13:13 23 September 2017
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    Konsumklima: Russen rüsten sich für harte Zeiten * Ölpreis auf Achterbahnfahrt: Welchen Anteil hat die Iran-Krise? * Umfrage: Die Russen sind in Proteststimmung

    „Nowyje Iswestija“: Konsumklima: Russen rüsten sich für harte Zeiten

    Die Verbraucherstimmung in Russland hat sich verschlechtert, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

    Im ersten Sommermonat hat sich das Konsumklima eingetrübt, wie mehrere russische Forschungsinstitute feststellten. Darüber hinaus verzichten die Verbraucher zunehmend auf kleine Freuden wie Schokolade oder Kaffee. Laut Experten hängt die nachlassende Kauflaune der Russen mit der Erwartung einer sich verschlechternden Wirtschaftssituation zusammen.

    Eine nachlassende Nachfrage nach verzichtbaren Lebensmitteln hat das Forschungsinstitut Romir verzeichnet, das jeden Monat einen „Kaffee-mit-Milch-Index“ berechnet. Die Grundlage dafür ist die Preisdynamik und die Konsummenge von vier Produkten: Kaffee, Milch, Mineralwasser und Schokolade. Es handelt sich also nicht um Lebensmittel des täglichen Bedarfs, sondern um einfache Freuden.

    Russland ist jedoch eher ein Tee- als ein Kaffeeland. Über den Nutzen von Milch für Erwachsene wird viel diskutiert. Nicht viele Erwachsene mögen dieses Getränk. Mineralwasser gehört ebenfalls kaum zum Grundbedarf. Man kann auch filtriertes, gekochtes oder Wasser aus dem Hahn trinken. Die Schokolade ist eher ein Genussmittel, obwohl sie zum minimalen Verbraucherkorb gehört.

    Nach Romir-Angaben ist der „Kaffee-mit-Milch-Index“ im Mai im Vergleich zum Vormonat um acht Prozent gesunken. Der saisonbedingte Rückgang ist in diesem Jahr größer als in den vorherigen Jahren. Im Mai des Vorjahres lag der Rückgang bei 5,5 Prozent und 2010 bei 1,5 Prozent. In Moskau ist der Index um zehn Prozent zurückgegangen. Zudem wurde im Mai weniger für Nahrungsmittel ausgegeben als zuvor. Kaffee, Milch und Wasser werden hauptsächlich in Discounter-Märkten gekauft.

    Soziologen zufolge zeugt dies davon, dass die Verbraucher ihre Ausgaben kontrollieren. Früher betraf dies eher die Mittelklasse und die Finanzschwachen. Im Mai ist diese Tendenz auch bei Bürgern mit höherem Familieneinkommen (mehr als 625 Euro pro Familienmitglied) zu erkennen. Romir-Angaben zufolge hängt diese Tendenz nicht mit den langen Feiertagen im Mai, sondern mit dem Sparkurs der Russen zusammen.

    Laut Anton Safonow von Investcafé zeugen diese Ergebnisse von pessimistischen Vorahnungen der Russen. „Eine niedrige Inflationsrate beeinflusst ebenfalls diese Tendenz. Doch ich erkläre dies eher mit der Erwartung einer weiteren Krisenwelle“, sagte der Experte. „Derzeit nimmt die Nachfrage nach Industriewaren, darunter Haushaltstechnik und Elektronik, zu. Die Verbraucher erwarten also demnächst eine Verschlechterung der Wirtschaftssituation, den Verfall der Nationalwährung, den Anstieg der Inflationsrate und die Senkung der Kaufkraft des Rubels. Einige Waren werden auf Vorrat gekauft“, sagte der Experte.

    „Rossijskaja Gaseta“: Ölpreis auf Achterbahnfahrt: Welchen Anteil hat die Iran-Krise?

    Das russische Finanzministerium erstellt im August eine neue Haushaltsprognose für 2013, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Als Ausgangspunkt gelte ein Ölpreis von 60 Dollar pro Barrel, teilte Vize-Finanzminister Alexej Lawrow gestern mit.

    Der Ölpreis glich zuletzt einer Achterbahnfahrt: In dieser Woche überstieg er seit Mitte Juni erstmals die 100-Dollar-Marke. Experten warnen jedoch, dass er in den kommenden zwei Monaten zwischen 93 und 105 Dollar schwanken könnte.

    Einer der Faktoren, von denen der Preis für das „flüssige Gold“ abhängt, ist die Krise um den Iran. In dieser Woche wurde bekannt, dass Teheran einen Gesetzentwurf über die Sperrung der Straße von Hormus vorbereitet hat, einem der wichtigsten Ölhandelswege der Welt. Die Antwort aus Amerika ließ nicht lange auf sich warten: Der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Meerenge werde durch das Völkerrecht geregelt und könne nicht von einem einzigen Staat gesperrt werden.

