23:36 17 August 2017
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    Venezuela: Rennen um Chávez-Nachfolge ist eröffnet

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    Präsidentenwahl in Venezuela (2013) (36)
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    In Venezuela ist der Präsidentschaftswahlkampf offiziell eingeläutet worden, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    In Venezuela ist der Präsidentschaftswahlkampf offiziell eingeläutet worden, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Nur bis zum 14. April haben die Kandidaten Zeit, die Venezolaner von ihren Qualitäten als neuer Präsident zu überzeugen. Allerdings hat das Rennen um die Nachfolge des verstorbenen „Comandante“ Hugo Chávez eigentlich schon am 5. März begonnen.

    Als Chávez’ offizieller Nachfolger tritt Vizepräsident Nicolás Maduro an. Sein Herausforderer ist Henrique Capriles. Beide Kandidaten reisen schon seit Wochen durch das Land und umwerben die potenziellen Wähler.

    Im staatlichen Fernsehen wird seit einigen Tagen ein Animationsclip gezeigt, in dem Chávez nach seinem Ableben im Paradies angekommen ist und dort die großen Helden Lateinamerikas wie Simón Bolívar, Che Guevara, Salvador Allende usw. getroffen hat.

    Chávez’ Wähler würden für Maduro stimmen, sagte Zbigniew Iwanowski vom Moskauer Lateinamerika-Institut. „Maduro ist der Kandidat, den Chávez persönlich empfohlen hat. Das spielt eine enorme Rolle für den möglichen Sieg des regierenden Blocks.“ Außerdem stehen dem 50-Jährigen die „administrativen Ressourcen“ zur Verfügung.

    Maduro hat offenbar tatsächlich bessere Erfolgschancen als der 40-jährige Oppositionsführer Capriles. Laut neuesten Umfragen sind mehr als 55 Prozent der Wähler bereit, Maduro zu unterstützen, während Capriles mit etwa 45 Prozent der Stimmen rechnen darf. Das stimmt nahezu mit den Ergebnissen der Präsidentschaftswahl vom Oktober 2012 überein, als Chávez 54 und Capriles 44 Prozent erhielt.

    Maduros Karriere begann als Busfahrer. Dann arbeitete er sich bis zum Gewerkschaftschef, Abgeordneten und Parlamentsvorsitzenden hoch. Sechs Jahre leitete er das Außenministerium und stieg zum zweitwichtigsten Politiker nach Chávez auf.

    Ende der vergangenen Woche leistete sich Maduro aber einen Fauxpas, als er die Oppositionellen als „Erben Hitlers“ bezeichnete. Capriles kritisierte Maduros Äußerung als „absurd“. Ein Mann, der künftig Venezuela als höchste Staatsperson vertrete, dürfe sich auf keinen Fall so äußern, betonte er. Die Situation ist umso heikler, weil Capriles’ Vorfahren Juden waren, die vor dem Holocaust nach Venezuela flüchten mussten.

    Die Opposition setzt auf den Wiederaufbau der nationalen Wirtschaft und verspricht Einsparungen von Milliarden Dollar, indem die fast unentgeltlichen Öllieferungen nach Kuba und in andere lateinamerikanische Länder gestoppt würden. Außerdem bemängelt Capriles die Sicherheit in Venezuela. Nach seinen Worten „schließen sich die Venezolaner abends zu Hause ein, weil sie wissen, dass es draußen um diese Tageszeit sehr gefährlich ist. Wir wollen ein Land aufbauen, in dem es keinen Platz für Angst gibt, damit die Menschen abends wieder spazieren gehen und die Kinder wieder in den Parks spielen können“, sagte er auf einer Kundgebung.

    Der Oppositionskandidat dürfe mit der Unterstützung der Venezolaner rechnen, die die vorige Präsidentschaftswahl ignoriert haben, so Iwanowski vom Moskauer Lateinamerika-Institut weiter. Er wies jedoch darauf hin, dass die Opposition nicht mehr so geschlossen wie im Oktober sei, denn mehrere Parteien seien aus der Koalition „Mesa de la Unidad Democrática“ („Runder Tisch der demokratischen Einheit“) ausgetreten. „Allgemein ist nach wie vor aber unklar, ob die Situation in Venezuela nach der Wahl weiter stabil bleibt“, fügte der Experte an.

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