07:20 23 Oktober 2018
SNA Radio
    Zeitungen

    Im Spiegel der Presse

    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    0 01

    Demografie: Russland stoppt vorerst Schrumpfkurs * Russlands Raumfahrt: Pannenserie reißt nicht ab * Syrien-Krise: Assad-Vertraute suchen das Weite

    „RBC Daily“: Demografie: Russland stoppt vorerst Schrumpfkurs
    Russlands Regierung hat offenbar mit der richtigen Strategie auf den demografischen Wandel im Land reagiert, schreibt die Zeitung „RBC Daily“ am Mittwoch.

    Laut dem neuesten Bericht des Arbeits- und Sozialministeriums ist die Geburtenzahl im ersten Halbjahr 2012 gestiegen, während die Sterberate zurückgegangen ist. Die Lebenserwartung der Russen kletterte 2011 auf mehr als 70 Jahre, fünf Jahre zuvor lag sie bei 67 Jahren. Experten warnen jedoch, dass die demografischen Zahlen im kommenden Jahr nicht mehr so erfreulich sein werden.

    Die Geburtenzahl ist in den ersten sechs Monaten in Russland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,5 Prozent auf 905 700 gestiegen. Ein Baby-Boom wurde in insgesamt 79 Föderationssubjekten Russlands verzeichnet, vor allem in den Gebieten Omsk, Kaluga und Moskau, in der Teilrepublik Mari El und in St. Petersburg. Die Geburtenrate stieg in diesen Regionen um 12 bis 14 Prozent.

    Die Sterberate in Russland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging dagegen um 1,9 Prozent zurück. Die Zahl der Gestorbenen ist mit 962 700 jedoch nach wie vor höher als die der Neugeborenen.

    Seit diesem Jahr werden in Russland Neugeborene nach neuen Kriterien registriert. Neuerdings werden Kinder mit einem Gewicht ab 0,5 Kilogramm registriert. Zuvor wurden Kinder mit diesem Gewicht nur nach der siebten Lebenswoche registriert. Wie Arbeits- und Sozialminister Maxim Topilin sagte, ist die Geburtenzahl in 15 Regionen trotz des Anstiegs der Sterberate unter den Neugeborenen infolge der neuen Berechnungsmethode gestiegen.

    Dem Minister zufolge ist der positive Trend auf die neue Demografie-Politik zurückzuführen. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Geburten um 21,2 Prozent gestiegen, während die Sterberate um 11,2 Prozent sank. Die Lebenserwartung nahm ebenfalls zu.

    „Die Besserung der demografischen Situation ist in Russland zu einer stabilen Tendenz geworden, die durch zahlreiche Faktoren bedingt ist, nicht zuletzt dank der sozialen Unterstützung von kinderreichen Familien“, so die Vizevorsitzende des Familienausschusses in der Staatsduma (Unterhaus), Olga Batalina. „Die bisherigen Erfahrungen zeugen allerdings davon, dass der positive Effekt der neuen Maßnahmen gewöhnlich in den ersten drei Jahren besonders zu spüren ist“, ergänzte sie.

    Auch Juri Krupnow vom Institut für Demografie, Migration und regionale Entwicklung lobt die Maßnahmen zur Bewältigung des demografischen Wandels. Die Geburtenzunahme ist ihm zufolge zu 30 Prozent der neuen Demografie-Politik zu verdanken. „Die restlichen 70 Prozent der Geburten sind auf den Babyboom in den Jahren der Perestroika zurückzuführen. Die damals Geborenen haben jetzt das Gebäralter erreicht.“

    Im kommenden Jahr werde Russland jedoch deutlich weniger Geburten verzeichnen, sagt der Experte voraus, weil nach dem Zerfall der Sowjetunion die Geburtenrate stark zurückgegangen war. 2012 erreichen die „Kinder der Schocktherapie“ das gebärfähige Alter. Deshalb müssen wir uns auf einen ganz anderen Trend gefasst machen“, warnte der Experte.

    „Nowyje Iswestija“: Russlands Raumfahrt: Pannenserie reißt nicht ab
    Der Absturz der russischen Trägerrakete Proton-M mit zwei Kommunikationssatelliten ist auf eine Panne im Antriebssystem Breeze-M zurückzuführen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Mittwoch.

    Damit verwandelten sich die insgesamt sechs Milliarden Rubel (umgerechnet 150 Mio. Euro) teuren Satelliten innerhalb weniger Sekunden in Weltraumschrott. Experten sprechen weiterhin von einer Systemkrise in der russischen Raumfahrt.

    Für die Raumfahrtnation Russland ist der Proton-Absturz umso blamabler, weil am Montag der US-amerikanische Mars-Rover erfolgreich auf dem Roten Planeten gelandet war.

    Schon in den Jahren zuvor hatte es einige Fehlstarts in der russischen Raumfahrt gegeben. Im Dezember 2010 gingen gleich drei Glonass-Satelliten verloren; im Februar 2011 erreichte ein Militärsatellit die berechnete Erdumlaufbahn nicht; im August 2011 konnte die Flugleitzentrale keinen Kontakt zum Express-AM4-Satelliten herstellen. Kurze Zeit später konnte der Raumfrachter Progress M-12M die ISS nicht erreichen; im November 2011 scheiterte das ambitionierte Mars-Forschungsprojekt Phobos-Grunt, was Russlands Image als Weltraummacht stark angekratzt hat.

    „Höchstwahrscheinlich lässt sich die neue Panne auf den so genannten menschlichen Faktor zurückführen, genauso wie beim letzten Mal, als die Proton-Rakete mit zu viel Treibstoff befüllt wurde“, so der Direktor des Zentrums für Waffenhandelsanalyse, Igor Korotschenko.

