14:41 17 Dezember 2017
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    Umfrage: Immer weniger Russen sehen Auswanderung als Fahnenflucht

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    Immer weniger Russen sehen in der Auswanderung etwas Negatives, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Immer weniger Russen sehen in der Auswanderung etwas Negatives, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Das ergab eine Studie des Allrussischen Forschungszentrums für öffentliche Meinung (WZIOM). 48 Prozent der Befragten halten eine Auswanderung für legitim. Nur 13 Prozent betrachten Russen als „unpatriotisch“, „die das Land verlassen, in dem sie aufgewachsen sind“. Zum Vergleich: 2008 hatten lediglich 37 Prozent eine Auswanderung positiv bewertet, während die Mehrheit sich negativ dazu äußerte.

    „Die Menschen sehen Auswanderungen mittlerweise nicht mehr so dramatisch“, so die Sprecherin des Meinungsforschungsinstituts, Olga Kamentschuk. „Als die Menschen vor 30 Jahren emigrierten, wechselten sie nicht nur das Land, sondern auch die Staatsordnung samt Ideologie. Heute gibt es aber kein politisches Blockdenken mehr zwischen Russland und dem Westen.“

    Dennoch geben nur 13 Prozent der Befragten an, für immer ins Ausland ziehen zu wollen. Die meisten (85 Prozent) haben keine Lust, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Viele würden zwar davon reden, aber in Wirklichkeit sei die Zahl potenzieller Emigranten noch niedriger, so Kamentschuk. Die Idee, dass es „höchste Zeit, abzuhauen“ sei, ist in Wirklichkeit nur eine „emotionale Protestäußerung“, so die Sprecherin. Die Zahl der Menschen, die auf diese Weise „passiv protestieren“, sei in den vergangenen zwei Jahren konstant.

    Von den Menschen, die Auswanderungsgedanken hegen, hat etwa die Hälfte keine Ahnung, in welchem Land ihre Zukunft liegen soll. Weitere 15 Prozent wollen in den kommenden drei bis fünf Jahren auswandern. Nur fünf Prozent der Russen wollen in den nächsten ein bzw. zwei Jahren weg. Als Auswanderungsgründe wurden am häufigsten „bessere Lebensbedingungen“ (58 Prozent), „bessere Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung“ (21 Prozent) und „mehr Ordnung“ (sieben Prozent) genannt.

    „Die Globalisierungsprozesse haben auch die Einstellung der Russen zum Thema Auswanderung beeinflusst“, so der Moskauer Soziologe Alexander Demidow. „In Russland gibt es aber vorerst keine derart globalen Auswanderungsgründe wie beispielsweise in Tadschikistan oder Usbekistan“, ergänzte der Experte.

    „Es gibt aber auch einen politischen Faktor“, sagt der Politologe Alexej Makarkin. „Die Russen, vor allem Jugendliche, verstehen nicht, was im Land in letzter Zeit vor sich geht, und wandern aus.“ Die Zahl dieser Menschen werde in den nächsten Jahren wachsen, sobald eine neue Generation herangewachsen sei, prognostizierte er.

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