03:26 26 März 2017
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    Verwandelt sich der Irak in ein zweites Syrien?

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    Eskalation im Irak (82)
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    Im Irak könnte sich das so genannte „syrische Szenario“ wiederholen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Dienstag.

    Im Irak könnte sich das so genannte „syrische Szenario“ wiederholen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Dienstag.

    Nach den jüngsten Aktivitäten der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) ist das Land de facto in drei Teile gespalten: den schiitischen Süden, das sunnitische Zentrum und den kurdischen Norden.

    Die radikalen Sunniten haben sieben wichtige Städte, darunter die zweitgrößte Stadt Mossul und die Heimatstadt Saddam Husseins, Tikrit, unter Kontrolle genommen und befinden sich inzwischen auf dem Weg nach Bagdad.

    Dass die Hauptstadt unter dem Druck der al-Qaida-nahen Terroristen steht, hat der jüngste Terroranschlag in Bagdad gezeigt, als ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee eine Bombe zündete.

    Die irakische Regierung hat eine allgemeine Mobilmachung ausgerufen, aber auch diese nützt nichts. Die Behörden verkündeten, nahezu 300 radikale Kämpfer getötet und mehrere Gebiete um Bagdad von ihnen befreit zu haben. Die Zahl der Radikalen wird jedoch zunehmend größer, weil viele aus der Haft entlassen worden waren. Die irakischen Behörden mussten einräumen, dass allein in Mossul etwa 1400 Häftlinge auf einmal freigelassen wurden. Viele von ihnen sollen sich den Sunniten angeschlossen haben.

    Der Islamische Staat im Irak und der Levante ist als ehemaliger Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida bekannt. Seit zwei Jahren kämpfen die Radikalen in Syrien gegen die gemäßigte Opposition.

    Derzeit kommt es zu Gefechten zwischen der irakischen Armee und den radikalen Sunniten wenige Kilometer von der Grenze zu Syrien, weshalb die ISIS-Kämpfer jederzeit Unterstützung bekommen könnten.

    Eine Wiederholung des syrischen Szenarios im Irak befürchtet man im Iran, der die irakischen Schiiten unterstützt. Präsident Hassan Rouhani schloss auch militärische Hilfe im Kampf gegen die „sunnitischen Rebellen“ nicht aus. Er betonte allerdings, dass dies seine eigene Initiative sei und Bagdad keine Hilfe beantragt habe.

    Einer anderen Meinung ist man dagegen in Saudi-Arabien, das bis zuletzt die Islamisten in Syrien unterstützte. Riad warf dem irakischen Premier Nuri al-Maliki vor, „einen Krieg geschürt, sich die Macht angeeignet und das Land gespalten“ zu haben.

    Ähnlich äußerte sich auch der katarische Außenminister Khalid bin Muhamed al-Attiyah, der beteuerte, dass die ISIS-Radikalen keine Finanzhilfe von seinem Land erhalten.

    In Bagdad glaubt man diesen Beteuerungen jedoch nicht und wirft beiden Ländern die Unterstützung der radikalen Sunniten vor.

    Der frühere Syrien-Beauftragte der UNO und der Arabischen Liga Lahdar Brahimi führte die jüngsten Ereignisse im Irak auf die Passivität der Weltgemeinschaft bezüglich des Syrien-Konflikts zurück, der „nicht innerhalb nur eines Landes wüten kann“. Ähnlich formulierte es auch die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton. „Ich bin nie der Ansicht gewesen, dass die Ereignisse in Syrien das Problem nur der Syrer selbst wären“, betonte sie.

    Die Gegner von US-Präsident Barack Obama halten die Eskalation im Irak für eine Folge der Fehlentscheidungen des Weißen Hauses, das auf Waffenlieferungen an die gemäßigten Oppositionellen in Syrien verzichtet hat.

    Obama selbst gab zu verstehen, dass Washington sich in einen neuen „Befreiungskrieg“ im Irak auf keinen Fall einmischen und auch keine Soldaten dorthin schicken werde. Später wurde allerdings bekannt, dass der US-Flugzeugträger „George Bush“ die Golf-Region kontrollieren soll und dass amerikanische und britische Spezialeinheiten in den Irak entsendet werden könnten.

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