    Außerdem wolle Washington seine Militärpräsenz in der Golfregion stärken, berichtete neulich die Zeitung „New York Times“.

    Experten der Business School Skolkovo rechnen damit, dass die Öllieferungen auf den Weltmarkt bei einer Blockade des Transportweges im Persischen Golf um 17 Millionen Barrel pro Tag (83 Millionen Tonnen pro Jahr) zurückgehen könnten.

    Julia Woitowitsch (InvestCafé) verwies auf alternative Ölhandelsrouten, deren Durchlasskapazitäten jedoch bedeutend geringer als die der Straße von Hormus seien.

    Nachdem die EU-Länder ein Öl-Embargo gegen den Iran beschlossen hatten, sank das Angebot des Rohstoffs um eine Million Barrel täglich, was die Preise in die Höhe getrieben hat. Sollte die Straße von Hormus blockiert werden, würden die Preise weiter steigen. Analyst Dmitri Alexandrow von Univer Capital erwartet jedoch nicht, dass es dazu kommen wird. „Der Iran wird sich für die Blockade nur unter außerordentlichen Bedingungen entscheiden“, betonte er.

    Dem Branchenkenner zufolge ist der Iran überhaupt nicht der wichtigste Faktor für die Entwicklung der Ölpreise. „Von dem Embargo hatten schon seit langem alle gewusst, diese Nachricht hat bereits zur Preissenkung von 110 auf 90 Dollar geführt“, erinnerte er. „Nach dem EU-Gipfel, deren Teilnehmer unerwartet konkrete Maßnahmen zur Unterstützung des Bankensektors vereinbart hatten, stieg der Preis jedoch von 90 auf 100 Dollar. Somit ist der Finanzfaktor derzeit viel wichtiger als alle anderen.“

    Die Europäische Zentralbank wird heute neue Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung mitteilen. Deshalb könnte der Ölpreis bis Ende dieser Woche etwas zulegen, vermuten Experten. Dass er sich stabilisiert, ist nicht anzunehmen. „Die Sommerzeit ist immer schwierig für die Märkte“, stellte Alexandrow fest. „Ich gehe davon aus, dass der Ölpreis zwischen 93 und 105 Dollar pro Barrel liegen wird.“

    „Wedomosti”: Umfrage: Die Russen sind in Proteststimmung

    Die meisten Russen begrüßen die Protestaktionen der Opposition, verzichten jedoch darauf, daran teilzunehmen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ unter Berufung auf das Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum am Donnerstag.

    Die Proteststimmung hält weiter an - davon sind die meisten Teilnehmer der Umfrage überzeugt, die vom Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum vom 21. bis 26. Juni unter 1559 Personen durchgeführt wurde. 17 Prozent sind der Meinung, dass die Proteststimmung steigen wird, 41 Prozent gaben an, dass sie konstant bleibt, 32 Prozent erwarten jedoch einen Rückgang.

    Die Meinungen darüber, ob die Protestaktionen sich positiv auswirken, gehen jedoch auseinander: 43 Prozent sehen nur Positives daran, ebenso viel halten sie für schädlich. Die Hausdurchsuchungen bei den Oppositionsführern begrüßen 14 Prozent, dagegen sind 19 Prozent, die anderen sind gleichgültig oder haben nichts davon gehört. Nur 15 Prozent sind der Ansicht, dass sie gesetzlich und berechtigt sind. 21 Prozent halten sie für gesetzwidrige politische Repressionen und 33 Prozent für politisch motiviert, jedoch gesetzlich.

    Einige Forderungen der Opposition teilen die Russen. Es gibt fast genauso viele Anhänger und Gegner einer neuer Verfassung, die die Befugnisse und die Amtszeit des Präsidenten einschränkt und die Befugnisse der Staatsduma (Unterhaus) erweitert: 38 Prozent gegen 36 Prozent. Die Mehrheit (56 Prozent) lehnt einen Rücktritt von Präsident Wladimir Putin ab, dafür sind nur 27 Prozent. 42 Prozent gaben jedoch daran, dass die Kreml-Partei „Geeintes Russland“ eine Partei von Gaunern und Dieben ist, 40 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Das Vertrauen zur Kreml-Partei schwindet kontinuierlich.

    Die Bevölkerung sympathisiert nicht mit der Opposition, sondern mit den Protesten an sich. Sie sehen Kundgebungen als Element der Demokratie und die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern, selbst wenn nicht alle Losungen geteilt werden, sagt Politologe Jewgeni Mintschenko.

    Der Vize-Chef des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum, Alexej Graschdankin, sagt voraus, dass die Protestaktionen in nächster Zeit nachlassen werden, weil sie nicht mehr auf der Tagesordnung stehen: Die Wahlen sind vorbei, aber die Situation kann sich wegen unpopulärer Maßnahmen wie die Anhebung der Wohnnebenkosten und der Bußgelder wieder ändern.

     

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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