das Gaddafi-Regime ist die Zukunft vieler  Öl- und Gasprojekte in Libyen ungewiss, schreibt die Zeitung „RBC Daily“ am Dienstag.

    Die zwei in Libyen tätigen russische Energiekonzerne Tatneft und Gazprom mussten nach dem Beginn der Unruhen ihre Mitarbeiter evakuieren.

    Gazprom ist bereits seit langem an Projekten in Libyen beteiligt. 2007 erhielt der russische Gasriese bei einem Tauschgeschäft mit dem deutschen Konzern BASF 49 Prozent an zwei Ölkonzessionen in Libyen. Im April 2008 schloss Gazprom einen Kooperationsvertrag mit dem nationalen libyschen Ölkonzern NOC. Gazprom konnte dadurch an den Ausschreibungen zur Erschließung der Ölvorkommen teilnehmen. Im Ergebnis bekam Gazprom den Zuschlag für Erkundungsarbeiten auf den Lagerstätten Nr. 19 und 64.

    Mitte Februar vereinbarte Gazprom den Kauf von Anteilen (16,5 Prozent) des italienischen Konzerns Eni am Ölprojekt Elephant für 163 Millionen Dollar. Trotz der drei Jahre dauernden Verhandlungen erhielten die Seiten nicht rechtzeitg die Genehmigung von den örtlichen Behörden.

    Gazprom schloss den Vertrag jedoch kaum ab, ohne sich gegen unvorhergesehen Folgen abzusichern. Laut dem Juristen Wsewolod Miller besteht die russische Seite in diesen Fällen auf höhere Gewalt. Der Vertrag zwischen Eni und Gazprom  enthalte offenbar diesen Vertragspunkt. Als höhere Gewalt könne ein Krieg oder der Gegenstand der Vereinbarung bezeichnet werden, der seine Bedeutung verloren hat, sagte Miller. „Wegen der instabilen Situation in Libyen kann der Wert des libyschen Projekts gleich Null sein. Gazprom hat schwerwiegende Gründe, um auf den Deal zu verzichten“, betonte der Jurist.

    Der seit sechs Jahren in Libyen tätige Konzern Tatneft kann wegen des Bürgerkriegs am stärksten betroffen werden. Im Oktober 2005 sicherte sich Tatneft die Konzession zur Erschließung eines Ölblocks bei Ghadames (Block 82-4). Im Dezember 2006 bekam der russische Förderer die Rechte auf drei Ölblöcke im Ghadames- und Sirte-Becken. 2009 investierte Tatneft 43,8 Millionen US-Dollar in libysche Projekte.
     
    Die russischen Unternehmen seien zwar an den Projekten sehr interessiert, ihre Chancen, in Libyen zu bleiben, schwinden aber mit jedem Tag, sagte Alexej Muchin, Generaldirektor des Zentrums für politische Informationen. „Alle Verträge, die unter Gaddafi geschlossen worden waren, verlieren wie im Irak ihre Gültigkeit. Die russischen Unternehmen müssen Libyen verlassen“, so der Politologe.

    "Nesawissimaja Gaseta": EU findet plötzlich Gefallen an South Stream
    Europa zeigt endlich Interesse an der  russischen Gaspipeline South Stream, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    Zur möglichen Beteiligung des deutschen Konzerns Wintershall an dem Pipeline-Projekt sagte der Generaldirektor des italienischen Energieriesen ENI, Paolo Scaroni, am Montag im "Wall Street Journal": In diesem Fall dürfe die russische Pipeline mit mehr Unterstützung seitens der EU rechnen.

    Experten sind geteilter Meinung in Bezug auf die Zukunft der South Stream. Die einen finden, dass dem kostspieligen und politisch bedingten Projekt nichts weiterhilft. Die anderen sind überzeugt, dass die Europäer angesichts der Spannungen in Nordafrika ihre Haltung ändern könnten.

    „Ohne die Zustimmung der EU wird South Stream nicht auffliegen“, so der ENI-Chef. Zugleich verwies er darauf, dass die EU die Liberalisierung der Versorgungsnetze verlangt und Monopole in der Transportinfrastruktur verbietet. South Stream hätte gute Chancen, wenn diese Einschränkungen für diese Pipeline nicht gelten würden, betonte Scaroni und vermutete, dass „die Beteiligung von drei Unternehmen aus drei führenden EU-Ländern positiv für dieses Projekt wäre.“

    Geplant ist, dass die Ferngasleitung, die jedes Jahr mehr als 60 Milliarden Jubiläum Gas nach Europa pumpen soll,  durch das Schwarze Meer nach Bulgarien (in der Diskussion steht auch Rumänien) verlegt wird. In Europa wird South Stream als Konkurrent für die Nabucco-Pipeline angesehen, die Gas vom Kaspischen Meer und aus dem Nahen Osten befördern soll.

    Eine Quelle aus dem Gazprom-Umfeld verriet, dass der Deal mit Wintershall bereits in wenigen Tagen abgewickelt werden könnte.

    Derzeit sind Gazprom und ENI die gleichberechtigten Aktionöre der South Stream. Neben Wintershall verhandeln sie derzeit auch mit dem französischen Konzern EdF über einen Einstieg ins Projekt. Bislang konnten sich die Partner noch nicht einigen, wer auf einen Teil der Aktien zugunsten der Franzosen verzichtet. Ursprünglich sollte EdF jeweils zehn Prozent von den beiden bekommen. Im vergangenen Jahr machte Gazprom jedoch einen Rückzieher.

