23:03 22 Oktober 2017
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    Veraltet und teuer: Russisches Militär wettert gegen Panzerschmieden * Libyen-Krise: Gaddafi droht dem Westen mit Krieg * Inflation: Immer mehr Arme in Russland

    "RBC daily": Veraltet und teuer: Russisches Militär wettert gegen Panzerschmieden

    Im Streit um die Qualität russischer Panzer hat sich Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow gegen heimische Neuerwerbungen ausgesprochen, schreibt die Zeitung „RBC daily“ am Montag.

    Wie der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow am Freitag sagte, entsprechen die neuen Kampfpanzer nicht den heutigen Anforderungen. Selbst die Neuentwicklungen seien zu 60 Prozent veraltet, sagte er.

    Dem Verteidigungsminister zufolge sollen die vorhandenen Panzer lieber modernisiert werden. Die Modernisierung eines Panzers kostet 30 bis 40 Millionen Rubel (1 Euro = ca. 40 Rubel), was deutlich günstiger ist als ein neuer Panzer (über 100 Millionen Rubel). Die russische Armee verfügt über etwa 10.000 Panzer, womit sie im Soll liegt.

    Im März hatte der Befehlshaber der Landstreitkräfte, Alexander Postnikow, die russischen Panzer heftig kritisiert. Selbst die neuesten Waffen könnten nicht mit ihren chinesischen Pendants und schon gar nicht mit denen der Nato mithalten, so der Heereschef. Postnikow hatte damals den deutschen Leopard-Panzer gelobt. Der neue T-90-Panzer sei eine modifizierte Version des sowjetischen Panzers T-72. Er koste 118 Millionen Rubel. „Es wäre einfacher drei Leopard-Panzer für dieses Geld zu kaufen“, sagte Postnikow.

    Regierungschef Wladimir Putin ist da offenbar anderer Meinung. Am vergangenen Donnerstag sagte er bei einer Konferenz der Partei „Geeintes Russland“ in Jekaterinburg, dass die russischen Militärs nun doch gern heimische Panzer erwerben würden. Bei dem Treffen der Kreml-Partei beschwerte sich ein Rüstungsmanager über die Generäle, die Panzer im Ausland kaufen wollen. Putin bemerkte darauf, dass die Generäle diese Aussagen im „polemischen Eifer“ gemacht hätten.

    Dem Militärexperten Alexander Chramtschichin zufolge ist es für Russland weiterhin wichtig, ausreichend Panzer zu haben. „Russland kann zwar wie der Westen auf die Panzerproduktion verzichten, in einem klassischen Krieg sind jedoch die Panzer vonnöten, vor allem angesichts einer möglichen Konfrontation mit China“, sagte Chramtschichin.

    Konstantin Makijenko vom Zentrum für Strategien und Technologien hat eine andere Meinung. „Der Verzicht auf den Kauf neuer Panzer ist naheliegend, weil die russische Armee über überflüssige Anzahl von Panzern verfügt - rund 7000 Stück. Russland braucht einfach nicht so viele Panzer“, sagte Makijenko.

    "Nesawissimaja Gaseta": Libyen-Krise: Gaddafi droht dem Westen mit Krieg


    Russland und Südafrika suchen nach Auswegen aus der Libyen-Krise, während Machthaber Muammar Gaddafi dem Westen mit Angriffen droht, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Bei einem Telefongespräch am vergangenen Samstag berichtete der südafrikanische Präsident Jacob Zuma seinem russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew über die Ergebnisse des jüngsten Gipfels der Afrikanischen Union zur Libyen-Krise. „Um weitere Schritte zu koordinieren und eine Lösung des Konflikts in Libyen herbeizuführen, haben die Staatsoberhäupter für die nächste Zeit ein persönliches Treffen vereinbart“, so der Pressedienst des Kreml. Nach AFP-Angaben traf Zuma bereits am gestrigen Sonntag in Moskau ein.

    Bei ihrem Treffen in Malabo (Äquatorialguinea) einigte sich die Afrikanische Union auf einen neuen „Fahrplan“ für die Libyen-Regelung, in dem betont wurde, dass Gaddafi einen Dialog mit der Opposition akzeptiere. Die Teilnehmer des Treffens konnten sich aber nicht über das weitere Schicksal des libyschen Machthabers einigen. Zugleich wurde der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgestellte Haftbefehl für Gaddafi verurteilt.

    Die Afrikaner verlangen eine sofortige Waffenruhe in Libyen und die Aufhebung des Flugverbots. Stattdessen sollten UN-Blauhelme in dem nordafrikanischen Land stationiert werden, was allerdings noch mit beiden Konfliktseiten vereinbart werden muss.

    Die Vertreter der Aufständischen verlangten von der Afrikanischen Union erneut als Vorbedingung für Verhandlungen den Rücktritt Gaddafis.

