19:24 16 Oktober 2018
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    Geopolitik verschärft Wachstumsflaute in der Eurozone

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    Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone stagniert weiterhin, stellt die Zeitung "RBC Daily" am Freitag fest.

    Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone stagniert weiterhin, stellt die Zeitung "RBC Daily" am Freitag fest.

    In Deutschland, das die Eurozone im vorigen Jahr aus der längsten Rezession in ihrer Geschichte geführt hatte, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um nur 0,7 (gegenüber der früheren Prognose von 0,8 Prozent) gewachsen. Der deutsche Statistikdienst Destatis führt den Rückgang im zweiten Vierteljahr unter anderem auf das wegen des relativ warmen Winters erfolgreiche erste Quartal zurück. Ein weiterer Faktor sei das enorm intensive Importwachstum gewesen.

    Experten der Deutschen Bank verwiesen zudem auf die geopolitische Krise in der Ukraine und die damit verbundenen Spannungen mit Russland. Der deutsche Export reagiert besonders empfindlich auf den Zustand der russischen Wirtschaft: Den Experten der Deutschen Bank zufolge hatte ein Rückgang des russischen BIP um ein Prozent immer einen Rückgang des deutschen Exports nach Russland um 3,5 Prozent zur Folge.

    Bundesbank-Chef Jens Weidmann sagte aber in dieser Woche in einem Interview für Phoenix TV, dass an der Wachstumsprognose für dieses und kommendes Jahr (jeweils um 1,9 und zwei Prozent) festgehalten werde.

    Auch aus Frankreich kommen nicht gerade erfreuliche Nachrichten: Gestern wurde bekannt, dass das BIP im zweiten Vierteljahr wider Erwarten nicht einmal um 0,1 Prozent gewachsen ist. Schon seit zwei Quartalen wurde kein Wachstum verzeichnet. Frankreichs Wirtschaftsminister Michel Sapin schrieb in einem Beitrag für die gestrige Ausgabe der „Le Monde“, die bestehenden Wirtschafts- und Finanzprobleme des Landes müssten akzeptiert werden. Die Franzosen sollten nach seinen Worten „nicht auf etwas hoffen, was es nicht gibt“. Zugleich geht er davon aus, dass Frankreichs BIP in diesem Jahr bestenfalls um 0,5 Prozent wachsen könnte. Sapin betonte, dass es derzeit keinen Grund gebe, zu erwarten, dass das BIP 2015 um mehr als ein Prozent wachsen würde. Zuvor hatte die Regierung ein Wachstum um ein Prozent in diesem Jahr und um 1,7 Prozent 2015 vorausgesagt.

    In Italien ist das BIP im zweiten Vierteljahr um 0,2 Prozent zurückgegangen (im ersten lag der Rückgang bei 0,1 Prozent). Laut Regierungsprognose wird das BIP am Ende des Jahres allerdings um 0,8 Prozent wachsen. Die Zentralbank und der Nationale Unternehmerverband sind jedoch zurückhaltend und erwarten ein Wachstum von höchstens 0,2 Prozent.

    Das alles hat Folgen für die europäische Wirtschaft. Laut Eurostat ist das BIP der Eurozone im zweiten Quartal gegenüber dem ersten nicht gewachsen. Im Jahresvergleich lag das Wachstum bei 0,2 Prozent (0,8 Prozent im ersten Quartal). Gleichzeitig sei der Preisanstieg in den letzten drei Monaten der niedrigste seit fünf Jahren. Die Inflationsrate in den 18 Ländern der Eurozone belief sich in diesem Zeitraum auf nur 0,4 Prozent (die niedrigste Zahl seit Oktober 2005). Damit muss die EZB die europäische Wirtschaft stimulieren, um eine Deflation zu verhindern.

    Die wirtschaftliche Erholung der Eurozone sei zu instabil und äußeren Erschütterungen ausgesetzt, stellte der ING-Ökonom Peter Vanden Houte in einem Interview für die Zeitung "Wall Street Journal" fest. Er zweifle daran, dass die europäische Wirtschaft in diesem Jahr um ein Prozent wachsen könnte. Im zweiten Halbjahr könnte das Wachstumstempo zwar an Intensität gewinnen, aber die aktuellen geopolitischen Spannungen machen das unwahrscheinlich.

    Von der Krise mit Russland sind am härtesten mittel- und osteuropäische Länder betroffen. Polens BIP ist beispielsweise im zweiten Vierteljahr um lediglich 0,6 Prozent im Vergleich zum ersten gewachsen (zwischen Januar und März lag das Wachstum bei 1,1 Prozent). „Polen ist eines der Länder, die unter den russischen Sanktionen am stärksten leiden“, wurde der Chefökonom von Societe Generale in Polen, Jaroslaw Janecki, von Bloomberg zitiert.

    In Tschechien ist das BIP zwischen April und Juni um 0,2 Prozent gesunken (nach dem Wachstum um 0,4 Prozent im ersten Vierteljahr). In Ungarn schrumpfte das Wachstum von 1,1 Prozent auf 0,8 Prozent.

    Die baltischen Länder, für die Russlands Importverbot für europäische Lebensmittel besonders schmerzhaft werden dürfte, haben im zweiten Quartal ein gutes Wachstum hingelegt. In Estland belief sich das Wachstum auf 0,5 Prozent, in Litauen und Lettland auf jeweils 0,7 und 1,0 Prozent.

    Finnlands Wirtschaft ist zum ersten Mal seit dem dritten Vierteljahr 2013 gewachsen, und zwar um 0,1 Prozent.

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