07:50 15 Dezember 2018
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    Berlins Nibelungentreue

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    Die Deutschen waren immer stolz darauf, dass sie unabhängig von den Umständen unerschütterlich treu sein können. Diese Nibelungentreue ist typisch für die Deutschen in Zeiten schwerer nationaler Prüfungen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Die Deutschen waren immer stolz darauf, dass sie unabhängig von den Umständen unerschütterlich treu sein können. Diese Nibelungentreue ist typisch für die Deutschen in Zeiten schwerer nationaler Prüfungen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Nach dem Desaster im Zweiten Weltkrieg und der Wiedervereinigung kamen die Deutschen zu dem Schluss, dass nur eine unerschütterliche Treue zu den USA sie vor künftigen Katastrophen schützen kann. Dass Moskau bei der Wiedervereinigung Deutschlands eine entscheidende Rolle spielte, wird gerne vergessen. Während die USA Russland als Reich des Bösen betrachten, sehen die Deutschen es als ihre Pflicht an, Washington zu unterstützen und dem Riesen im Osten möglichst stark zu schaden. Die Treue zu den USA wiegt anscheinend mehr.

    Trotz der Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden glauben die Regierenden in Berlin weiter an die Unschuld des US-Präsidenten Barack Obama. Der US-Geheimdienst überwachte das Privat-Handy der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Kein Problem! Hat Merkel etwas vor dem wichtigsten Verbündeten zu verheimlichen?

    Zwei Vorfälle stellten die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA auf eine harte Belastungsprobe. Zufällig kam heraus, dass ein BND-Mitarbeiter für die USA spionierte. Ein anderer Verräter wurde im Deutschen Verteidigungsministerium gefunden. Viele Deutsche waren überrascht. Auch der proamerikanische Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich beunruhigt über den Spionagefall beim Bundesnachrichtendienst (BND). Es sei ein Spiel mit Freundschaft, mit enger Verbundenheit. „Dann ist ja nun wirklich zu sagen: Jetzt reicht's auch einmal“, so Gauck.

    Der am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnete Zwei-plus-Vier-Vertrag hob alle Beschränkungen für das wiedervereinigte Deutschland auf. Deutschland bekam seine völlige innenpolitische und außenpolitische Souveränität zurück. Doch die Amerikaner denken offenbar immer noch in den Kategorien des Kalten Kriegs und agieren in Deutschland nach eigenem Gutdünken. Zudem verstärkten die US-Geheimdienste nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ihre Aktivitäten.

    In Deutschland wagt es niemand, auf den US-Affront zu reagieren. Als der damalige  Bundeskanzler Gerhard Schröder im März 2003 sich weigerte, sich an der US-Intervention im Irak zu beteiligen, war er in Washington kein gern gesehener Gast. Geschadet hat es Deutschland nicht. An den Händen der Deutschen klebt kein Blut der Iraker.

    Auch in der Ukraine fördern die USA Prozesse, die das Land ins Verderben stürzen können. Es werden Städte und Menschen „vernichtet“, die den Staatsstreich nicht unterstützen wollten. Für die Deutschen kommt jetzt wieder die Stunde der Wahrheit. Anzeichen der Missachtung gegenüber Deutschland tauchten während der Ukraine-Krise auf. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier trat am 21. Februar als Garant der Abkommen zwischen dem damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und der Opposition auf. Nach dessen Entmachtung schlug dem deutschen Chefdiplomaten viel Spott entgegen. Deutschland beteiligt sich aktiv an der Vorbereitung neuer Sanktionen mit Unterstützung der USA, obwohl Russlands Politik weder die europäischen noch die deutschen Interessen tangiert. Die deutsche Regierung sollte vielleicht mehr Respekt gegenüber sich einfordern, darunter ein vernünftiges Vorgehen bei außenpolitischen Entscheidungen.

     

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