23:57 20 September 2017
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    Fall Syrien zeigt Machtverschiebung zugunsten Russlands und Chinas

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    Unruhen in Syrien (3838)
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    Der syrische Vizepremier Kadri Dschamil teilte in einem Interview für die britische „Financial Times“ mit, wie die syrische Wirtschaft trotz des Krieges und der Sanktionen am Leben erhalten wird, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Montag.

    Der syrische Vizepremier Kadri Dschamil teilte in einem Interview für die britische „Financial Times“ mit, wie die syrische Wirtschaft trotz des Krieges und der Sanktionen am Leben erhalten wird, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Montag.

    Nach seinen Worten unterstützen Russland und China neben dem Iran die syrische Wirtschaft, indem Damaskus mit den für die Kriegsführung erforderlichen Mitteln, darunter mit Geld, Ölprodukten und Nahrungsmitteln, versorgt wird.

    Russische Schiffe bringen Öl und Güter nach Syrien. Das erklärt nämlich die ständige Präsenz der russischen Marine vor der syrischen Küste. Jeden Monat erhält Syrien Öl im Wert von 500 Millionen Dollar. Die Geschäfte mit Russland und China würden in deren Nationalwährungen abgerechnet, betonte Dschamil. Dadurch können die Finanzsanktionen der USA umgangen werden.

    Das Zusammenwirken Moskaus und Pekings im Fall Syrien könnte eine neue Ära in der Weltpolitik bedeuten.

    Die USA versuchten, ein weiteres Regime zu stürzen, das enge Kontakte mit Russland und China pflegt, die jetzt nicht mehr nur im UN-Sicherheitsrat protestieren. Beide Länder unterstützen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad politisch, wirtschaftlich und militärtechnisch. Zu diesem Zweck schickte Russland seine Marineschiffe vor die Küste Syriens. China spielt wahrscheinlich wirtschaftlich eine große Rolle.

    Derzeit scheint der erste Versuch einer offenen Konfrontation mit dem Westen in einem Drittland gute Aussichten auf einen Erfolg zu haben. Selbst wenn Assad gestürzt werden sollte, waren Russland und Chinas immerhin in der Lage, Assad zwei Jahre lang an der Macht zu halten.

    Sollte Assad im Amt bleiben, könnten sich die Machtverhältnisse in der Weltpolitik verschieben. Bis zuletzt hatten die USA ausreichend politische und wirtschaftliche Macht, um ein Regime in einem Entwicklungsland zu stürzen. Das Beispiel Syriens zeigt, dass ein solches Regime unter gewissen Umständen dem Druck der USA widerstehen kann.

    Es stellt sich die Frage, warum ausgerechnet in Syrien die Interessen des Westens und die Russlands und Chinas aufeinanderprallen. Vielleicht handelt es sich um ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Die arabische Revolutionswelle von 2011 hatte den amerikanischen Anhängern der „demokratischen Dominotheorie“, die zum ersten Mal während der Vorbereitung auf die Invasion in den Irak 2003 entstanden war, wieder Aufwind gegeben. Damals dachten viele, dass der „Sieg der Demokratie“ im Irak demokratische Prozesse im Nahen Osten einleiten wird.

    Ursprünglich hatte US-Präsident Dwight Eisenhower 1954 die „Dominotheorie“ formuliert, als sich der Kommunismus in Asien ausbreitete. Diese Theorie hatte den Vietnamkrieg in den 1960er-Jahren zur Folge.

    Jetzt ist die Situation umgekehrt: Moskau und Peking wollen der amerikanischen Hegemonie offenbar Einhalt gebieten.

     

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