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    USA gegen IS: Gefangen im islamischen Glaubenskrieg

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    Terrorgruppierung Islamischer Staat (498)
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    Die USA stecken im Kampf gegen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) in einem Dilemma, schreibt der russische Nahost-Experte Georgi Mirski in der Dienstagausgabe der "Nesawissimaja Gaseta".

    Die USA stecken im Kampf gegen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) in einem Dilemma, schreibt der russische Nahost-Experte Georgi Mirski in der Dienstagausgabe der "Nesawissimaja Gaseta".

    Ihm zufolge muss bei der Beurteilung der Ereignisse im Irak und in Syrien die seit 1500 Jahren andauernde Konfrontation zwischen den Sunniten und den Schiiten berücksichtigt werden.

    Die Gegner von US-Präsident Barack Obama werfen ihm vor, die Militäraktionen gegen die IS-Kämpfer zu spät gestartet zu haben. Obama hatte jedoch Gründe für sein Zögern. Hätte er unmittelbar nach der Eroberung der irakischen Stadt Mosul durch die Dschihadisten eingegriffen, dann hätten ihn sowohl die Öffentlichkeit in Amerika als auch die Sunniten im Irak an den Pranger gestellt.

    Die USA intervenierten erst, als die Dschihadisten das Irakische Kurdistan angriffen, weil die Kurden im Grunde die einzig echten Verbündeten Washingtons im gesamten Nahen Osten sind. De facto sind die Amerikaner in einen neuen Krieg eingetreten: zunächst im Irak und anschließend zwangsweise in Syrien als Aufmarschgebiet der militanten Islamisten.

    Die USA müssen diesen Krieg gewinnen. Das Problem ist aber, dass sie sehr vorsichtig vorgehen müssen. Denn die Luftschläge sind zwar effizient, dennoch sind Todesopfer unter Zivilisten möglich, was den sunnitischen Gotteskriegern und ihrer antiamerikanischen Propaganda in die Karten spielen würde.

    Ein weiteres Problem ist, dass in 20 der 21 arabischen Länder überwiegend Sunniten leben. Es ist unwahrscheinlich, dass sunnitische Soldaten gegen sunnitische Dschihadisten kämpfen, deren Propaganda behaupten würde, dass alle Sunniten dem „verdammten Dreierbündnis“ aus Amerikanern, Schiiten und Zionisten Widerstand leisten müssen.

    Theoretisch könnten die Amerikaner den Iran um Hilfe bitten, dessen Armee durchaus in der Lage ist, die IS-Kämpfer aufzuhalten. Dies könnte jedoch den Anschein einer „großen Front gegen die Sunniten“ erwecken, so dass sich die arabischen Volksmassen gegen die USA erheben könnten.

    In Syrien ist die Situation noch verwirrender als im Irak, weil  Präsident Baschar al-Assad trotz seines Kampfes gegen IS als Feind Amerikas gilt.

    Assad folgt einem nüchternen Kalkül: Wer bzw. was für ihn am gefährlichsten ist. Sollten die militanten Islamisten durch ihr Kalifat tatsächlich an Macht gewinnen, sind die Tage der Alawiten (sprich Schiiten) in Syrien gezählt. Denn die Hauptstadt des Kalifats soll in Damaskus liegen – genauso wie vor vielen Hunderten Jahren. In diesem Fall würde Assad das gleiche Schicksal wie Muammar al-Gaddafi in Libyen ereilen.

    Die Amerikaner haben aber nichts gegen Assad persönlich einzuwenden: Sie wollten ihn vor allem als Verbündeten Irans stürzen. Bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm wurden zuletzt wichtige Fortschritte erreicht. Vieles deutet darauf hin, dass die früheren Erzfeinde ein Zwangsbündnis gegen IS eingehen.

    Es gibt aber auch die sunnitischen Großmächte (zugleich Washingtons Verbündete) Türkei und Saudi-Arabien, für die es wichtig ist, nicht nur IS zu eliminieren, sondern auch die Schiiten in Damaskus zu stürzen. Die Türkei könnte ihre Truppen in den Kampf gegen IS nach Syrien schicken, dabei aber auch Assad entmachten. Dadurch entsteht jedoch die Gefahr, dass es zwar nicht zu einem religiösen, aber zu einem nationalen Kampf der Syrer gegen die Türken kommt, besonders wenn man bedenkt, dass Syrien jahrhundertelang dem Osmanischen Reich angehörte.

    Eine offene Unterstützung mit der Entsendung von Truppen im Kampf gegen IS im Irak kann sich der Iran nicht erlauben, weil dies die These der sunnitischen Extremisten von der „Kooperation der USA und der Schiiten“ bestätigen würde. Zudem gibt es in beiden Ländern immer noch viele Veteranen des iranisch-irakischen Kriegs der 1980er-Jahre.

    Es sieht ganz danach aus, dass die IS-Dschihadisten im Grunde niemanden bzw. nichts zu befürchten haben und weiterhin  absolut unschuldige Menschen enthaupten.

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