18:48 18 Oktober 2018
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    Islamisten getarnt als Freiheitskämpfer: Al-Qaida lockt Westen in Falle * Ringen um Libyens Ressourcen hat begonnen* Präsidenten-Kandidatur: Russlands Machttandem steht kurz vor der Entscheidung

    "Rossijskaja Gaseta": Islamisten getarnt als Freiheitskämpfer: Al-Qaida lockt Westen in Falle

    Nach dem Sturz von Muammar Gaddafi sind die  Islamisten in Libyen auf dem Vormarsch, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Freitag.

    Russland hat am Donnerstag den Nationalen Übergangsrat der Rebellen als rechtmäßige Vertreter des libyschen Volkes anerkannt. Laut der Entwicklung der Ereignisse in Libyen wird der Westen aber noch bedauern, dass er die Aufständischen beim Sturz des Gaddafi-Regimes unterstützt.

    Die Fahne der Revolution, die mit Aufrufen zur Freiheit und Demokratie begonnen hatte, wurde den radikalen Islamisten übergeben. Zwar handelt es bislang nur um Einzelfälle, doch viele undurchsichtige Anführer der Rebellentruppen wecken Zweifel bei vielen Experten. Fernsehsender aus Europa berichten davon, dass die Al-Qaida die Führungsriege der Opposition unterwandert.

    Unter Gaddafi saßen viele Anführer der radikalen Islamisten hinter Gittern oder wurden aus dem Land gewiesen. Jetzt haben sie die Gelegenheit, Rache zu üben - im Schulterschluss mit dem Westen, der die Al-Qaida in Afghanistan und im Irak bekämpft.

    Die Waffen des Westens gelangen in die Hände ihrer unversöhnlichen Feinde. Ihren Plan,  Libyen in einen islamistischen Staat zu verwandeln, müssen sie verheimlichen. Sie brauchen die Unterstützung der Nato, um Gaddafi den Garaus zu machen. Ohne die Hilfe des Westens könnte sich der Bürgerkrieg in die Länge ziehen.

    Die Radikalen haben den Übergangsrat unterwandert und werden nach den Wahlen an die Macht kommen und danach ihre eigenen Regeln aufstellen. Der Westen kann jedoch den Willen des Volkes nicht ignorieren. Al-Qaida wird mit Libyen eine Vorhut für Anschläge in Europa bekommen.

    Im Juli wurde der Kommandeur der Rebellentruppen, Abdel Fattah Junes, getötet. Der General war übergelaufen und hatte zuvor Gaddafis Militäroperationen gegen die Islamisten geleitet. Es ist nicht bekannt, wer ihn getötet hat. Kurz nach seinem Tod wurde Abdel Hakim Belhadsch, ein früheres Al-Qaida-Mitglied, zum Militärchef ernannt. In seinem früheren Leben war er Emir der „Libyschen Islamischen Kampfgruppe“ gewesen, die zum Al-Qaida-Ableger in Libyen gehört.

    Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass die Aufständischen bei der jüngsten Festnahme des libyschen Außenministers in Tripolis nicht „Es lebe die Revolution“, sondern „Allahu Akbar“ riefen.

    So eine Opposition wird auf Verhandlungen mit Gaddafi niemals eingehen. Das Blutvergießen wird sie nicht stoppen – viel zu wichtige geopolitische Aufgaben stehen auf dem Spiel. In Libyen sind bereits über 50.000 Menschen während der Kämpfe getötet worden. Das Massaker wird weitergehen – egal ob Gaddafi gefasst wird oder nicht.

    "Kommersant": Ringen um Libyens Ressourcen hat begonnen

    In Paris haben am Donnerstag Vertreter aus mehr als 60 Ländern mit Gesprächen über die Zukunft Libyens begonnen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Die erste Geige bei der Libyen-Konferenz spielen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Großbritanniens Premier David Cameron und US-Außenministerin Hillary Clinton. Laut den westlichen Staats- und Regierungschefs steht der Wiederaufbau Libyens an erster Stelle der Tagesordnung.

    Doch Experten zufolge stecken hinter den Gesprächen über freie Wahlen und die Wiederherstellung der Wasser- und Lebensmittelversorgung völlig andere Ziele. Die Sieger wollen die besten Stücke vom Libyen-Kuchen für sich abschneiden. Es handelt sich vor allem um die Öl- und Gasvorräte (29,5 Milliarden Barrel und 1,6 Billionen Kubikmeter). Der Westen hatte mit der Aufteilung der Vorkommen schon lange vor dem Fall von Tripolis begonnen.

