16:58 21 März 2019
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    China setzt auf Konsum als Wachstumsmotor

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    China will die Verbraucher zur wichtigsten Triebkraft seiner Wirtschaft machen, deren Wachstum in diesem Jahr bei 7,5 Prozent liegen soll, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Mittwoch.

    China will die Verbraucher zur wichtigsten Triebkraft seiner Wirtschaft machen, deren Wachstum in diesem Jahr bei 7,5 Prozent liegen soll, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Mittwoch.

    Unter anderem zu diesem Thema sprach Premier Wen Jiabao auf der am Dienstag eröffneten Jahrestagung des Volkskongresses. Es war der letzte Auftritt für Jiabao als Premier, weil er nach der Tagung seinen Posten verlässt. Die angekündigten Reformen wird sein wahrscheinlicher Nachfolger Li Keqiang umsetzen müssen.

    Jiabao rief bei seinem Abschiedsauftritt zu einer möglichst ausgewogenen Entwicklung des Landes auf. Er führte an, dass das BIP sich seit 2007 von 4,3 Billionen Dollar auf 8,3 Billionen Dollar nahezu verdoppelt habe, dass die Einnahmen der Stadteinwohner jedes Jahr um 8,8 Prozent und die der Dorfeinwohner um 9,9 Prozent gewachsen seien. Chinas Investitionen im Ausland haben sich verdreifacht und 77,2 Milliarden Dollar erreicht. Der Premier betonte, dass das BIP-Wachstum künftig bei 7,5 Prozent pro Jahr liegen solle, räumte allerdings ein, dass dies eine schwierige Aufgabe sei.

    Die Volksrepublik untertreibt gewöhnlich bei der Bewertung ihres Wachstums, aber im vergangenen Jahr war der Unterschied zwischen dem gesetzten und dem erreichten Ziel minimal. „Peking ist bei seiner Einschätzung bei der Vorjahresmarke geblieben und hat damit zu verstehen gegeben, dass es keinen Rückgang geben wird“, sagte der Analyst Mark Williams von Capital Economics der "RBC Daily". „Man sollte aber auch keine radikalen Maßnamen zur Stimulierung des Wachstums erwarten.“ „Chinas Wachstumspotenzial beträgt in diesem Jahr etwa acht Prozent, doch in den kommenden fünf bis zehn Jahren wird es unter sieben Prozent liegen“, zitierte die britische "Financial Times" den Chef-Ökonom von JP Morgan, Haibin Zhu.

    Um das Wachstum zu garantieren, müsste Peking seine Ausgaben erhöhen und das Haushaltsdefizit in diesem Jahr von 1,5 auf zwei Prozent vom BIP steigern. „Zwei Prozent sind international ein sicheres und niedriges Niveau“, sagte Jiabao. „Die Regierung sieht ein, dass das Investitionsmodell, bei dem mehr als die Hälfte der Einnahmen für neue Bauprojekte ausgegeben wurde, allmählich ausdient“, so Williams. „Die oberste Priorität ist die Erhöhung der Eikommen der Bürger – durch die Schaffung von Arbeitsplätzen im Dienstleistungs- und Finanzbereich.“

    Der Übergang vom export- und investitionsabhängigen zum verbraucherorientierten Wachstum stand bei Wen Jiabao während seiner zehnjährigen Amtszeit als Regierungschef an erster Stelle. Dazu muss aber der Wohlstand der Chinesen deutlich steigen (die Jahreseinkommen der Stadteinwohner liegen derzeit im Durchschnitt bei 4000 US-Dollar, die der Dorfeinwohner bei 1300 Dollar). Geplant sind eine Rentenerhöhung, die Förderung von Hypothekenkrediten und zusätzliche Investitionen in das Gesundheitswesen. Außerdem wollen die Behörden den Gastarbeitern mehr Rechte geben, die üblicherweise unterbezahlt sind. Jiabao präzisierte allerdings nicht, wann die Reformen umgesetzt werden. Die Experten erwarten beim Parteitag der Kommunistischen Partei im Oktober mehr Erkenntnisse.

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