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    Medwedew outet sich als Konservativer * Nato reagiert gelassen auf russische Bomber über Arktis * Bombenserie in der Ukraine: Kampf um Timoschenko?

    „Kommersant“: Medwedew outet sich als Konservativer

    Russlands scheidender Präsident Dmitri Medwedew hat am Freitag bei einem Treffen mit Aktivisten der Partei „Geeintes Russland“ den Vorschlag angenommen, der Kreml-Partei beizutreten und deren Vorsitz zu übernehmen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Samstag.

    Zudem hat Medwedew politisch Farbe bekannt: Er sei kein Liberaler, sondern ein Konservativer und wolle die Partei auf einen konservativ-zentristischen Kurs bringen. Medwedews Bekenntnis gefiel zwar dem konservativen Lager der Partei, löste bei den Liberalen jedoch Sorge aus.

    Das von Medwedew am Donnerstag gegebene Interview für fünf russische Fernsehsender wurde für ihn zum Prüfstein für seine liberalen Werte, wobei jedoch eine Frage unbeantwortet blieb: Wer ist Dmitri Medwedew? Bei dem Treffen am Freitag wurden also Nägel mit Köpfen gemacht.

    Andrej Issajew, Vize-Sekretär des Präsidiums des Generalrats von „Geeintes Russland“, bat Medwedew der Partei eine Vision zu geben. Issajew zufolge äußerte Igor Jurgens, Chef des russischen Instituts für moderne Entwicklung, die Vermutung, dass die Partei nach Medwedews Beitritt nach rechts tendieren und damit liberaler sein werde. „Mir gefällt diese Idee nicht“, sagte Issajew. Er ist unzufrieden, dass diejenigen, die sich als Liberale sehen, sich das Monopol auf den Begriff „Freiheit“ anmaßen, der für Medwedew als künftigen Parteichef der wichtigste ideologische Wert ist.

    Medwedew bestätigte, dass die Liberalen kein Monopol auf die Freiheit haben. „Mir wurde sehr häufig gesagt, dass ich doch ein Liberaler bin. Ich kann Ihnen offen sagen: Ich bin nach meiner Gesinnung nie ein Liberaler gewesen“, sagte Medwedew. „Nach meiner Gesinnung bin ich ein Mensch mit konservativen Werten. Im europäischen Koordinatensystem sind meine Werte bei weitem nicht liberal“, sagte Medwedew.

    „Nesawissimoje wojennoje obosrenije“: Nato reagiert gelassen auf russische Bomber über Arktis

    Russische Langstreckenbomber haben mit ihrem Patrouillenflug zum Nordatlantik bei der Nato kaum für große Aufregung gesorgt, schreibt die Zeitschrift „Nesawissimoje wojennoje obosrenije“ („Unabhängige Militärrundschau“) am Samstag.

    Zwei Langstreckenbomber des Typs Tupolew-95MS haben in der vorigen Woche einen Patrouillenflug zwischen Engels (Gebiet Saratow) und Nordatlantik unternommen, wie der Luftwaffensprecher, Oberst Wladimir Drik, mitteilte.

    Die Flugzeuge seien im neutralen Luftraum über dem Nordpolarmeer geflogen, präzisierte er. Die Piloten haben dabei die Betankung während des Flugs und den Flug über einem orientierungslosen Gebiet geübt. Der Flug habe 20 Stunden gedauert. Im russischen Luftraum seien sie von zwei MiG-31-Kampfjets und im neutralen von acht Eurofightern bzw. F-16 der britischen, belgischen, norwegischen und dänischen Luftwaffe begleitet worden. Es habe dabei „keine Meldungen über Grenzverletzungen oder Sicherheitsgefahren“ für die Nato-Länder gegeben, ergänzte der Sprecher.

    Das Nato-Kommando hielt sich mit scharfer Kritik an dem Langstreckenflug der zwei russischen Bomber zurück, entweder weil es keine Lust hatte, in die Rhetorik des Kalten Krieges zu verfallen oder weil es für die Trainingsgelegenheit für ihre Luftwaffe dankbar ist. Sie wissen, dass russische Langstreckenbomber nicht nur über der Arktis fliegen, sondern auch über dem Atlantik, dem Schwarzen Meer und dem Pazifik. Dabei verletzten sie nie die internationalen Richtlinien bei der Nutzung des neutralen Luftraums und die Grenzen anderer Staaten.

    „Nowaja Gaseta“: Bombenserie in der Ukraine: Kampf um Timoschenko?

    Am Freitag ist die ukrainische Industrie-Metropole Dnjepropetrowsk binnen einer Stunde von vier Bombenexplosionen erschüttert worden. Die Behörden in Kiew stufen die Anschläge als Terroranschläge ein, schreibt die Zeitung „Nowaja Gaseta“ am Samstag.

    29 Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt, 25 von ihnen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Aufregung in der Bevölkerung ist groß. Das Gerücht machte sogar die Runde, dass sich zehn Explosionen mit Todesopfern ereignet hätten. Zum Glück gab es keine Todesopfer. Die Ukrainer stehen unter Schock. In der Stadtmitte wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

    Der ukrainische Innenminister Vitali Sachartschenko hat sich persönlich an die Spitze der Ermittlungen gestellt und reiste unmittelbar zu den Anschlagsorten in der Industriestadt. Obwohl noch keine Angaben zu den Sprengsätzen vorliegen, gehen die ukrainischen Behörden von einem Terorrangriff aus.

    Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch wird in Dnjepropetrowsk erwartet. Er sprach von einer Herausforderung für das ganze Land.

    Die Opposition reagierte auch auf die Anschläge. Den vierten Tag infolge blockiert das Parteienbündnis des Timoschenko-Blocks das Gebäude der Obersten Rada (ukrainisches Parlament). Am vergangenen Freitag gingen Anhänger der inhaftierten Timoschenko in Kiew auf die Straße. Auf Plakaten stand: „Julia ist unsere Präsidentin” und „Janukowitsch gehört ins Gefängnis“. Auf die besorgniserregende Nachricht über die Terroranschläge reagierten viele Kundgebungsteilnehmer empört und sprachen von „Reichstagsbrandstiftung“. „Die heutigen Ereignisse sollen die Massenprotestaktionen abwenden“, sagte eine Parteiaktivistin.

    Dnjepropetrowsk ist die Heimatstadt von Julia Timoschenko. Trotz der Bombenserie begannen die Aktivisten gestern ihren Hungerstreik als Zeichen der Solidarität mit Timoschenko.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.