00:05 23 November 2019
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    Nationalbank der Ukraine

    Ukrainische Wirtschaft schlittert noch tiefer in die Krise

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    Regelung der Krise in der Ukraine (2436)
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    Mit den westlichen Krediten kann die Regierung in Kiew nur ihre alten Schulden begleichen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Mit den westlichen Krediten kann die Regierung in Kiew nur ihre alten Schulden begleichen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Die ukrainische Nationalbank teilte in dieser Woche mit, dass der Wirtschaftsrückgang zum Jahresende größer sein wird als prognostiziert. Im Sommer ging man in Kiew noch von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um sechs bis 6,5 Prozent aus. Mittlerweile rechnet man mit 8,3 Prozent. Es wird erwartet, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für die Ukraine nach unten korrigiert. Internationale Experten zufolge steht die ukrainische Wirtschaft vor dem Kollaps.

    Diese Befürchtungen zeigen bereits Wirkung bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit der Ukraine: CCC (S&P und Fitch) und Caa3 (Moody‘s). Die Prognosen verschlechterten sich im August, als die ukrainischen Außenschulden mehr als 60 Prozent vom BIP ausmachten. Experten zufolge kümmert sich der IWF als der größte Kreditgeber nicht um die Rettung der ukrainischen Wirtschaft, sondern um seine eigenen Interessen.

    Laut dem ukrainischen Analysten Alexander Ochrimenko konnte Kiew mit der ersten Tranche eines Kredits von 17 Milliarden US-Dollar einen Teil seiner Schulden gegenüber dem IWF begleichen. Im September erhielt Kiew eine zweite Tranche (1,4 Milliarden Dollar), muss aber bis Jahresende weitere 1,2 Milliarden Dollar an den IWF zahlen.

    Nach der Abzahlung der alten Darlehen stehen der ukrainischen Regierung Kreditgelder in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar zur Verfügung (Stand 1. September). Gleichzeitig wuchsen die Außenschulden der Ukraine um 2,825 Milliarden Dollar. Es habe sich herausgestellt, dass die Ukraine nach der Tilgung aller Schulden bei den US- und EU-Geldgebern noch höher in der Kreide stehe. Als Finanzhilfen könne dies nicht bezeichnet werden, so Ochrimenko.

    Zudem gingen die Investitionen in das Land nahezu um das Sechsfache auf 600 Millionen Dollar in diesem Jahr zurück. Investoren ziehen ihr Kapital aus der Ukraine ab. „Die Investoren mögen Ruhe und Stabilität. Sie interessieren sich nicht dafür, in welcher Farbe die Zäune gestrichen sind und welche Flaggen dort hängen“.

    Auch der ukrainischen Industrie geht es schlecht. Vom Januar bis August lag der Rückgang bei 7,8 Prozent. Im Juli sanken die industriellen Kennzahlen im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres um 12,1 Prozent und im August (im Vergleich zum August 2013) – um 21,4 Prozent.

    Der ukrainische Export schrumpfte in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 8,4 Prozent. Experten zufolge hängt das mit dem Verlust der russischen Märkte und der Zerstörung der Wirtschaft im Donezbecken zu 50 bis 80 Prozent zusammen. Der Import ist im selben Zeitraum um 22,4 Prozent zurückgegangen – vor allem wegen der seit Juni eingestellten russischen Gaslieferungen.

    Unter den Wirtschaftsproblemen leidet vor allem die Bevölkerung. Wie der Abgeordnete der Partei der Regionen Nestor Schufritsch in der Obersten Rada (Parlament) mitteilte, erwartet die Ukrainer ein kalter und hungriger Winter. „Die Abwertung der Nationalwährung Griwna liegt bei 62 Prozent, die tatsächliche Inflation bei 20 Prozent. Die Renten und Löhne sind eingefroren worden“, so der Abgeordnete.

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