    Der libysche Machthaber wandte sich unterdessen in einer Ansprache an die Nato-Länder, die an der Operation „Unified Protector“ beteiligt sind. „Die Libyer sind in der Lage, Europa in ein Schlachtfeld zu verwandeln“, drohte er. „Dann werden eure Häuser, Büros und Familien zu legitimen militärischen Zielen - genauso wie unsere Häuser derzeit eure Ziele sind. Wir werden Europa wie Heuschrecken, wie ein Bienenschwarm attackieren. Ihr solltet unser Land verlassen, solange Ihr nicht auf eine Katastrophe gestoßen seid.“

    „Es wäre absolut falsch, zu glauben, dass Gaddafi durch Lufteinsätze bezwungen werden kann“, sagte Andrew McGregor von der Organisation Aberfoyle International Security (Toronto), die auf Sicherheitsfragen in der islamischen Welt spezialisiert ist. Das größte Problem ist nach seiner Auffassung das überschätzte Potential der libyschen Rebellen. „Sie bräuchten zuerst ein paar Jahre, um sich zu organisieren. Wenn man spontan auf die Straßen geht, ist das Ergebnis voraussagbar.“

    In die gleiche Kerbe schlug auch der Politologe Alan Cooperman von der Texas University. „Es war ein grundsätzlicher Fehler des Weißen Hauses und der Nato, zu glauben, dass das gesamte libysche Volk in Opposition zu Gaddafi stehen würde. In Wirklichkeit ist Libyen in zahlreiche Clans und Stämme aufgeteilt. Einige von ihnen wurden von Gaddafi massiv unterstützt und unterstützen ihn jetzt“, so der Experte.

    Ali Ahmed von der New England University warf der Nato vor, statt der proklamierten Befreiung des libyschen Volks nur „die Ausbeutung des ölreichen Libyens“ als Ziel zu haben.

    "Nowyje Iswestija": Inflation: Immer mehr Arme in Russland


    Immer mehr Einkommen in Russland fallen unter das Existenzminimum, stellt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Montag fest.

    Seit Januar bzw. März 2010 hat die Zahl der Armen um 2,3 Millionen (11,2 Prozent) zugelegt und insgesamt 22,9 Millionen erreicht. Besonders auffällig war dieser Negativtrend in den vergangenen Monaten - seit Dezember 2010 ist die Zahl der Armen um 4,8 Millionen (26,5 Prozent) gewachsen.

    Experten räumen zwar ein, dass dieser Trend teilweise saisonbedingt ist. Dennoch ist Michail Deljagin, der Direktor des Instituts für Globalisierungsfrage der Ansicht, dass es sich um eine „beispiellose“ Situation handelt. „So etwas hat es bisher nie gegeben“, unterstrich er. „Das ist ein Signal dafür, dass es umfassend abwärts geht. Immer mehr Menschen werden arm, obwohl die Ölpreise weiter hoch sind. Deshalb ist die Angelegenheit nicht durch eine schlechte auswärtige Konjunktur begründbar.“

    „Die Bevölkerung wird wegen der Willkür der Monopolisten und des hohen Korruptionsniveaus ärmer“, fuhr der Experte fort. „Die Menschen werden ausgeraubt.“

    Das Existenzminimum verschiebt sich indes nach oben: Im ersten Quartal 2011 ist es um 9,7 Prozent seit dem vierten Vierteljahr 2010 gestiegen. Der russische Durchschnittsbürger braucht mindestens 6400 Rubel (1 Euro= ca. 40 Rubel) pro Monat. Für die werktätige Bevölkerung liegt das Existenzminimum bei 6900 Rubel, für Rentner bei 5100 Rubel, für Kinder bei 6200 Rubel. Die Lebensmittel haben sich seit Jahresbeginn um 10,6 Prozent verteuert. Die Preise für Industriewaren bzw. Dienstleistungen sind um jeweils 3,5 und elf Prozent gestiegen.

    Auch die Inflationsrate befindet sich im Anstieg. Zwischen Januar und Mai stiegen die Preise um fünf Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist ein Anstieg von 9,6 Prozent zu verzeichnen. Wegen der Inflation sind die Realeinkommen im Mai um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken.

    Finanzmarktanalyst Anton Safronow führt die aktuelle Situation auf die Inflation zu Anfang des Jahres zurück und prognostizierte deshalb eine hohe Inflationsrate auch am Ende des Jahres. „Der Preisanstieg wird 7,5 Prozent erreichen. Die Realeinkommen sinken am Jahresende um fünf bis sieben Prozent. Man sollte aber bedenken, dass die Statistikbehörde Rosstat nur offizielle Löhne berücksichtigt. Wegen der jüngsten Novellierung des Steuergesetzes werden aber in vielen Unternehmen die Löhne inoffiziell ausgezahlt. Deshalb ist unklar, wie es wirklich aussieht“, so der Kenner.

    Deljagin zufolge sieht die Situation in Wirklichkeit deutlich schlimmer aus: „Rosstat verschönert immer seine Angaben. Vor etwa einer Woche behauptete die Behörde, die Einkommen wären im Mai um sieben Prozent gesunken. Jetzt behauptet Rosstat, der Rückgang würde bei nur fünf Prozent liegen.“

    Egal wie, aber die Lebenshaltungskosten befinden sich im ständigen Anstieg. Nach Angaben des Statistikamts lag der Durchschnittslohn im Mai bei 22 500 Rubel im Monat (Zuwachs um 12,5 Prozent seit Mai 2010). Nicht zu übersehen ist aber, dass die Inflationsrate laut offiziellen Angaben 9,6 Prozent ausmachte.

    Die Ergebnisse neuer Studien beweisen indes, dass nur 20 Prozent der Arbeitgeber in absehbarer Zeit eine Lohn- bzw. Gehaltserhöhung planen.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.