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    Warum hat Putin Chodorkowski begnadigt?

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    Michail Chodorkowski aus der Haft entlassen (49)
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    Eines der wichtigsten Ereignisse des scheidenden Jahres ist die Begnadigung des früheren Ölmagnaten Michail Chodorkowski durch Präsident Wladimir Putin, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Eines der wichtigsten Ereignisse des scheidenden Jahres ist die Begnadigung des früheren Ölmagnaten Michail Chodorkowski durch Präsident Wladimir Putin, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Der Kreml-Chef gab seinen Gnadenakt während seiner Jahrespressekonferenz am 19. Dezember bekannt. Bereits am 20. Dezember verließ Chodorkowski die Strafkolonie in Karelien und reiste sofort nach Deutschland aus.

    Ohne Begnadigung wäre er im August 2014 aus der Haft entlassen worden, sein früherer Geschäftspartner Platon Lebedew im Mai 2014. In letzter Zeit sprachen aber viele Experten von einem möglichen „dritten Yukos-Fall“. Präsident Putin sagte allerdings auf seiner Pressekonferenz, er sehe keine Voraussetzungen dafür.

    Über die genauen Hintergründe der Begnadigung des früheren Yukos-Chefs wurde offenbar Stillschweigen vereinbart. Klar sind aber zwei Dinge: An Chodorkowskis vorzeitiger Entlassung war vor allem Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher beteiligt, der offenbar von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt wurde. Zweitens hatten die russischen Behörden ihre Forderungen für die Begnadigung gemildert. Früher hatten sie von Chodorkowski ein Schuldgeständnis verlangt. Nun wurde er aber auch ohne das begnadigt.

    Die Gründe für Putins plötzliche Gnade sind unklar. Er selbst sagte dazu, dass Chodorkowski zehn Jahre in Haft verbracht habe und dass seine Mutter schwer krank sei. Experten und Journalisten vermuten aber, dass der russische Staatschef um sein Image im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi besorgt ist, die viele Staats- und Regierungspolitiker boykottieren könnten.

    Chodorkowski schloss in einem Interview für die Zeitung „New Times“ nicht aus, dass Putin vor allem sein Umfeld in Ordnung bringen wolle und habe zu diesem Zweck ein starkes Signal für die Änderung der „Spielregeln“ gebraucht: Entweder müsste Ex-Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow für zehn Jahre  ins Gefängnis gehen oder „Häftling Nummer eins“ (Chodorkowski) müsste freigelassen werden. Zudem habe Putin der Gesellschaft und der Welt zeigen wollen, dass er sich zuversichtlich und sicher fühle, ergänzte der Ex-Yukos-Chef.

    Zu seinen Zukunftsplänen sagte Chodorkowski in Berlin, dass er vorerst weder Geschäfte machen noch um die früheren Yukos-Beteiligungen kämpfen werde.


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