07:17 17 Dezember 2017
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    Moskau ist die zweitteuerste Stadt für Ausländer

    Russland braucht den Schulterschluss abseits des Westens

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    Sanktionen gegen Russland (857)
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    Die Ukraine-Krise wird die internationale Gemeinschaft wohl noch länger beschäftigen und sich negativ auf die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen auswirken, schreibt der russische Politologe Fjodor Lukjanow in der „Rossijskaja Gaseta“ vom Mittwoch.

    Die Ukraine-Krise wird die internationale Gemeinschaft wohl noch länger beschäftigen und sich negativ auf die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen auswirken, schreibt der russische Politologe Fjodor Lukjanow in der „Rossijskaja Gaseta“ vom Mittwoch.

    Selbst wenn sich die Lage in der Ukraine stabilisieren sollte, werden die Beziehungen nicht mehr wie früher sein.

    Mitte der 1990er-Jahre war Moskau bereit, nahezu unter jeder Bedingung einem internationalen Klub beizutreten. Seit Anfang der 2000er-Jahre definiert der Kreml deutlichere Kriterien und hat größere Ansprüche. Doch das Ziel hat sich nicht geändert. Dadurch unterscheidet sich das  postsowjetische Russland von der Sowjetunion, die sich keinem „Klub“ anschließen wollte, in dem ihre Beteiligung nicht zum festen Bestandteil gehörte.

    Russlands heutige Haltung zur Beteiligung an internationalen Institutionen ähnelt stark dem sowjetischen Prinzip: Entweder sind wir ein eigenes Machtzentrum bzw. „Anziehungspol“ (was natürlich optimal ist) oder wir stellen zusammen mit anderen gleichberechtigte Regeln auf.

    Dies schließt Integrationsprojekte mit dem Westen aus, der ein anderes Modell anwendet: Es gibt bestimmte Richtlinien, denen sich jeder auf Wunsch anschließen kann. Weder die USA noch die EU sind bereit, Verhandlungen auf gleichberechtigter Grundlage zu führen.

    Russland muss nach Partnern für eine engere Kooperation in der „nichtwestlichen Welt“ suchen. Welche der beiden Varianten (Zentrum oder gleichberechtigter Partner) ist aussichtsreicher für das heutige Russland?

    Moskau könnte zwar ein „Anziehungspol“ sein, doch die Möglichkeiten sind eingeschränkt. Russland hat immer noch Vorteile im postsowjetischen Raum. Auch die Tragödie der Ukraine zeigt, dass sich der Westen seit mehr als 25 Jahren schwer damit tut, das Land aus dem russischen Einflussbereich herauszulösen. Auch Russland fällt es schwer, sich den neuen Bedingungen anzupassen.

    Für Russland ist das Zusammenwirken mit China wichtig. Die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), die einflussreichste Organisation in Zentralasien, könnte angesichts der geopolitischen Wandlungen ihr eigenes symbolisches Kapital stärken. Seit langem wird über die Aufnahme Indiens und Pakistans diskutiert, doch China hatte sich lange Zeit dagegen gesperrt. Mittlerweile zeigt Peking angesichts des zunehmenden Wettbewerbs mit den USA in Ostasien mehr Flexibilität bei den Gesprächen über den Beitritt dieser beider Länder.

    Sollte die SOZ erweitert werden, wird es eine ernsthafte und diversifizierte Organisation geben, die über einzigartige Möglichkeiten in einer an Bedeutung zunehmenden Region verfügt. Im Falle erfolgreicher Atom-Verhandlungen  und der Aufhebung der UN-Sanktionen würden die Hindernisse für einen SOZ-Beitritt des bislang mit einem Beobachterstatus ausgestatteten Irans weggeräumt werden.

    Die Projekte zum Aufbau einer Eurasischen Wirtschaftsunion und einer chinesischen Sonderwirtschaftszone an der neuen Seidenstraße werfen viele Fragen auf. Beide Projekte haben ihre Vor- und Nachteile für Zentralasien. Doch wenn man ernsthaft über Russlands Schwenk nach Asien spricht, muss auch nach Wegen zur Kooperation mit konkurrierenden Wirtschaftsprojekten der Länder gesucht werden, die geopolitisch Russland freundlich gesinnt sind. Die Beziehungen der USA und der EU zeigen, dass das möglich ist.

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