09:19 20 Juni 2019
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    Russland und Iran wieder auf Annäherungskurs: S-300 und Buschehr im Gespräch

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    Nach einer längeren Pause scheint wieder Bewegung in die Beziehungen zwischen Russland und dem Iran zu kommen, stellt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch fest.

    Nach einer längeren Pause scheint wieder Bewegung in die Beziehungen zwischen Russland und dem Iran zu kommen, stellt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch fest.

    Russlands Präsident Wladimir Putin soll vor kurzem angeordnet haben, die Abkommen über Raketenlieferungen und den Bau eines neuen Reaktors im iranischen Kernkraftwerk Buschehr wiederzubeleben.

    Ein Vertrag über die Lieferung von fünf Divisionen der S-300-Raketensysteme war 2007 unterzeichnet worden. Nachdem im September 2010 internationale Sanktionen gegen den Iran verhängt worden waren, stoppte der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew die Raketenlieferungen.

    Diesmal geht es um die Luftabwehrsysteme S-300VM Antej-2500 (eine modifizierte Exportvariante des Modells S-300PMU-1). Wenn die Iraner ihre Klage gegen Russland wegen Vertragsbruch zurückziehen, scheint dem neuen Deal nichts mehr im Wege zu stehen. „Dieser Komplex ist für den Iran noch besser geeignet als die S-300PMU-1-Raketen, weil er effizienter beim Abfangen von Raketen ist“, findet der Direktor des Zentrums für gesellschaftspolitische Forschungen, Wladimir Jewsejew. „Falls der Iran angegriffen werden sollte, kommen vor allem Raketen in Frage. Das Antej-2500-Modell eignet sich deshalb am besten als Abwehrwaffe.“

    Der iranische Botschafter in Russland, Seyed Mahmoud-Reza Sajjadi, bestätigte vor kurzem das Interesse an dem neuen Raketen-Deal. „Wenn es ein anderes Luftabwehrsystem gibt, das unser Territorium abdecken könnte, und wenn der Preis und die Lieferzeit akzeptabel sind, dann wären wir durchaus flexibel“, betonte er.

    Quellen zufolge ist Moskau zudem bereit, einen Vertrag über den Bau eines zweiten Reaktors in Buschehr zu unterzeichnen. Großes Interesse daran hatte der frühere Präsident Mahmud Ahmadinedschad während seines jüngsten Besuchs in Moskau gezeigt.

    Wie Putins Sprecher Dmitri Peskow bestätigte, soll der russische Präsident beide Themen mit seinem neuen iranischen Amtskollegen Hassan Rohani am 13. September am Rande eines SOZ-Gipfels in Bischkek (Kirgisien) besprechen.

    Experten führen die neue Annäherung Moskaus und Teherans auf ihre ähnlichen Positionen zur Syrien-Frage zurück. „Wir sitzen in einem Boot“, sagte Experte Jewsejew. „Langfristig gibt es unterschiedliche Ansichten zu Syriens Zukunft, kurzfristig sind beide Länder aber gegen eine Intervention der USA.“

    Ein anderer wichtiger Faktor sind die jüngsten Anspannungen zwischen Moskau und dem Westen, vor allem mit den USA. „Beim G20-Gipfel zeigte sich Wladimir Putin als freundlicher Gastgeber“, sagte der Präsident des PIR-Zentrums, Wladimir Orlow. „Nach dem Gipfel kann er sich jetzt an den Amerikanern rächen – für deren Absage des Moskauer Gipfeltreffens und auch für deren scharfe Kritik an Russlands Position zur Syrien-Frage. Das Treffen mit dem neuen iranischen Präsidenten ist daher sehr günstig.“ Der Experte räumte aber ein, dass die russisch-iranische Annäherung großenteils von den künftigen Beziehungen zwischen Moskau und Washington abhängt.

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