08:12 09 Juli 2020
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    China eröffnet einen großen Lebensmittelumschlagplatz im Gebiet Dongning an der russischen Grenze, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Dienstag.

    China eröffnet einen großen Lebensmittelumschlagplatz im Gebiet Dongning an der russischen Grenze, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Dienstag. Dadurch könnte die Lebensmittelkontrolle vor dem Export nach Russland beschleunigt und der Export selbst ausgeweitet werden.

    Experten betonen die große Bedeutung dieses logistischen Zentrums vor allem im Zusammenhang mit dem russischen Einfuhrverbot für Lebensmittel aus den USA, der EU und mehreren anderen Ländern.

    „Es wurde schon seit vielen Jahren davon gesprochen, dass der Lebensmittelimport durch eigene Produkte ersetzt werden sollte, weil der Umfang des Imports Russlands Unabhängigkeit von Lebensmittellieferungen in Frage stellt“, sagte Expertin Elmira Krylatych von der Russischen Akademie der Volkswirtschaft. Laut dem Landwirtschaftsministerium entfielen 2013 etwa 42 Prozent des gesamten Imports (43,1 Milliarden Euro) auf die EU, wobei Russlands Export in diese Länder bei nur 16 Milliarden Dollar lag. Jedes Jahr importiert Russland allein Obst und Gemüse im Wert von einer Milliarde Euro. Zudem werden nach Russland 15 Prozent Milch, 37 Prozent Fleisch, bis zu 30 Prozent Obst und Gemüse, 39 Prozent fertige Fleisch- und Fischprodukte und 31 Prozent Butter exportiert. Angesichts dessen ist es kein Wunder, dass die EU das von Moskau verhängte Lebensmittel-Importverbot in der Welthandelsorganisation (WTO) anfechten will, denn in kurzfristiger Perspektive ist das ein herber Schlag für die Europäer.

    Die Russen fürchten leere Supermarktregale. Die Behörden beteuern jedoch, dass es keinen Mangel an Lebensmitteln geben wird. „Das Potenzial des russischen Agrarindustriekomplexes ist sehr groß und in der Lage, den nationalen Markt zu sättigen“, sagte Expertin Krylatych. „Dennoch erreichen derzeit 25 bis 30 Prozent der Produkte nicht den russischen Verbraucher, und zwar wegen der schlechten Logistik.“ Die jüngsten Schritte der Regierung würden aber davon zeugen, „dass der Import vor allem dank eigener Reserven ersetzt werden sollte. Erst dann geht es um eine Diversifizierung von Lieferungen aus anderen Ländern.“

    Ein Preisanstieg lässt sich jedoch nicht vermeiden, und zwar nicht nur wegen des geringeren Angebots, sondern weil viele russische Hersteller ohne den Druck der Importeure die Preise erhöhen werden. Um das zu verhindern, schlägt das Landwirtschaftsministerium den Produzenten ein Abkommen über gemeinsame Preispolitik vor. Russlands Kartellwächter wollen Maßnahmen ergreifen, um die aktuellen Lebensmittelpreise aufrechtzuerhalten. Ein entsprechender Plan soll am 13. August ausführlich besprochen werden.

    Russlands Einfuhrverbot für Lebensmittel gilt für ein Jahr. In drei Monaten soll die Marktkonjunktur analysiert werden, weshalb Korrekturen vorgenommen werden könnten. So ist nicht auszuschließen, dass Russland und der Westen ihre Sanktionen mildern.

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