21:22 04 Dezember 2016
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    Flüchtlinge aus der Ukraine: Notstand im Gebiet Rostow

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    Flüchtlingsstrom aus der Ukraine (73)
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    Immer mehr Einwohner der Ostukraine fliehen nach Russland, schreibt die Zeitung "Kommersant" in ihrer Donnerstagsausgabe.

    Im russischen Gebiet Rostow musste sogar der Notstand verhängt werden, wie Gouverneur Wassili Golubew auf Twitter mitteilte. Der Kinderrechtsbeauftragte Pawel Astakow führte an, dass im Gebiet Rostow allein gestern 7000 ukrainische Flüchtlinge eingetroffen seien. Die Situation sei „äußerst schwierig“, betonte er. „Volontäre und Vertreter von Gesellschaftsorganisationen bringen Einwohner aus den umkämpften Städten Slawjansk, Kramatorsk (beide Städte liegen im Gebiet Donezk), Lugansk und Donezk.“

    Nach seinen Worten hat Astachow den Vorsitzenden des russischen Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, aufgerufen, Untersuchungsrichter nach Rostow am Don zu entsenden. Das Ermittlungskomitee teilte mit, dass ein Ermittlungsverfahren wegen „Menschenrechtsverbrechen im Südosten der Ukraine“ eingeleitet worden sei.

    Einen Teil der ukrainischen Zwangsumsiedler haben die Behörden des Gebietes Rostow vorläufig in den Ferienlagern „Dmitriadowski“ und „Pioner“ untergebracht, die insgesamt 550 Personen Platz bieten. Das regionale Zentrum des Zivilschutzministeriums hat darüber hinaus drei Zeltlager für jeweils 50 Personen errichtet. Die Flüchtlinge würden dort mit Lebensmitteln und Bedarfsgütern versorgt, versicherte ein Sprecher. Zudem bestehe für sie die Möglichkeit, sich als Zuwanderer registrieren zu lassen.

    Der freiwillige Helfer Wjatscheslaw Ratkowski teilte mit, dass die Flüchtlingswelle seit Ende der vorigen Woche stark zugenommen habe. „Seit Samstag haben wir gemeinsam mit unseren Behörden den Transport und die Unterbringung von mehr als 50 Ukrainern organisiert. Sie kommen mit Bussen und Sammeltaxis hierher. Ich werde jeden Tag von Einheimischen angesprochen, die Ukrainer beherbergen wollen.“

    Die Flüchtlinge selbst beklagen sich über die ständigen Bombenangriffe und die ausbleibende Hilfe seitens der ukrainischen Behörden. „Wir können uns nicht mehr immer wieder auf den Boden legen, wenn die Stadt beschossen und bombardiert wird“, so Olga aus Slawjansk. „Mein Haus wurde zerstört, und ich kann nicht mehr (in die Ukraine) zurückkehren.“

    Viele Flüchtlinge erhalten private Einladungen aus russischen Städten, darunter Krasnodar, Irkutsk, St. Petersburg und Rostow am Don.

    Die Einwanderungsbehörde führte an, dass per 3. Juni mehr als 4000 ukrainische Bürger Exil in Russland beantragt haben. Weitere Anträge wurden jedoch abgelehnt.

    Im russischen Büro des UN-Flüchtlingshochkommissars wurde die Auskunft gegeben, dass die russische Einwanderungsbehörde „nur zehn bis elf Prozent aller Anträge“ stattgebe. Ein Sprecher schloss allerdings nicht aus, dass sich die Position der russischen Behörden „angesichts der schwierigen politischen Situation in der Ukraine“ ändern könnte.

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