19:44 20 Oktober 2018
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    Michail Chodorkowski

    Nach zehn Jahren Haft: Putin begnadigt Chodorkowski

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    Der russische Präsident Wladimir Putin will den früheren Chef des Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, begnadigen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Der russische Präsident Wladimir Putin will den früheren Chef des Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, begnadigen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Das teilte der Kreml-Chef gestern nach seiner Jahrespressekonferenz mit. Ihm zufolge hatte Chodorkowski einen entsprechenden Antrag gestellt und auf „humanitäre Probleme“ verwiesen. Seine Mutter Marina Chodorkowskaja sei schwer erkrankt.

    Die 79-Jährige sagte der Zeitung „Kommersant“, sie habe von der Entscheidung ihres Sohnes, den sie zum letzten Mal im Sommer in der Strafanstalt in Segescha (Teilrepublik Karelien) gesehen habe, aus Medienberichten erfahren. „Putins Worte, dass ich und mein Mann Boris krank sind, sind wahr. Ich habe drei Monate im Krankenhaus verbracht und bin erst vor drei Wochen gesundgeschrieben worden.“ Auch der 80-jährige Vater des Ex-Oligarchen habe gesundheitliche Probleme.

    Marina Chodorkowskaja hat nach ihren Worten keine Ahnung, ob ihr Sohn den Begnadigungsantrag „unter Druck oder unter Diktat“ geschrieben haben könnte. „Ich weiß, unter welchen Bedingungen er die zehn Jahre verbracht hat. Ihn kann nur jemand verurteilen, der auch so etwas erlebt hat“, ergänzte sie.

    Chodorkowskis Haftzeit endet am 23. August 2014. Bis zuletzt hatte er konsequent seine Schuld bestritten und immer wieder Einsprüche gegen sein Urteil eingelegt.

    Anfang Dezember hatte aber der stellvertretende Generalstaatsanwalt Alexander Swjaginzew mitgeteilt, dass gegen den frühren Ölmagnaten in mehreren Strafsachen „mit guten gerichtlichen Perspektiven“ ermittelt wird. Unter anderem gehe es um Geldwäsche und um die so genannte „Experten-Affäre“. Gutachter sollen im Auftrag des Präsidenten-Rats zur Entwicklung der Zivilgesellschaft das Urteil im zweiten Yukos-Fall geprüft und es gegen Bestechungsgelder für ungesetzlich erklärt haben.

    Dadurch entstand der Eindruck, dass Chodorkowski erneut unter Druck gesetzt wurde, darunter durch die Medien, damit er seine Begnadigung beantragt und damit de facto seine Schuld anerkennt.

    Laut Quellen hat Chodorkowski vor wenigen Tagen ein Gespräch mit Vertretern der Geheimdienste gehabt, die ihn über die Gesundheitsprobleme seiner Mutter informierten und mit einem „dritten Fall Yukos“ drohten. Danach musste sich der frühere Yukos-Chef an Putin wenden.

    Letzterer sagte gestern, dass er „keine Perspektiven für den dritten Fall Yukos“ sehe.

    Nicht auszuschließen ist, dass Chodorkowski noch vor Jahreswechsel freikommt. So war auch der frühere Yukos-Vizepräsident Wassili Alexanjan am 31. Dezember 2009 gegen Kaution freigelassen worden.

     

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