21:15 21 Oktober 2018
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    Trotz Verbot: Gefühlte Rassentrennung in den USA

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    1964 wurde die Rassentrennung in den USA offiziell abgeschafft. Seitdem sind 50 Jahre vergangen, doch noch heute grenzen sich viele Weiße ab, schreibt die "Rossijskaja Gaseta" am Dienstag.

    1964 wurde die Rassentrennung in den USA offiziell abgeschafft. Seitdem sind 50 Jahre vergangen, doch noch heute grenzen sich viele Weiße ab, schreibt die "Rossijskaja Gaseta" am Dienstag.

    Obwohl die Rassentrennung seit 50 Jahren als abgeschafft gilt, grenzen sich viele weiße Amerikaner bewusst von den schwarzen ab. Exemplarisch steht dafür Baton Rouge (Bundesstaat Louisiana) laut einem Bericht der britischen Zeitung „The Independent“. Mit der Bevölkerungszahl von 227 000 Einwohnern ist das eine relativ kleine und arme Stadt mit hoher Kriminalität und einem schlechten Bildungssystem.

    Die wohlhabenden Stadtviertel im Süden von Baton Rouge, in denen 70 Prozent der Einwohner Weiße sind, wollen sich abgrenzen und eine eigene Stadt (St. Georg) gründen. Wegen der hohen Kriminalitätsrate sorgen sie sich um die Sicherheit ihrer Kinder.

    Den Vorwürfen, die Fortschritte bei der Bekämpfung der Rassentrennung zunichte zu machen, entgegnet Lionel Rainey, Vorsitzender der Bürgerinitiative: „Während des Kampfes für die Bürgerrechte und die Abschaffung der Rassentrennung war ich nicht einmal auf der Welt. Das war eine schreckliche Zeit, und ich habe damit nichts zu tun. Aber ich kann versuchen, die Gegenwart schöner zu gestalten.“

    Die Spaltung von Baton Rouge wäre ein Präzedenzfall für viele andere Städte, vor allem in den südlichen US-Bundesstaaten. In Alabama, Georgia, Texas und Tennessee gibt es genügend Beispiele dafür, dass sich wohlhabende, „weiße“ Stadtviertel von ärmeren, ethnisch vielfältigen abschotten.

    So trat die Stadt Gardendale (Jefferson County, Bundesstaat Alabama) nach einem Bürgerentscheid aus dem Schulbezirk Jeffersons aus. 88 Prozent der Einwohner Gardendales sind Weiße, in Jefferson sind fast 50 Prozent der Einwohner Schwarze. Auch im Bundesstaat Georgia erreichten in den vergangenen zehn Jahren sechs Vororte von Atlantas mit überwiegend weißer Bevölkerung einen autonomen Status. Als Begründung wurden die sozialen Probleme in den „schwarzen“ Stadtvierteln genannt.

    Weil viele wohlhabende Familien ihre Kinder nicht in Klassen schicken wollen, in denen Schüler aus sozialen Brennpunkten lernen, wollen sie sich abspalten. Auf den ersten Blick geht es dabei um eine Trennung zwischen Arm und Reich. Die Realität sieht aber so aus, dass die Weißen in den USA deutlich wohlhabender als Schwarze sind. Die Afroamerikaner verdienen 25 bzw. 30 Prozent weniger und haben es schwerer, an eine gute Ausbildung und medizinische Versorgung zu kommen. Auch die Kriminalitätsrate unter ihnen ist wesentlich höher.

     

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