07:05 21 September 2017
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    Drei Ex-Kanzler raten von Sanktionen gegen Russland ab

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    Sanktionen gegen Russland (857)
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    Drei ehemalige deutsche Bundeskanzler haben sich gegen Wirtschaftssanktionen gegen Russland ausgesprochen, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Drei ehemalige deutsche Bundeskanzler haben sich gegen Wirtschaftssanktionen gegen Russland ausgesprochen, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Altkanzler Helmut Schmidt hat in einem „Zeit“-Interview für Aufsehen gesorgt, als er Verständnis für das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Krim zeigte und die westlichen Sanktionen gegen Moskau „dummes Zeug“ nannte. „Sie treffen den Westen genauso wie die Russen“, warnte Schmidt. „Es wäre ideal, sich jetzt zusammenzusetzen. Es wäre jedenfalls dem Frieden bekömmlicher als das Androhen von Sanktionen.“ Außerdem hält der Altkanzler die im Westen vorherrschende Meinung „für einen Fehler“, dass Russlands nächster Schritt die Eroberung der Ostukraine sein wird.

    Auch Gerhard Schröder hat sich schon öfter kritisch über die Russland-Politik der EU geäußert. Zu den Vorwürfen gegen Moskau, es hätte mit seinen Aktivitäten auf der Krim gegen das Völkerrecht verstoßen, sagte er, dass Deutschland 1999 ohne die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates seine Kampfjets nach Jugoslawien geschickt habe.

    Der „Vater der deutschen Einheit“, Helmut Kohl, rief die Bundesbürger zu „Besonnenheit“ auf. Auch er warf dem Westen „große Versäumnisse“ in der Ukraine-Politik sowie mangelnde „Sensibilität im Umgang mit unseren russischen Nachbarn“ und vor allem mit Putin vor.

    „Wir dürfen nicht vergessen: Krieg ist kein Mittel der Politik“, betonte Kohl. „Wir wollen in Europa friedlich und vertrauensvoll miteinander leben.“

    Auch die Wirtschaft tritt vehement gegen antirussische Sanktionen auf. Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser traf sich in der vergangenen Woche in Moskau mit Putin und versicherte ihm, dass der Konzern an seinen Kooperationsplänen mit Russland festhalte. Auch der Chef der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, wird demnächst nach Moskau reisen. Er schätzte das Russland-Geschäft auf 250 Millionen Euro.

    „Der Spiegel“ verwies darauf, dass Siemens-Chef Kaeser die Position aller deutschen Großunternehmen zum Ausdruck gebracht hat. Wirtschaftsbosse wie Johannes Teyssen (E.ON), Martin Winterkorn (Volkswagen), Jürgen Fitschen (Deutsche Bank) usw. sprachen sich ebenfalls gegen Sanktionen gegen Russland aus, weil sie nur zu einer weiteren Eskalation führen würden.

    Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte am Freitag die Hoffnung, dass Wirtschaftssanktionen vermieden werden. Zugleich sorgte sie aber für Aufsehen, als sie eine neue Energiestrategie ankündigte. Selbst Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel reagierte besorgt und äußerte, dass es für das russische Gas in absehbarer Zeit keine Alternative gebe. Zugleich verwies er darauf, dass Russland seine Verpflichtungen als Gaslieferant selbst in den Jahren des Kalten Krieges erfüllt habe.

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