    Wie die französische Zeitung „Liberation“ gestern schrieb, hat der libysche Übergangsrat den Franzosen bereits im April versprochen, die Kontrolle über 35 Prozent des libyschen Öls im Tausch gegen militärische und politische Unterstützung zu übergeben. Frankreichs Außenminister Alain Juppé sagte am Donnerstag, dass er nichts davon wisse, halte es aber für naheliegend, dass die Länder, die die Aufständischen unterstützten, Vorrechte beim Wiederaufbau des Landes bekommen.

    Italien verliert ebenfalls keine Zeit. Anfang dieser Woche unterzeichnete der bereits vor dem Krieg in Libyen tätige italienische Energiekonzern ENI ein Kooperationsabkommen mit dem Übergangsrat. Die Aufständischen versprachen den Italienern, alles dafür zu tun, damit das Unternehmen wieder seine Tätigkeit in Libyen aufnehmen kann.

    Russland hat in den vergangenen Tagen sein zögerliches Verhalten zur Libyen-Frage aufgegeben. Zunächst erklärte sich Moskau bereit, an der Libyen-Konferenz teilzunehmen. Am Donnerstag erkannt Russland den Übergangsrat der Rebellen als rechtmäßige Vertreter des libyschen Staats an Libyens. Doch Russland ist nicht unbedingt daran interessiert, neue Abkommen zu schließen, sondern dass die alten ihre Gültigkeit behalten. „Wir gehen davon aus, dass die früher geschlossenen Verträge zwischen der Russischen Föderation und Libyen sowie andere gegenseitige Verpflichtungen gewissenhaft erfüllt werden“, hieß es gestern in einer Erklärung des russischen Außenministeriums.

    Laut Experten muss Russland darüber nicht mit den neuen libyschen Anführern sprechen. „Die wirtschaftlichen Entscheidungen werden von den Ländern getroffen, mit deren Hilfe der Übergangsrat an die Macht gekommen ist“, sagte Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift „Russia in Global Affairs“. Russland solle nicht erwarten, dass die früheren Vereinbarungen erfüllt werden. „Die westlichen Unternehmen werden Russland bestenfalls als Partner einladen“, so Lukjanow.

    "Nesawissimaja Gaseta": Präsidenten-Kandidatur: Russlands Machttandem steht kurz vor der Entscheidung

    Rund ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen könnte zur Entscheidung kommen, ob Präsident Dmitri Medwedew für eine weitere Amtszeit kandidiert oder Premier Wladimir Putin den Vortritt lässt, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

    Präsident Dmitri Medwedew hat seine Teilnahme am Parteitag von „Geeintes Russland“ am 23. und 24. September angekündigt. Das Treffen der Kreml-Partei findet ein halbes Jahr vor der Präsidentenwahl statt. Experten halten es für nicht ausgeschlossen, dass an dem Parteitag der Präsidentenkandidat bekannt gegeben wird.

    Medwedew plant schrittweise, aber gründliche Reformen des politischen Systems in Russland. An dem jetzigen Kurs soll festgehalten werden, allerdings mit einigen Veränderungen.

    Laut Experten stehen Medwedew und Premier Wladimir Putin kurz davor, eine Entscheidung zu treffen. Die beiden haben es bei Auftritten immer vermieden, sich über den anderen zu äußern.

    Dem Politologen Gleb Pawlowski zufolge kann Medwedew seine Kandidatur während des Parteitags von „Geeintes Russland“  bekannt geben. Ihm zufolge wird Putin voraussichtlich weiter die Regierungsgeschäfte leiten. Allerdings sei es nicht ganz ausgeschlossen, dass Putin wieder in den Kreml einziehen will.
    „Seit einem halben Jahr herrscht Ungewissheit. Das schadet dem Land und Medwedew. Er bekennt keine Farbe“, sagt der Experte.

    Alexej Milaschenko vom Moskauer Carnegie-Zentrum kritisiert die Hinhaltetaktik des russischen Machtduos. „Genug der Worte, es muss dringend gehandelt werden. Gespräche bringen nichts, es zögert sich alles nur hinaus. Das beweist nur, dass sie sich entweder noch nicht einig sind oder alles beim Kaffeeklatsch entschieden wird“, so Milaschenko


    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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