04:45 21 August 2017
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    Oligarch unter Hausarrest: Was hat Jewtuschenkow falsch gemacht?

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    Die Festnahme des Gründers und Aufsichtsratschefs der Finanz- und Industriegruppe AFK Sistema, Wladimir Jewtuschenkow, am Dienstagabend hat für großes Aufsehen in Russland und im Ausland gesorgt, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" in ihrer Donnerstagausgabe.

    Die Festnahme des Gründers und Aufsichtsratschefs der Finanz- und Industriegruppe AFK Sistema, Wladimir Jewtuschenkow, am Dienstagabend hat für großes Aufsehen in Russland und im Ausland gesorgt, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" in ihrer Donnerstagausgabe.

    Das russische Ermittlungskomitee beschuldigt den unter Hausarrest stehenden Großunternehmer der Geldwäsche. Zudem sollen Wertpapiere der Ölgesellschaft Bashneft gestohlen und legalisiert worden sein. Jewtuschenkos Vermögen wird auf neun Milliarden Dollar geschätzt.

    Vertreter des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes (russ. Abk.: RSPP) halten die Anschuldigungen gegen den Sistema-Chef, der im Vorstand des Verbandes sitzt, für „politisch motiviert“. RSPP-Präsident Alexander Schochin verglich die Situation um AFK Sistema mit dem „zweiten Yukos-Fall“. Nach seiner Meinung verschlechtern die Aktivitäten des Ermittlungskomitees das Investitionsklima in Russland. Dieser Auffassung stimmte auch Rosnano-Chef Anatoli Tschubais zu. „Wie kann man behaupten, Jewtuschenkow hätte Geld gewaschen und stünde in Verbindung mit der Privatisierung von Bashneft, wenn er damit gar nichts zu tun hatte?“, so Tschubais.

    Jewtuschenkow hatte gegenüber der Nachrichtenagentur RBC bestätigt, dass er zu einer Vernehmung im Zuge der Ermittlungen gegen den Sohn des früheren Oberhaupts der Teilrepublik Baschkirien, Ural Rachimow, vorgeladen worden war. Nach seinen Worten geht es um  Ermittlungen zur Bashneft-Privatisierung in den späten 1990er-Jahren.

    In der vergangenen Woche wurde der Unternehmer und Investor Lewon Airapetjan, der zu den zehn reichsten Armeniern der Welt gehört, festgenommen. Dem Ermittlungskomitee zufolge gehört er zu Rachimows Mitstreitern. Rachimow selbst hält sich derzeit in Österreich auf.

    Jewtuschenkow beteuert seine Unschuld und spricht von einem Versuch zur feindlichen Übernahme von Bashneft.

    Der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski vermutete in einem Interview mit RBC, dass hinter dem Ermittlungskomitee der staatliche Ölkonzern Rosneft stehe, der sich Bashneft einverleiben wolle. Nach seinen Worten könnte Jewtuschenkow ein Übernahmeangebot abgelehnt haben, wofür er jetzt büßen müsse. Dennoch sieht Chodorkowski einen großen Unterschied zwischen der Situation um Jewtuschenkow und dem Fall Yukos. „Dem Fall Yukos lag eher ein gesellschaftspolitischer Konflikt zugrunde. Jetzt geht es aber um rein kommerzielle Interessen“, so Chodorkowski. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass Jewtuschenkow mit den Ermittlern kooperieren müsse, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

    Rosnefts Sprecher Michail Leontjew wies Chodorkowskis Behauptungen strikt zurück. „Von dem angeblichen Interesse Rosnefts an Bashneft hatte ursprünglich die Zeitung "Wedomosti" berichtet. Das war aber eine Lüge. Wir hatten kein Interesse an diesem Unternehmen und haben auch keine Verhandlungen geführt“, betonte der Unternehmenssprecher.

    Präsident Putins Sprecher Dmitri Peskow erklärte, die Situation um Jewtuschenkow habe nichts mit Politik zu tun.

    Quellen behaupten allerdings, dass Jewtuschenkow unter Präsident Dmitri Medwedew die Konsolidierung der Aktiva aus der Öl- und Gasbranche mit Zustimmung des Kremls begonnen habe.

    Einige Experten schließen nicht aus, dass Jewtuschenkow festgenommen worden ist, weil er einen Börsengang mit Bashneft in London ohne Absprache mit dem Kreml plante.