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    Geschichtsaufarbeitung: Putin wagt sich an Stalin heran

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    Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in der Alternativen Geschichte versucht, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in der Alternativen Geschichte versucht, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.

    Putin sprach in dieser Woche über den Großen Vaterländischen Krieg, als er in einem Fernsehinterview vermutete, wie sich die Situation hätte entwickeln können, wenn die Sowjetunion bereits 1945 Atomwaffen gehabt hätte.

    „Ich zweifle sehr daran, dass Josef Stalin im Frühjahr 1945 eine Atombombe gegen Deutschland eingesetzt hätte, wenn er eine gehabt hätte. 1941 oder 1942, als es um Leben oder Tod des Staates ging, hätte er das vielleicht getan, aber nicht 1945, als der Feind kurz vor der Kapitulation stand“, sagte Putin in einem Interview für den englischsprachigen TV-Sender Russia Today.

    Putin spricht gerne über die Sowjetunion, erwähnt aber nur selten den Namen Stalin. Er weiß schließlich, dass er damit unterschiedliche Reaktionen in der Gesellschaft auslöst. Putin scheint bei der Bewertung der Rolle Stalins mittlerweile wagemutiger geworden zu sein: „Wir alle kennen – jedenfalls heute – verschiedene Seiten des sowjetischen Regimes. Wir kennen Stalin so, wie wir ihn früher nicht kannten. Wir wissen, dass er ein Diktator und Tyrann war“, sagte Putin und sprach plötzlich im Konjunktiv über den Einsatz von Atomwaffen im Zweiten Weltkrieg.

    Während eines Interviews mit Russia Today philosophierte Putin zunächst über die Unterschiede zwischen der russischen und der US-amerikanischen Kultur und sprach dann völlig überraschend über Atomwaffen. Dem Kreml-Chef zufolge sind die Amerikaner Individualisten und die Russen Kollektivisten. Ideologische Widersprüche gebe es zwischen Moskau und Washington keine, dafür aber kulturelle. In diesem Kontext erwähnte er Stalin, „den wir so kennen, wie wir ihn früher nicht kannten“.

    Diese Schlussfolgerung könnte aus den jüngsten Überlegungen Putins resultieren, die auf bisher verschlossenen Dokumenten basieren. Erst vor wenigen Tagen wurde die Webseite „Dokumente der sowjetischen Epoche“ des russischen Staatsarchivs eröffnet.

    Mehr als 200 Dokumente von Stalin sind vertraulich. Hat Putin etwas auf der Webseite des Archivs finden können?

    Putins Interesse für die ersten Jahre des sowjetischen Machtsystems ist wohl dadurch bedingt, dass er nach Wegen zur Begründung der Unterschiede seines Führungsstils vom westlichen sucht. Er spricht über die Kultur, doch zwischen den Zeilen dringt Folgendes durch: Eure Rezepte bei Menschenrechten, Toleranz und dem Investitionsklima passen nicht zu Russland. Das hatte Putin schon früher artikuliert, ohne allerdings Stalin zu nennen. So sollte Russland nach seinen Worten die Rüstungsindustrie wiederbeleben, wie das bereits in den 1930er-Jahren der Fall war.

    Das „Problem“ ist nur, dass sich die Situation im heutigen Russland von der in der Sowjetunion unter Stalin unterscheidet. Damals waren die Interessen des Staates höher angesiedelt als die der Bürger.

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