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    Libyen und Syrien: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg * Mi-28N und Bulawa: Aus Misserfolgen lernen * Gazprom und BASF vereinbaren Aktientausch

    "Moskowski Komsomolez": Libyen und Syrien: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

    Die Nato zieht endlich ihre Kräfte aus Libyen ab, schreibt die Zeitung "Moskowski Komsomolez" am Montag.

    Die Ziele des Libyen-Einsatzes sind erreicht worden: Der von der Opposition gebildete Nationalrat kontrolliert die Situation im Land, Diktator Gaddafi wurde entmachtet und liquidiert. Deshalb hat der UN-Sicherheitsrat Ende der vergangenen Woche das im März verhängte Flugverbot über Libyen aufgehoben. Für die Nato-Kampfjets  galt das Verbot nicht  – sie flogen in dieser Zeit nahezu 30 000 Einsätze.

    Fraglich ist allerdings, dass in Libyen ab sofort Frieden geschweige denn Demokratie herrscht. Andernfalls hätten die neuen Machthaber wohl nicht die Allianz gebeten, bis Jahresende zu bleiben. Nicht zu übersehen ist auch, dass Kampfjets der Luftwaffe Katars nach wie vor in Libyen stationiert sind. Katars Generalstabschef sagte dazu, diese Hilfe sei „weiterhin nötig“. Der einzige Unterschied besteht darin, dass nicht mehr die Nato, sondern jemand anderes (Katar) die erste Geige spielt.

    Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad forderte die Libyer dazu auf, „einen neuen langen Krieg gegen den Imperialismus zu beginnen.“ Unklar ist allerdings, ob er dabei Gaddafis Anhänger oder Gegner meinte.

    Die meisten Experten sind sich einig, dass Libyen ein neuer Machtkampf bevorsteht. Solange Gaddafi am Leben war, hatten die zahlreichen Gruppierungen im Nationalrat ein gemeinsames Ziel. Nach dem Tod des Diktators hat das Ringen um die Macht begonnen. Ob sich die früheren Verbündeten sich friedlich einigen können, ist fraglich.

    Während der Himmel über Libyen wieder frei ist, verlangen die syrischen Oppositionellen eine ähnliche UN-Resolution für ihr Land. In Syrien wird weiter Blut vergossen. Allein in den letzten Tagen wurden viele Protestierende in Hama und Homs getötet. Die Rebellen behaupten, dass Panzer gegen sie eingesetzt worden seien.

    Aber auch in Damaskus schweigt man nicht: Präsident Baschar al-Assad sagte kürzlich in einem Interview für den „Sunday Telegraph“, in Syrien gehe es derzeit um „eine Konfrontation zwischen dem Islamismus und dem säkularen Panarabismus“: „Wir kämpfen seit den 1950er Jahren gegen die Muslimbrüder und setzen unseren Kampf weiter fort.“ Der Staatschef räumte „zahlreiche Fehler“ in der Anfangsphase der Massenunruhen ein, beteuerte jedoch, dass jetzt „nur Terroristen“ die „Zielscheibe“ seien. Zugleich erinnerte Assad, dass er Reformen wenige Tage nach dem Beginn der Proteste versprochen habe.

    Um seine Argumente zu untermauern, warnte der Präsident, dass weitere Spannungen in Syrien für den gesamten Nahen Osten Folgen haben könnten: „Syrien liegt in der Mitte der Region. Hier verläuft eine Bruchlinie. Wenn man sie stört, kann dies zu einem großen Erdbeben führen. Will jemand etwa ein neuen Afghanistan-Krieg oder womöglich Dutzende Afghanistan-Kriege?“

    „Nesawissimaja Gaseta“: Mi-28N und Bulawa: Aus Misserfolgen lernen

    In der vergangenen Woche gab es für die russischen Rüstungshersteller eine positive und eine negative Nachricht, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Bei einer Ausschreibung der indischen Luftwaffe ging der russische Mi-28N (“Nachtjäger“)

    leer aus. Indien gab dem US-Kampfhubschrauber AH-64 Apache den Vorzug.

    Die Entscheidung wurde nach der Auswertung der Tests getroffen, die Ende des vergangenen Jahres stattgefunden hatten. Laut der indischen Seite haben „sich beide Maschinen zwar ausgezeichnet verhalten, die US-Maschine war aber bei den Schlüsseleigenschaften wie erhöhte Möglichkeiten und Allwettereinsatzfähigkeit überlegen“.

    Branchenkenner wissen genau, dass die Mi-28N-Maschine sowohl über erhöhte Möglichkeiten verfügt als auch bei jedem Wetter einsatzbereit ist. Allerdings hat der russische Hubschrauber Nachteile beim Radar. Außerdem genüge der „Nachtjäger“ nahezu 20 Anforderungen nicht, hieß es aus Indien.

    Die zweite Nachricht stimmt hingegen optimistisch. Am Freitag ist der dritte Start der seegestützten Interkontinentalrakete Bulawa vom Atom-U-Boot „Juri Dolgorukij“ in diesem Jahr erfolgreich verlaufen. Laut dem russischen Verteidigungsministerium haben alle Gefechtsköpfe ihre Ziele erreicht.

