16:31 16 Februar 2019
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    Boykottaufrufe gegen Olympia in Sotschi werden lauter

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    Weltweit werden die Rufe nach einem Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi lauter, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Freitag.

    Weltweit werden die Rufe nach einem Boykott der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi lauter, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Freitag.

    Im Westen haben Politiker, Aktivisten und Prominente eine Kampagne gestartet, um das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf die Diskriminierung der sexuellen Minderheiten in Russland aufmerksam zu machen.

    Der russische Sportminister Vitali Mutko und der Vorsitzende des Sportausschusses in der Staatsduma (Parlamentsunterhaus), Igor Ananskich, hatten zu verstehen gegeben, dass das „Homosexuellen-Propaganda“-Verbot auch während der Winterspiele nicht gelockert werde. Ihre Äußerungen lösten in den westlichen Medien eine regelrechte Kampagne gegen das umstrittene Anti-Schwulen-Gesetz aus. Auf der CNN-Webseite wurde sogar eine komplette Rubrik über die Rechte der Schwulen und Lesben in Russland eingerichtet.

    In dieser Woche hatten sich bereits US-Präsident Barack Obama und die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gegen das russische „Gay-Propaganda“-Verbot ausgesprochen. Letztere verwies darauf, dass niemand zur Teilnahme an den Spielen in Sotschi gezwungen sei.

    Der britische Schauspieler Stephen Fry forderte am Mittwoch IOC-Präsident Jacques Rogge und Großbritanniens Regierungschef David Cameron dazu auf, die Spiele in Sotschi abzusagen. Am selben Tag überreichten Schwulen-Aktivisten dem IOC eine Liste mit 322 000 Unterschriften mit der Forderung nach einer öffentlichen Stellungnahme zum russischen Anti-Schwulen-Gesetz.

    Auch die internationalen Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International kritisierten das russische Gesetz. HRW verwies in ihrem Schreiben an das IOC, es widerspreche dem „olympischen Geist“ und der olympischen Charta. Den Organisationen zufolge haben die russischen Behörden ihre Kampagne zur Diskriminierung der sexuellen Minderheiten bereits begonnen, als sie 2011 das so genannte Pride House, eine Art Treffpunkt für Schwule und Lesben während der Spiele, ablehnten. Solche „Häuser“ habe es bei den Spielen 2010 in Vancouver und 2012 in London gegeben, so die Menschenrechtler.

    Sie rufen allerdings nicht zum Boykott der Spiele auf, so der Chef von Amnesty International in Russland, Sergej Nikitin. Die Spiele würden lediglich als Anlass genommen, um die Weltgemeinschaft auf die sich verschlimmernde Menschenrechtssituation in Russland aufmerksam zu machen, betonte er.

    In Moskau ist man jedoch der Meinung, dass nicht die neuen Gesetze, sondern die Versuche zur Politisierung der Spiele dem olympischen Geist schaden. Solche Schritte seien „kontraproduktiv“, sagte der Menschenrechtsbeauftragte des Außenministeriums, Konstantin Dolgow. Vizepremier Dmitri Kosak sicherte zu, dass in Sotschi niemand wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werde, betonte aber zugleich, dass die „Propaganda von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen unter Minderjährigen“ nicht hingenommen werden könne.

    IOC-Chef Rogge hat sich bislang noch nicht zu diesem Thema geäußert. Sein Stellvertreter Craig Reedie forderte Sondergespräche über das russische Anti-Schwulen-Gesetz. IOC-Finanzausschusschef Richard Carrión verurteilte das Gesetz.

    In seiner Politik gegenüber den sexuellen Minderheiten entfernt sich Russland immer mehr vom Westen, wo diese Aktivitäten als provokativ betrachtet werden, so der deutsche Politologe Alexander Rahr. Nach seiner Auffassung wird es keinen Boykott der Olympischen Spiele 2014 geben, aber Politiker könnten auf einen Besuch in Sotschi verzichten, was bereits bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine der Fall war.

     

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