03:43 28 September 2016
Radio
Atomwaffen

Wegen Nato: Atomwaffen-Stationierung auf der Krim?

© Sputnik/ Sergey Kasack
Zeitungen
Zum Kurzlink
Die Zukunftsentscheidung auf der Krim (415)
025500

Auf der Krim könnten russische Atomwaffen aufgestellt werden, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

Auf der Krim könnten russische Atomwaffen aufgestellt werden, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.

Angesichts der Nato-Aktivitäten in Osteuropa sind zahlreiche russische Militärexperten davon überzeugt, dass Moskau die Verteidigungsfähigkeit der Halbinsel nach ihrem Beitritt zu Russland verstärken sollte, um potenzielle Kriegsgefahren zu neutralisieren.

Der Direktor des Zentrums für gesellschaftspolitische Forschungen, Wladimir Jewssejew, findet, dass es für die Aufstellung von taktischen Atomwaffen auf der Krim formell keine Hindernisse gibt. Bis 1996 gab es nahe der Stadt Sudak ein Waffenlager, in dem Nuklearmunition aus Sowjetzeiten gelagert wurde. 1994 wurde zwischen Russland, der Ukraine und den USA ein Vertrag geschlossen, der Moskau dazu verpflichtete, bis 1996 die Kernwaffen von der Krim abzuziehen. Das Lager existiere jedoch weiterhin, technisch wäre es kein Problem, es wieder in Betrieb zu nehmen, so Jewssejew.

Zugleich verwies der Experte darauf, dass die USA bzw. die Nato über viel stärkere konventionelle Waffen als Russland verfügen. Falls sie diese Waffen in der Nähe der russischen Grenze aufstellen, hätte Moskau mit seinen taktischen Atomwaffen auf der Krim ein wichtiges Gegenargument.

Generaloberst Leonid Iwaschow, der früher die Hauptverwaltung für internationale Militärkooperation beim russischen Verteidigungsministerium leitete, ist ebenfalls der Meinung, dass Russland keine juristischen Hindernisse habe, taktische Atomwaffen auf der Halbinsel zu stationieren. „Das wäre natürlich die äußerste Maßnahme, aber unsere westlichen Gegner sollten das nicht vergessen. Denn die Krim ist jetzt russisches Territorium, und auf unserem Territorium können wir jegliche Waffen aufstellen, solange das nicht gegen unsere internationalen Verträge verstößt“, so der Experte.

Dass die Militärinfrastruktur auf der Krim demnächst modernisiert wird, steht außer Zweifel. Die Mehrheit der 193 ukrainischen Militärobjekte auf der Halbinsel, die jetzt Russland gehören, sind veraltet. Außerdem wurde die Schwarzmeerflotte wegen des Widerstandes Kiews seit mehr als 20 Jahren nicht modernisiert. Deshalb hat das russische Verteidigungsministerium beschlossen, auf der Krim eine Abteilung der Luft- und Raumabwehrtruppen zu stationieren, zumal sich dort ein Raumfahrtleit- und -testzentrum befindet, das bisher der ukrainischen Raumfahrtbehörde gehörte.

Auch die Marine und ihre Fluggeschwader müssen modernisiert werden. Der Generalstab will bis 2016 sechs neue Fregatten für die Schwarzmeerflotte bauen. Der Berater des Generalstabschefs, Admiral Igor Kassatonow, zeigte sich überzeugt, dass die Flotte zudem mehrere Diesel-U-Boote erhalten wird. Derzeit verfügt sie nur über ein U-Boot.

 

Themen:
Die Zukunftsentscheidung auf der Krim (415)
Top-Themen