20:53 27 September 2016
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Russland wachsen die Schulden über den Kopf

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Russlands Staatsschulden sind seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent gewachsen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

Russlands Staatsschulden sind seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent gewachsen, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Donnerstag.

Laut einem Bericht des Finanzministeriums belaufen sich die Schulden aktuell auf 55,891 Milliarden Dollar. Die gesamten Auslandsschulden Russlands liegen inzwischen bei mehr als 600 Milliarden Dollar. Besonders groß sind die Schulden der staatlichen Banken und Energiekonzerne.

Auslandskredite werden vor allem wegen der Gefahr einer neuen Krisenwelle aufgenommen. Vor allem Staatsunternehmen leihen sich diese „Puffergelder“, weil ihre Schulden deutlich höher liegen als die staatlichen Auslandskredite. Besonders aktiv greifen Energieunternehmen zu Auslandskrediten, weil die internationale Nachfrage nach Rohstoffen immer geringer wird. Zudem hat die russische Regierung die Erhöhung der Gaspreise für Privathaushalte für zwei Jahre auf Eis gelegt. Dadurch entgehen Gazprom nach eigener Einschätzung etwa 500 Milliarden Rubel (umgerechnet ca. zwölf Milliarden Euro). Daher ist der russische Gasriese gezwungen, auf Auslandskredite zurückzugreifen, um seine enorm kostspieligen Projekte zur Erschließung von Öl- und Gasfeldern in Sibirien und der Arktis umzusetzen.

„Besonders beunruhigend ist, dass 75 Prozent der gesamten Auslandsschulden auf den Unternehmenssektor entfallen“, sagte Weniamin Wutjanow von der Russischen Akademie für Volkswirtschaft. „Die Gelder werden normalerweise für  Investitionsprojekte genommen, vor allem in der Energiewirtschaft, wobei eigene Aktiva als Pfand hinterlassen werden. Dadurch entsteht eine große Gefahr für die nationale Sicherheit. Sollten alle Kreditgeber auf einmal ihr Geld zurückverlangen, müsste Russland ihnen seine Öl- und Gasfelder überlassen. Gazproms Schulden im Ausland liegen bereits bei 80 Milliarden Dollar. Rosneft steht mit 60 Milliarden Dollar in der Kreide. Beide Konzerne haben mit der nachlassenden Nachfrage auf dem Weltmarkt und sinkenden Fördermengen zu kämpfen. Am Ende könnten sie unter der finanziellen Last zusammenbrechen, so dass der Staat (sprich die Steuerzahler) dafür zahlen muss“, so der Experte.

Es ist zwar unwahrscheinlich, dass alle ausländischen Kreditgeber auf einmal ihr Geld zurückfordern. Aber die Situation könnte sich bei einem raschen Rückgang der Ölpreise schnell ändern. „Russlands Auslandsschulden sind zwischen Januar und Oktober um 10,1 Prozent gewachsen, was zwar viel weniger als die 41 Prozent im vorigen Jahr, aber trotzdem ein gefährlicher Trend ist“, sagte die Finanzanalystin Natalja Samoilowa. „Die ständig wachsenden Kredite können auch ungünstige Bedingungen bei der Vergabe von weiteren Krediten und deren Begleichung haben. Ein Wirtschaftskollaps ist zwar unwahrscheinlich, aber vieles hängt vom weiteren Wachstumstempo der russischen Wirtschaft ab“, so die Expertin.

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