    Er betonte aber zugleich, dass die Situation in der russischen Raumfahrt, „nicht innerhalb eines halben Jahres wieder zum Besseren gewendet werden kann.“

    Der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin, müsse jetzt Krisenmanagement betreiben, „aber mit personellen Umbesetzungen ist das Problem nicht zu lösen. Die Kontrollen in der Branche müssen verschärft und die Qualität verbessert werden. Die vielen Zwischenhändler müssen ausgeschaltet werden - das tut er (Popowkin) trotz der aggressiven PR-Kampagne, die gegen ihn gestartet wurde“.

    In der russischen Raumfahrt ist tatsächlich eine paradoxe Situation entstanden. Einerseits wird sie massiv finanziell unterstützt - 155 Milliarden Rubel (ca. vier Milliarden Euro) sind für die Raumfahrt 2013 vorgesehen, ein Drittel mehr als in diesem Jahr. Andererseits wird die Raumfahrtindustrie von Korruptionsskandalen gebeutelt. Erst im Juli wurde im Konzern Russische Raumfahrtsysteme (RKS) festgestellt, dass Mittel in Höhe von 500 Millionen Rubel zweckentfremdet worden waren. Diese Gelder waren für die Entwicklung des Navigationssystems Glonass vorgesehen.

    „In den vergangenen Jahren wurde die Branche überhaupt nicht reformiert“, so der Leiter des Zentrums für internationale Sicherheit, Alexej Arbatow. „Sie ist von der Korruption erfasst. Die Preise steigen kontinuierlich an, während die Qualität ständig schlechter wird. Die Qualität der Zulieferteile wird kaum kontrolliert. Die Preisgestaltung ist undurchsichtig, weshalb milliardenschwere Haushaltszuschüsse sich praktisch in Luft auflösen“, stellte Arbatow fest.

    „Moskowskije Nowosti“: Syrien-Krise: Assad-Vertraute suchen das Weite
    Der syrische Präsident Baschar al-Assad verliert seine engsten Weggefährten, schreibt die Zeitung „Moskowskije Nowosti“ am Mittwoch.

    Anfang dieser Woche ist sein Regierungschef Riad Hidschab nach Jordanien geflohen. Laut dem Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Tommy Vietor, hat Hidschabs Flucht gezeigt, dass Assad die Kontrolle über Syrien verloren habe und die Opposition und das syrische Volk ihre Positionen festigen würden.

    Über die Flucht des syrischen Regierungschefs wurde am Montag berichtet. Später wurde diese Nachricht von Hidschabs Sprecher und von Vertretern der Opposition bestätigt. Letzteren zufolge soll sich der Premier mit zwei weiteren Ministern abgesetzt haben.

    Die Behörden in Damaskus gaben lediglich bekannt, dass Hidschab suspendiert worden sei. Zu seinem Nachfolger sei sein früherer Stellvertreter Omar Galawandschi ernannt worden.

    „Hidschabs Flucht ist natürlich ein heftiger Schlag für Assad und seine Autorität, denn der Staatschef hatte auf ihn gesetzt“, so der russische Politologe Wladimir Jewsejew. „Allerdings gehörte Hidschab nicht zum engsten Zirkel Assads. Der Präsident hat die Macht in den Händen seiner Verwandten konzentriert, der Familien Assad (väterlicherseits) und Mahluf (mütterlicherseits). Sie werden ihn bestimmt nicht verraten.“

    Beide Familien gehören der alawitischen Gemeinde an, die im Unterschied zur sunnitischen Mehrheit auf der Seite der Schiiten steht, präzisierte der Experte. Die Opposition habe Assad nur ein Mal einen wirklich schmerzhaften Schlag versetzen können, erinnerte er. Am 18. Juli waren bei einem Anschlag in Damaskus der Verteidigungsminister, sein Stellvertreter (Assads Schwiegersohn) sowie die Chefs des Anti-Krisen-Komitees und des Sicherheitsrats ums Leben gekommen.

    Wegen der Drohungen der Aufständischen halten die Alawiten weiter zu Assad, weil er für ihre Sicherheit sorgt.

    Diese ranghohen Vertrauten haben Assad verraten:

    Riad Hidschab, Ministerpräsident. Der Sunnit wurde Anfang Juni als Kompromisskandidat ernannt und galt deshalb als eine Art „Schirm“ für Assads Regime, das sich möglichst demokratisch geben wollte. Laut den Oppositionellen ist Hidschab nach Jordanien geflohen und wird demnächst nach Katar ausreisen.

    Manaf Tlass, Brigadegeneral und Befehlshaber der Republikanischen Garde, Sohn des früheren Verteidigungsministers Mustafa Tlass. Er stammt aus einer aristokratischen sunnitischen Familie, die lange Zeit mit den Alawiten enge Kontakte hatte. Manaf Tlass gehörte dem engsten Kreis Assads an. Im Juli flüchtete er in die Türkei und weiter nach Frankreich.

    Nawaf al Fares, Botschafter im Irak. Der Sunnit begann seine diplomatische Karriere unter Hafez Assad, dem Vater des jetzigen Staatschefs. 2008 wurde er zum ersten syrischen Botschafter in Bagdad nach der 30-jährigen Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen ernannt. Am 11. Juli verkündete al Fares seinen Rücktritt aus Assads Regierung. Laut den irakischen Behörden hat er sich nach Katar abgesetzt.

    Zudem haben der Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Abdel Latif al Dabbagh, und seine Gattin, Geschäftsträgerin Syriens in Zypern, Lamia al Hariri, sowie der erste syrische Kosmonaut Mohammed Faris Assad den Rücken gekehrt.
    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren