00:53 25 November 2017
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    Erstmals Großaufnahmen von Proteinen und Viren

    Russland: Zahl der Aids-Toten steigt dramatisch

    © RIA Novosti. Aleks Amineev
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    Die Welt gedenkt jedes Jahr am dritten Sonntag im Mai den Opfern der Immunschwächekrankheit Aids, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Die Welt gedenkt jedes Jahr am dritten Sonntag im Mai den Opfern der Immunschwächekrankheit Aids, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    In Russland sind seit Beginn der Erhebungen 130 000 Menschen an der gefährlichen Infektionskrankheit gestorben. Allein 2012 erreichte diese Zahl 20 000 – mehr als im Jahr 2011. Registriert wurden 70 000 HIV-Neuinfektionen (8000 mehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Insgesamt sind 720 000 Russen mit dem HI-Virus infiziert.

    Einer der wichtigsten Gründe für die hohe Sterblichkeit unter den HIV-Infizierten in Russland ist Experten zufolge die verspätete Behandlung. Einige Patienten halten Aids überhaupt für eine Erfindung von geldgierigen Ärzten und Pharma-Firmen, andere verschweigen ihre Krankheit vor Verwandten oder Freunden, wollen nicht vor dem Aids-Zentrum Schlange stehen oder warten so lange, bis sie Schmerzen bekommen.

    In den frühen 2000er-Jahren hatten Nichtregierungsorganisationen (NGOs),die unter den „Risiko-Gruppen“ (Drogenabhängige, Homosexuelle, Prostituierten usw.), Aufklärungsarbeit leisteten,

    eine wichtige Rolle bei der Aids- bzw. HIV-Prophylaxe gespielt. Außerdem bekam Russland damals von der Weltbank einen Kredit von 50 Millionen Dollar und Zuschüsse in Höhe von 200 Millionen Dollar vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria – unter der Bedingung, dass nur NGOs Zugang zu diesen Mitteln bekommen. Zu diesem Zweck wurde die NGO „Russischer Gesundheitsschutz“ gegründet, an deren Spitze allerdings der Gesundheitsminister stand. Dieses Geld wurde in den Aufbau der Infrastruktur, vor allem für neue Ausrüstung, investiert.

    Erst 2006 schloss sich die russische Regierung dem Kampf gegen Aids an. Als ein entsprechendes Gesundheitsprojekt vom Staat gestartet wurde, wurde das Kreditprogramm der Weltbank vorzeitig geschlossen. 2009 stellte der Globale Fonds seine Hilfszahlungen ein, weil Russland mittlerweile genug eigene Mittel hatte. Die russische Regierung zahlte dem Globalen Fonds freiwillig 200 Millionen Dollar zurück und unterstützt seitdem seine Aktivitäten im Land mit 25 Millionen Dollar jährlich. 2012 zog sich der Globale Fonds endgültig aus Russland zurück.

    Die aktuelle Situation ist laut dem Obersten Amtsarzt Russlands, Gennadi Onischtschenko, „angespannt“. In vier Föderationssubjekten (Gebiete Irkutsk, Samara, Swerdlowsk und Leningrad) sei mehr als ein Prozent der Bevölkerung HIV-positiv. In elf Regionen liege diese Zahl zwischen 0,5 und einem Prozent. Im Durchschnitt seien 0,8 Prozent der Bürger im Alter von 15 bis 50 Jahren HIV-positiv.

    Die staatliche Finanzierung liegt trotz der zunehmenden Aids-Erkrankungen bzw. HIV-Infektionen seit drei Jahren bei 19 Milliarden Rubel (ca. 600 Millionen Dollar). Dieses Geld ist vor allem für Medikamente bestimmt. Die Mittel für die HIV-Prophylaxe wurden in diesem Jahr von 600 Millionen Rubel (20 Millionen Dollar) auf 200 Millionen Rubel (6,4 Millionen Dollar) gekürzt.

    Zum Vergleich: In den USA entspricht die Zahl der HIV-Kranken ungefähr der in Russland, wobei die Bevölkerungszahl 2,2 Mal höher als in Russland ist. Den Kampf gegen Aids hat Präsident Barack Obama zu seinem persönlichen Anliegen gemacht. In Russland gibt es überhaupt keinen Amtsträger, der offiziell dafür zuständig wäre.