23:35 17 August 2017
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    Boris Beresowski: Bitterer Tod im britischen Exil

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    Boris Beresowski ist tot (35)
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    Der seit 2000 im britischen Exil lebende russische Oligarch Boris Beresowski ist am Samstag in seinem Haus in Ascot bei London tot aufgefunden worden, schreibt die russische Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Der seit 2000 im britischen Exil lebende russische Oligarch Boris Beresowski ist am Samstag in seinem Haus in Ascot bei London tot aufgefunden worden, schreibt die russische Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Beresowski hatte zuletzt an Depressionen gelitten und sich sogar in Israel behandeln lassen. 2012 hatte er einen Gerichtsprozess gegen Roman Abramowitsch verloren. Beresowski hatte vergeblich die früheren Deals zum Verkauf seiner Anteile am Ölkonzern Sibneft und dem Aluminiumriesen Rusal angefochten.

    „Er war geistig erschöpft und sprach von Selbstmord“, zitierte die britische Zeitung „Guardian“ einen Bekannten des verstorbenen Oligarchen. „Er sagte mir, dass er am Ende sei, dass er keinen Sinn mehr sehe und dass ein Herzinfarkt das Beste wäre, was ihm passieren könnte.“

    Die Untersuchungen unmittelbar nach dem Tod ergaben, dass Beresowski keinen Suizid begangen hatte.

    Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, sorgte kurz nach dem Tod Beresowskis mit einer Mitteilung für eine Überraschung. Der frühere Intimfeind Putins habe in einem persönlichen Brief an diesen viele Fehler eingeräumt und dafür um Vergebung gebeten.

    „Das war ein persönlicher Brief an Putin. Ich weiß nicht, ob er seinen ganzen Inhalt bekanntgeben will“, ergänzte der Sprecher.

    Putin hatte Anfang 2012 von Beresowski einen Brief erhalten, der jedoch noch voller Warnungen gespickt war. „Du kannst schon jetzt keinem deiner Freunde glauben: nicht nur denen, die im Präsidialamt tätig sind, sondern auch deinen Freunden, denen du zu großem Reichtum verholfen hast“, schrieb der Oligarch damals. Er riet Putin zum Verzicht auf das Präsidentschaftswahlrennen 2012 und zur Bildung eines Komitees für die nationale Rettung. „Wolodja, du befindest dich zwischen zwei Feuern. Die einen werden rebellieren, die anderen werden sich selbst retten. Und du wirst alles verantworten müssen.“

    Für den Politologen Igor Jurgens ist Beresowski ein politischer Hochstapler aus dem Russland der 1990er-Jahre. „Ich habe ihn in verschiedenen Rollen beobachtet, darunter als korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, als „Putins Förderer“ und auch als „Anführer der Anti-Putin-Opposition. Das war aber alles Bluff und Geheimnistuerei, zumal er viel Geld zur Verfügung hatte.“ Deshalb sei Beresowski „ein tragikomisches Sinnbild der Epoche nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Etablierung des neuen Russlands“, ergänzte Jurgens.

    Boris Makarenko vom Zentrum für politische Technologien vergleicht Beresowski mit Emmanuel Goldstein, dem Hauptprotagonisten des Romans „1984“ von George Orwell. Beresowski sei zu „einer zufürchtenden Person für die Macht geworden, der alle Probleme des Landes vorgeworfen wurden, womit sich unsere Machthaber in den vergangenen Jahren aktiv beschäftigt hatten. Wenn es kein Vergebungsschreiben gegeben hätte, dann hätte man es erfinden müssen“, ergänzte der Experte.

    Beresowski habe einen großen Fehler gemacht, so Makarenko weiter. Er habe die Situation in Russland nach dem Machtantritt Putins falsch bewertet, dessen Aufstieg er gefördert hatte. „Putin kann sich sehr gut gegen mögliche Niederlagen absichern und die Wurzeln dieser Niederlagen beseitigen. Deshalb hatte Putin zunächst dafür gesorgt, dass es in der russischen Politik keinen Platz für Beresowski mehr gab.“

     

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