19:13 20 November 2019
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    Weißrussen befürchten Währungscrash

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    Die Schwankungen der weißrussischen Nationalwährung sorgen unter der Bevölkerung von Weißrussland für Panik, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Dienstag.

    Die Schwankungen der weißrussischen Nationalwährung sorgen unter der Bevölkerung von Weißrussland für Panik, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Dienstag.

    In den vergangenen zwei Wochen überstieg der Wechselkurs des US-Dollars die „psychologisch wichtige“ Marke von 9000 Rubel, obwohl die Regierung in Minsk für dieses Jahr „nur“ mit 8950 Rubel für einen Dollar gerechnet hatte. Die Weißrussen kaufen massenweise Dollar und Euro und werten dadurch ihre eigene Währung weiter ab.

    Der frühere Chef der weißrussischen Nationalbank und derzeitige Vizepremier Pjotr Prokopowitsch versuchte, seine Mitbürger zu beruhigen. Seine Beteuerungen vom März 2011 sind den Weißrussen noch in schlechter Erinnerung: „Solange ich der Vorstandsvorsitzende der Nationalbank bin, wird unsere Nationalwährung keinen Absturz erleben.“ Kurz danach verlor der weißrussische Rubel etwa 70 Prozent seines Wertes. Auch diesmal beteuerte Prokopowitsch, dass es keine Voraussetzungen für eine Abwertung des Rubels gebe. Nadeschda Jermakowa beerbte ihn als Nachfolgerin an der Spitze der Nationalbank. Nachdem der Rubel entgegen den Beteuerungen von Premier Michail Mjasnikowitsch dennoch abrutschte, stürmten die Weißrussen die Banken und Wechselstuben. Allein im Juni holten die Weißrussen 71,8 Milliarden Rubel von ihren Konten – zu dem Zeitpunkt lagerten noch 22,9 Billionen Rubel in den Banken. In der ersten Juli-Dekade wurde eine weitere Billion Rubel in Dollar umgetauscht.

    Experten finden, dass die jüngsten Ereignisse auf dem weißrussischen Devisenmarkt nicht als Beginn einer Rubelabwertung bezeichnet werden können. Es gehe „nur um Schwankungen im Währungskorb“, sagte der Analyst Vadim Iosub. „Eine Devalvierung des Rubels käme erst dann in Frage, wenn der Währungskorb (bestehend aus Euro, Dollar und russischen Rubel) an Wert gewinnen würde. Der Korb bleibt aber vorerst stabil.“

    Dennoch ist die Situation in Weißrussland angespannt: Die Handelsbilanz verschlechtert sich zunehmend. Zwischen Januar und Mai ist der weißrussische Export um nahezu ein Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Das BIP-Wachstum verlangsamte sich in dieser Zeit auf 1,1 Prozent. Zudem muss der weißrussische Staat Auslandskredite in Höhe von fast einer Milliarde Dollar tilgen. Außerdem müssen die Behörden im Auftrag von Präsident Alexander Lukaschenko den Durchschnittslohn auf 500 US-Dollar erhöhen, was die heimische Wirtschaft zusätzlich belastet. Weißrusslands Gold- und Devisenreserven beliefen sich im Frühjahr 2012 auf lediglich acht Milliarden Dollar. In ihrer Not hat die weißrussische Staatsführung von China bereits einen Hilfskredit bewilligt bekommen.

    Der Abwärtstrend beim Rubel hat die Nationalbank zu einer Verschärfung der Geld- bzw. Devisenpolitik gezwungen. Unter anderem sollen die Leitzinsen bis zum Ende dieses Jahres von 23,5 auf 15 Prozent gesenkt werden. Das bedeutet, dass das Wirtschaftswachstum für eine stabile Nationalwährung geopfert wird. Unklar ist allerdings, wie lange die Nationalbank der Industrielobby die Stirn bieten kann, die an einem günstigen Rubel für das Exportgeschäft interessiert ist.

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