    Was haben diese zwei Ereignisse gemeinsam? In beiden Fällen handelt es sich um Misserfolge, die zunächst die Bulawa-Rakete und später den Mi-28N-Hubschrauber betroffen haben. Doch die Probleme sind unterschiedlich gelagert. Der Entwickler der Bulawa-Rakete (Moskauer Institut für Wärmetechnik) war heftig kritisiert worden, dass er zuvor noch nie eine seegestützte Rakete gebaut habe. Zudem soll der auf seegestützte Raketen spezialisierte Hersteller Makejew hintergangen worden sein.

    Sieben der insgesamt 17 Starts der Bulawa-Rakete sind gescheitert. Es ist durchaus möglich, dass die Bulawa-Raketen und ihre Träger, die U-Boote  „Juri Dolgoruki“ und „Alexander Newski“ zu Beginn des kommenden Jahres in Dienst genommen werden. Die Misserfolge sind nicht verwunderlich. Die legendären sowjetischen Raketensysteme „Stilet“ und „Wojewoda“ haben erst nach 20 bis 30 Starts ihre volle Funktionstüchtigkeit erreicht.

    Dasselbe betrifft den Mi-28N-Hubschrauber. Nach dem Scheitern bei der Ausschreibung werden die Entwickler die Kritikpunkte der Inder berücksichtigen und die Mängel beseitigen. Es wird noch mehrere Ausschreibungen geben. Es besteht die Hoffnung, dass der schwere Transporthubschrauber Mi-26T2 und der leichte Mehrzweck-Helikopter Ka-226T den Misserfolg des Mi-28-N kompensieren werden.

    "Kommersant": Gazprom und BASF vereinbaren Aktientausch

    Der russische Gaskonzern Gazprom und der deutsche Chemieriese BASF haben Ende der vergangenen Woche ein Partnerschaftsabkommen geschlossen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Montag.

    Der Vereinbarung zufolge beteiligt sich Gazprom an mehreren Nordsee-Projekten der 100-prozentigen BASF-Tochter Wintershall. Im Gegenzug bekommen die Deutschen 25 Prozent plus eine Aktie bei der Erschließung von zwei Blöcken auf dem Urengoi-Gasfeld. In der Perspektive könnte Wintershall seinen Anteil an diesen Projekten auf 50 Prozent ausbauen. Welche Nordsee-Vorkommen infrage kommen, präzisierte Gazprom nicht.

    Wintershall erläuterte allerdings, dass es sich um Vorkommen in Großbritannien oder in den Niederlanden handele. (Wintershall erschließt in der Nordsee insgesamt mehr als 30 Öl- und Gasfelder – hauptsächlich im deutschen, britischen und norwegischen Schelf.) Ein Sprecher des deutschen Förderers unterstrich aber, dass die endgültige Liste noch nicht zusammengestellt worden sei, während das jüngste Abkommen mit Gazprom juristisch nicht verpflichtend sei, sondern lediglich einige finanzielle Aspekte regele und das Management betreffe. Welche Beteiligungen getauscht werden, müsse noch beurteilt werden, erst dann könnten Einzelheiten bekannt gegeben werden, hieß es.

    Wintershall rechnet mit der Erschließung von Gazprom-Vorkommen bis 2015. Beide Konzerne sind bereits seit 2008 durch ein ähnliches Projekt am Atschim-Abschnitt des Urengoi-Gasfelds verbunden. Für die Ausbeutung ist das Gemeinschaftsunternehmen Achimgas verantwortlich. Dort werden etwa acht Milliarden Kubikmeter Gas jährlich gefördert.

    Wie die Beteiligungen zwischen Gazprom und Wintershall verteilt werden, wurde bisher nicht bekannt gegeben. Die Seiten sprachen jedoch häufiger davon, dass der Anteiltausch auf gleichberechtigter Grundlage durchgeführt wird– eine entsprechende Absichtserklärung Memorandum wurde bereits im März unterschrieben. Jetzt kommt ein ähnliches Abkommen mit der Wintershall-Mutter BASF infrage.

    Die Russen seien seit langem an der Gasförderung im Ausland interessiert, sagte Denis Borissow von der Nomos-Bank. Gazprom Germania sei bereits zu 20 Prozent am Wingate-Vorkommen in der Nordsee beteiligt, dessen Ausbeutung in diesem Jahr beginnen solle.

    Nicht ganz klar sei jedoch, wozu Gazprom eigentlich ausländische Aktiva brauche, betonte der Branchenkenner: „In Russland mangelt es doch nicht an Gasvorräten.“

    Die Überkreuzbeteiligung mit Wintershall sei eher ein Schritt zur Verbesserung des Images Gazproms sowie der Versuch, deutsche Technologien zur Schelferschließung zu bekommen, stimmte Vitali Krjukow (IFD-Kapital) zu.

    Die Erfahrungen in der Nordsee könnten bei der Erschließung des Schtokmann-Gasfeldes nützlich sein, fuhr Borissow fort. Außerdem wäre eine gemeinsame Erschließung des tief gelegenen Urengoi-Vorkommens günstiger. Die Selbstkosten der Gasförderung würden derzeit auf 20 Dollar pro 1000 Kubikmeter geschätzt, führte der Experte an. In Atschim könnte er aber 40 Dollar erreichen. Nicht zu übersehen sei außerdem, dass bisher Wintershall überwiegend in die Entwicklung von Achimgas investierte (schätzungsweise 300 Millionen Euro), obwohl die Russen und Deutschen gleichberechtigt diese Firma betreiben. Gazprom habe seinen Partner nur entschädigt – mit seinen Einnahmen vom Gasexport.

     

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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