11:30 10 Dezember 2019
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    Chinesen investieren Hunderte Millionen Euro in russische Staatspapiere

    Russland-China: Ein Gasdeal zum Draufzahlen?

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    Russische Experten schätzen den gestern in Gegenwart der Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping unterzeichneten russisch-chinesischen Gasvertrag unterschiedlich ein, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Donnerstag.

    Russische Experten schätzen den gestern in Gegenwart der Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping unterzeichneten russisch-chinesischen Gasvertrag unterschiedlich ein, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Donnerstag.

    Gazprom-Chef Alexej Miller schätzte den 30-Jahres-Vertrag mit dem chinesischen Konzern CNPC auf 400 Milliarden Dollar. Eine mit dem Verlauf der Verhandlungen vertraute Quelle verriet, dass es sich um insgesamt 1,032 Billionen Kubikmeter Gas handele. Damit könnte der Durchschnittspreis bei 387 Dollar pro 1000 Kubikmeter liegen (zum Vergleich: Für Europa beträgt der Durchschnittspreis 380 Dollar). Die Quelle betonte allerdings, dass die genannte Gasmenge die Obergrenze sei, der Preis jedoch unter Berücksichtigung der Mindestmenge nach dem "Take or pay"-Prinzip berechnet worden sei.  Wie Pekings diesbezügliche Verpflichtungen aussehen, sagte er nicht.

    Für die Gaslieferungen nach China soll im Laufe der nächsten vier bzw. sechs Jahre eine neue Pipeline gebaut werden, die den Namen „Sila Sibiri“ („Sibirische Kraft“) tragen wird. Ihre maximale Kapazität (38 Milliarden Kubikmeter jährlich) soll die Leitung fünf Jahre danach erreichen. Bis dahin wird Gazprom  China mit etwa 16,4 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr versorgen.

    Vorauszahlungen für die Gaslieferungen seien in Höhe von bis zu 25 Milliarden Dollar möglich, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak. Nach seinen Worten wird ein entsprechendes Regierungsabkommen vorbereitet, das „bis Ende dieses Jahres“ unterzeichnet wird.

    „In den russischen Medien wird der russisch-chinesische Gasvertrag als großer Erfolg dargestellt, aber der Umstand, dass der Preis nicht genannt wird, macht diese Behauptungen fragwürdig“, findet der Politologe Michail Winogradow. „Im Westen wird dieser Vertrag eher als Russlands Zugeständnis an China wahrgenommen, aber nicht als Beweis, dass Russland einen vollwertigen Partner im Osten gefunden hat.“

    Ein Sprecher des Investmenthauses Renaissance Capital schätzte den Gaspreis für China ebenfalls auf 370 bis 380 Dollar pro 1000 Kubikmeter, verwies jedoch darauf, dass die neue Pipeline noch gebaut werden muss. Das bedeute, dass die Gewinne durch die Gaslieferungen gen Osten letztendlich geringer als nach Europa sind. „Falls der Export durch die „Sila Sibiri“-Pipeline langfristig nicht wächst und bei 38 Milliarden Kubikmeter bleibt, dann werden die Investitionen von 30 Milliarden Dollar in die Pipeline für Gazprom ruinierend sein“, so der Sprecher. 

    „Dieser Deal hat zwei Aspekte: einen politischen und einen wirtschaftlichen“, sagte der Direktor des Energiezentrums der Skolkovo Business School, Grigori Wygon. „Aus politischer Sicht ist dieser Vertrag ein Erfolg, denn Gazprom riskierte, zu spät auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Angesichts der mit der Ukraine verbundenen Risiken und der Position Europas ist eine Diversifizierung unserer Gaslieferungen sehr notwendig. Aus wirtschaftlicher Sicht aber ist dieses Projekt bei einem Preis von unter 450 Dollar unrentabel“, so der Branchenkenner.

    „Ein Preis von 387 Dollar ist nicht allzu niedrig, um von Russlands Bereitschaft zu einer Umorientierung nach China zu sprechen, aber auch nicht allzu hoch, um das russische Gas in langfristiger Perspektive konkurrenzunfähig zu machen“, äußerte Tatjana Mitrowa vom Institut für Energieforschungen. „Das ist ein vernünftiger Kompromiss. (…) Vieles hängt allerdings von der Ausgabenkontrolle beim Pipelinebau und von der Einhaltung der Baufristen ab“, warnte die Expertin.

     

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