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17:04 19 Oktober 2019
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    Minijobs machen deutschen Arbeitsmarkt kaputt

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    Die Arbeitslosenquote ist zwar in Deutschland niedriger als in anderen europäischen Ländern, doch nicht alle Deutschen freuen sich über das Jobwunder, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Die Arbeitslosenquote ist zwar in Deutschland niedriger als in anderen europäischen Ländern, doch nicht alle Deutschen freuen sich über das Jobwunder, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Nach Angaben des deutschen Arbeitsamtes sind die Löhne der Spitzenverdiener von 1999 bis 2010 um 25 Prozent gestiegen. Die Löhne der Niedrigverdiener wuchsen dagegen nur um 7,5 Prozent. Angesichts der Inflationsrate von 18 Prozent ist ihr Einkommen deutlich gesunken. In diesem Zeitraum wuchs die deutsche Wirtschaft um 13,5 Prozent unter Berücksichtigung der Inflation. Viele Deutsche haben den Eindruck, dass sie von dem Wirtschaftswachstum nichts abbekommen haben.

    Anna Citroën (Name geändert) ist über 50 Jahre alt. Sie lebt in Bremen und arbeitet als Teilzeit-Krankenpflegerin. Ihr Lohn reicht für das Existenzminimum. Sie hat zwei Söhne, die studieren und unterstützt werden müssen. Deswegen macht sie einen Minijob. Drei Nächte im Monat arbeitet sie in einem Psychiatriezentrum.

    Dank den Minijobs können die Arbeitgeber in vielen Branchen (von Einzelhandel bis Krankenpflege) die Personalkosten verringern. Der Stundenlohn der Minijobber ist gewöhnlich niedrig. Im Gegensatz zu den Festangestellten sind die Minijobber jedoch nicht sozialversichert und verdienen selten mehr als 450 Euro pro Monat.

    Jeder fünfte beschäftigte Deutsche (rund 7,4 Millionen) ist nicht festangestellt. In Delmenhorst liegt der Anteil der Minijobs bei 35 Prozent aller Jobangebote. Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung ist das die höchste Zahl in Deutschland.

    Der 40-jährige Türke Kemalettin Tunk verlor vor kurzem seine Arbeit im Bremer Mercedes-Werk. Jetzt fährt er als Minijobber Taxi und verdient fünf Euro in der Stunde. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt zeichne sich derzeit eine Katastrophe ab. Vor 20 Jahren habe es in Deutschland mehr Wohlstand gegeben, sagte er.

    Ursprünglich wurden die Minijobs als Sprungbrett für eine Festanstellung geschaffen. Doch Experten sehen in ihnen mittlerweile ein Hindernis. Laut Werner Eichhorst vom Forschungsinstitut IZA haben die Minijobs ihr Ziel verfehlt. Die Arbeitgeber hätte kein Anreiz, die Mini- in Vollzeitjobs umzuwandeln. Die Minijobber würden keine Steuern zahlen wollen und deshalb auch nicht den Wunsch haben, mehr zu arbeiten, so der Experte.

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