    Die BASF-Tochter Wintershall ist ein zuverlässiger Partner, zumal sie bereits am Nord-Stream-Projekt (Anteil: 15,5 Prozent) beteiligt ist.

    Experten bewerten die South-Stream-Perspektiven unterschiedlich. Michail Krutichin, Partner der Beratungsfirma RusEnergy, findet, dass Wintershall-Einstieg keine positive Auswirkung haben wird.

    Der Chefanalyst des Fonds für nationale Energiesicherheit, Alexander Pasetschnik, zeigte sich dagegen eher optimistisch: „Die Aussagen der russischen Behörden zum Thema South Stream sind unter anderem ein Signal an die Ukraine, denn ein Joint Venture zwischen Gazprom und Naftogas Ukrainy ist immer noch nicht vom Tisch.“

    Zugleich verwies der Experte auf die im April geplante South-Stream-Präsentation in Brüssel. „Die Europäer scheinen dieses Projekt immer noch zu berücksichtigen. Sollte es als Priorität anerkannt werden, dann wird die negative Position Rumäniens oder Bulgariens im Grunde keine Rolle spielen“, so Pasetschnik.

    Nach seinen Worten könnte South Stream eine besonders wichtige Rolle „im Kontext der geopolitischen Instabilität in Afrika“ spielen.

    „GZT.ru“: Wegen Libyen-Einsatz: Medwedew kanzelt Putin ab
    Präsident Dmitri Medwedew hat Regierungschef Wladimir Putin wegen seiner scharfen Äußerungen zu den Libyen-Angriffen zurechtgewiesen, schreibt die Online-Zeitung „GZT.ru“ am Dienstag.

    „Man sollte Worte vermeiden, die im Grunde einen Konflikt der Zivilisationen auslösen könnten“, sagte der Staatschef in einem Pressegespräch. „Das ist unangebracht. Andernfalls könnte die Situation noch schlimmer werden als sie ohnehin ist.“

    Einige Stunden zuvor hatte Premier Wladimir Putin die Angriffe der westlichen Angriffe auf Libyen als „Kreuzzug“ gegeißelt. Ihm zufolge zeugt das davon, dass die US-Regierung „weder Logik noch Gewissen hat.“ Außerdem übte Putin Kritik am UN-Sicherheitsrat, der „faktisch die ausländische Invasion in einen souveränen Staat zugelassen hatte.“

    Laut dem Direktor des Instituts für nationale Strategie, Stanislaw Belkowski,  befindet sich Russland im Vorfeld der Präsidentenwahlen 2012 in einem PR-Wahlkampf, wobei Putin manchmal als konservativen Gegner des Westens und Medwedew als ein pro-westlicher Modernisierer erscheint.

    Medwedew wolle mit seinen Worten bereits Wahlkampf machen. „In erster Linie waren sie an den Westen gerichtet, um zu zeigen, dass es zwischen Medwedew und Putin ideologische Unterschiede gibt. Damit sollten die Länder, die derzeit Libyen bombardieren, Medwedew unterstützen. In Wirklichkeit gibt es aber keine Unterschiede zwischen den beiden Politikern. Das alles ist nur ein politisches Spiel der Technologien“, so Belkowski.

    Teilweise beachte Putin diese Spielregeln. Andererseits mache sein Apparat alles, um seinen Namen mit der Korruption und den anti-westlichen Stimmungen zu verbinden, ergänzte der Experte.

    Der Generaldirektor des Zentrums für politische Informationen, Alexej Muchin, ist der Überzeugung, dass das „Machttandem“ im Einzelfall unterschiedliche Meinungen hat. Ein Konflikt komme allerdings nicht in Frage, denn Putin und Medwedew bieten der Nato und der Weltgemeinschaft ein schwieriges politisches Modell an, weshalb Russland unabhängig von der weiteren Entwicklung der Situation in Nordafrika profitieren könnte, betonte er.

    Muchin erinnert daran, dass Moskau dank diesem „Zwiespalt“ seinen Streit mit Minsk regeln und sich mit dem US-Präsidenten Barack Obama bei mehreren Fragen einigen konnte, ohne seine anti-amerikanische Politik aufzugeben.

    Nicht zu übersehen ist allerdings, dass Medwedew gestern Putin teilweise zustimmte. Medwedew zufolge ist für die Ereignisse in Libyen vor allem Gaddafis Regime verantwortlich, das Verbrechen gegen seine Mitbürger begangen habe.

    Es ist nicht das erste Mal in der letzen Zeit, dass Putin Aussagen macht, als wäre er der russische Staatschef. Deswegen äußert Medwedew indirekt Kritik an Putin. So sagte der Premier vor kurzem, er würde die Entwicklung von Atomwaffen nicht zulassen, falls sie Russlands Sicherheit beeinträchtigen sollten. Solche  Erklärungen fallen jedoch in die Zuständigkeit des Staatsoberhaupts.

    Medwedew kündigte  an, er würde ein Rechtsgutachten unter Beteiligung ausländischer Juristen über Strafverfahren veranlassen, die während Putins Präsidentschaft eingeleitet worden waren. Zuvor hatte er auch Putins Aussagen über die Aufklärung des Terroranschlags auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo getadelt.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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