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02:42 20 Oktober 2019
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    Deutsche Wirtschaft drängt auf Ende der Russland-Sanktionen

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    Sanktionen gegen Russland (857)
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    Die deutschen Unternehmen hoffen auf eine Aufhebung der Russland-Sanktionen, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Die deutschen Unternehmen hoffen auf eine Aufhebung der Russland-Sanktionen, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

    Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Michael Harms, ging beim Tag der offenen Tür der deutschen Wirtschaft in Moskau in der vergangenen Woche davon aus, dass der gegenseitige Handelsumsatz in diesem Jahr auf das Niveau von 2011 geschrumpft ist. Nach seinen Worten sind der deutsche Export nach Russland um 19 Prozent und der Import aus Russland um sechs Prozent zurückgegangen. Vor allem die Auto- und Maschinenbauer seien davon betroffen – die wichtigsten Exportbranchen der deutschen Wirtschaft.

    Die Stagnation der russischen Wirtschaft führte Harms allerdings nicht nur auf die westlichen Sanktionen zurück, sondern vielmehr auf langfristige Wirtschaftsprobleme, vor allem auf die Abwertung des Rubels und die schwache Konjunktur. Die Nachfrage schrumpfe, und der Kleinhandel erlebe eine Flaute, so der Chef der Deutsch-Russischen AHK. Russland hänge zu stark vom Ölexport ab, und die letzten Ereignisse beweisen, dass das Land seine Wirtschaft diversifizieren und modernisieren müsse.

    Die deutschen Unternehmer befürchten, dass Russland dem Westen wegen dessen Sanktionen den Rücken kehrt und sich verstärkt China zuwendet. Die Deutschen halten den russischen Markt nach wie vor für „interessant und aussichtsreich“, so Harms.

    Das beweist die Tatsache, dass die deutschen Unternehmen trotz der Krise weiter in Russland bleiben. Der Vorsitzende des Rechtskomitees der AHK, Thomas Brand, begrüßte die Lockerungen der Geschäftsbedingungen in Russland in den letzten Jahren und erwähnte in diesem Zusammenhang die Vereinfachung von bürokratischen Prozeduren, die Liberalisierung von Gesetzen und Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung.

     

    Das Interesse der Unternehmer am russischen Markt lässt sich nicht zuletzt darauf zurückführen, dass die deutsche Wirtschaft zurzeit keine leichten Zeiten durchlebt. Die Bundesbank veröffentlichte vor kurzem eine negative Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Verhaltenen Optimismus auf eine Wiederbelebung der Konjunktur verbindet die Bundesbank mit einer Abwertung des Euros und dem Rückgang der Ölpreise.

    Dabei könnten die Geschäftskontakte mit Russland eine positive Rolle spielen. In diesem Zusammenhang zeigte sich Harms optimistisch bezüglich der Abschaffung der antirussischen Sanktionen im kommenden Jahr. Dabei berief er sich auf die gemeinsame Position der in Russland tätigen Unternehmen, die die Sanktionen für einen „Fehlschuss“ der westlichen Politiker halten.

    Zudem bemühen sich die deutschen Unternehmen um die Suche nach einem „gemeinsamen Nenner“ bei den Wirtschaftsbeziehungen der EU mit Russland, der Ukraine, Georgien und Moldawien. Eine Arbeitsgruppe befasste sich am Tag der offenen Tür mit diesem Thema.

    Es ist kein Geheimnis, dass die deutschen Unternehmer über die sich verschlechternden Wirtschaftsbeziehungen mit Russland besorgt sind und die Bundesregierung zur Lockerung bzw. Abschaffung der Sanktionen aufrufen. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Es geht nicht nur um die finanziellen Verluste, sondern auch um Tausende Arbeitsplätze in Deutschland.

    Eine andere Frage ist allerdings, ob die derzeitige Regierung in Berlin auf die Unternehmen zugeht und bereit ist, ihre antirussische Rhetorik im Geiste des Kalten Krieges zu beenden und die gegenseitigen Probleme konstruktiv zu lösen.

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