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    Proteste gegen Erdogan erfassen fast die ganze Türkei

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    Proteste in der Türkei (17)
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    In der Türkei halten die Proteste gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an, schreibt die Zeitung „Kommersant” am Donnerstag.

    In der Türkei halten die Proteste gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an, schreibt die Zeitung „Kommersant” am Donnerstag.

    Während Erdogan zu einem Arbeitsbesuch in Marokko weilt, versuchen Präsident Abdullah Gül und Vizepremier Bülent Arinc die Lage zu entschärfen und das Ausland zu beschwichtigen. Arinc traf am Mittwoch mit der Bürgerbewegung „Taksim Plattform“ zusammen. Gül versuchte ausländische Investoren bei einem Treffen zu überzeugen, dass die Proteste in der Türkei nicht nach arabischem, sondern nach westlichem Muster verlaufen. „Bei den Demonstrationen in Spanien sind die Menschen auch auf die Straße gegangen. Die Aktionen der Bewegung Occupy Wall Street in den USA dauerten mehrere Monate. In der Türkei findet zurzeit etwas Ähnliches statt“, sagte er.

    Obwohl sich die Regierung am Montag bei den Verteidigern des Gezi-Parks entschuldigte, reißen die Proteste nicht ab. Nach Medienberichten hat die Protestwelle 77 der 81 türkischen Provinzen erfasst. In der Nacht zum Mittwoch kam es in Istanbul und anderen türkischen Städten zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzte.

    Die Behörden berichteten von 244 Verletzten unter den Polizisten und 64 unter den Protestierenden. Nach Angaben des türkischen Ärzteverbands wurden seit Beginn der Proteste mehr als 3000 Menschen verletzt, 26 davon befinden sich in kritischem Zustand. Im Internet wurden Videos hochgeladen, in denen Polizisten zu sehen sind, sie äußerst brutal gegen die Protestierenden vorgehen. Die Opposition fordert den Rücktritt der Polizeichefs. Washington rief die türkische Regierung auf, der Gewalt ein Ende zu setzen.

    Am Freitag hatten die Proteste begonnen. Gestern wurde ein Demonstrant durch Kopfschuss getötet. Es handelt sich um das dritte Todesopfer seit Ausbruch der Unruhen. In Izmir, der drittgrößten Stadt der Türkei, wurden 29 Menschen wegen „Verbreitung von Propaganda- und Provokationsaufrufen via Twitter“ festgenommen.

    Wie der russische Politologe Wladimir Awatkow sagte, gehen Protestgruppierungen unterschiedlicher politischer Couleur auf die Straße, haben aber weder gemeinsame Anführer noch politische Forderungen außer dem Erhalt des Gezi-Parks und des Atatürk-Kulturzentrums. Awatkow erinnerte daran, dass bei der Parlamentswahl 2011 rund 50 Prozent der Wähler für die Regierungspartei gestimmt hatten. Sollten die Erdogan-Anhänger jetzt auch auf die Straße gehen, wäre dies fatal, so der Experte.

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