07:19 17 Dezember 2017
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    Syrien: Angst vor Islamisten treibt Rebellen in die Arme Assads

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    Im Syrien-Konflikt zeichnet sich eine interessante Wende ab, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Im Syrien-Konflikt zeichnet sich eine interessante Wende ab, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Hunderte Rebellen nutzen die von den Behörden versprochene Amnestie und haben ihre Waffen niedergelegt. Sollte daraus ein Trend werden, könnte man von einem wichtigen psychologischen Sieg des syrischen Machthabers Baschar al-Assad sprechen.

    Der vor kurzem zum Minister für nationale Aussöhnung ernannte Ali Haidar, einer der Gemäßigten aus Assads Machtzirkel, hatte den Aufständischen eine Amnestie angeboten.

    Wie die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtete, haben unter anderem 180 ehemalige Polizisten von dem Angebot Gebrauch gemacht. Sie hatten sich der Opposition angeschlossen, jetzt aber die Waffen niedergelegt und den Rückweg in die von den Regierungstruppen kontrollierten Gebiete angetreten.

    „Als wir uns der Revolution angeschlossen haben, wollten wir für unsere Rechte kämpfen“, äußerte der frühere Oppositionskämpfer Ziad Abu Dschabal. „Jetzt aber sehen wir die Zerstörungen und sehen mit eigenen Augen, wie gewalttätig die Dschihadisten sind, und streben lieber eine Einigung mit der Regierung an.“

    Ähnlich äußerte sich auch der Ex-Rebell Mohammed aus der Stadt ar-Raqqa im Norden des Landes: „Ich habe für die Revolution gekämpft, aber jetzt sind die Ideale, für die wir gekämpft haben, verloren gegangen. Meine Stadt wurde von Extremisten erobert, und das Leben dort wurde zu gefährlich. Meine Familie musste in ein Gebiet umziehen, das von der Regierung kontrolliert wird. Assad ist zwar schrecklich, aber die Kräfte, die ihn ablösen könnten, sind noch schlimmer.“

    Experten sehen jedoch noch keine Anzeichen für einen Massenüberlauf der Oppositionellen zu den Assad-Truppen. Hunderte übergelaufene Kämpfer seien mit der Gesamtzahl der Rebellen nicht zu vergleichen, die auf 50 000 bis 100 000 geschätzt wird. Aus psychologischer Sicht sei das aber ein wichtiger Präzedenzfall.

    Sollte die Integration der von der Front zurückgekehrten Oppositionskämpfer erfolgreich verlaufen, könnten ihrem Beispiel Hunderte Gleichgesinnte folgen, besonders wenn man die jüngsten Erfolge der Assad-Truppen und die wachsende Zahl von ausländischen Islamisten in Syrien bedenkt.

    Viele Syrer, die früher gegen Assad und für mehr Demokratie, aber nicht für die Islamisierung des Landes gekämpft haben, fürchten einen Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten. Im Vergleich zum Terrornetzwerk al-Qaida ist das grausame, aber säkulare Assad-Regime immerhin das kleinere Übel.

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