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08:21 19 August 2019
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    Dramatischer Exodus: Weißrussen fliehen aus Lukaschenko-Land

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    Weißrussland gehen die Arbeitskräfte aus, stellt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag fest.

    Weißrussland gehen die Arbeitskräfte aus, stellt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag fest.

    In Russlands Nachbarland soll es nach amtlichen Angaben zwar zehnmal mehr Jobs als Arbeitslose geben, doch Regierungsbeamte mussten gestehen, dass selbst Bauern das Weite suchen.

    Dieses Thema warf neulich der für die Landwirtschaft zuständige Vizepremier Michail Russy auf. Nach seinen Worten ist der Arbeitskräfte-Exodus das größte Problem für die weißrussische Agrarindustrie. Dass junge Fachkräfte nach der Universität einige Jahre Pflichtarbeit leisten und sich dann einen neuen Job suchen, ist kein Geheimnis.

    Auffällig ist aber ein anderer Trend. Viele Bauern, vor allem in den Grenzgebieten, suchen sich Jobs in den Nachbarländern, darunter in Russland. Das hänge nicht nur mit den niedrigen Löhnen in Weißrussland zusammen, sondern auch mit der Respektlosigkeit der Arbeitgeber, räumte der Vizepremier ein.

    Wegen ihres Gehalts von (umgerechnet) 200 bis 400 US-Dollar suchen auch viele weißrussische Ärzte ihr Glück im Ausland. In Russland werden sie nicht nur besser entlohnt, sondern bekommen manchmal auch Dienstwohnungen zur Verfügung gestellt.

    Darüber hinaus zieht es viele weißrussische Top-Manager, IT-Spezialisten, Journalisten, Architekten und Bauarbeiter ins Ausland.

    Offizielle Zahlen, wie viele Weißrussen das Land verlassen haben, gibt es nicht. Die meisten Auswanderer informieren die Behörden nicht. Experten schätzen die Zahlen anhand der Angaben der Arbeitgeber über Personalmangel ein.

    Die weißrussischen Gewerkschaften teilten mit, dass die Zahl der Werktätigen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 100 000 geschrumpft sei, wobei die Arbeitslosenzahl konstant blieb. Das stimmt mit den Zahlen unabhängiger Experten überein. Ihnen zufolge verlassen jedes Jahr etwa 150 000 Weißrussen ihre Heimat. 85 Prozent von ihnen wandern nach Russland aus, der Rest in die naheliegenden EU-Länder, vor allem nach Polen.

    Der Exodus ist durch die niedrigen Löhne in Weißrussland zu erklären. Der durchschnittliche Lohn liege bei etwa 500 US-Dollar, heißt es offiziell. Doch in Wirklichkeit verdienen die meisten Weißrussen deutlich weniger. Lehrer werden monatlich mit durchschnittlich 330 Dollar entlohnt. Mitarbeiter von Sozialeinrichtungen bekommen rund 280 Dollar.

    Doch die niedrigen Gehälter sind nicht der alleinige Grund. Junge Menschen und qualifizierte Arbeitskräfte sehen in Weißrussland keine Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Dass das aktuelle Wirtschaftsmodell ausgedient hat, räumen selbst weißrussische Spitzenfunktionäre hinter vorgehaltener Hand ein: Niemand wagt es, Präsident Alexander Lukaschenko offen zu widersprechen.

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