18:54 20 November 2019
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    Finnland als Brutstätte für Dschihad-Krieger

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    Aus Finnland kommen überraschenderweise die meisten islamistischen Gotteskrieger unter allen europäischen Ländern, wenn man die Gesamtzahl der im Land lebenden Muslime bedenkt, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Freitag.

    Aus Finnland kommen überraschenderweise die meisten islamistischen Gotteskrieger unter allen europäischen Ländern, wenn man die Gesamtzahl der im Land lebenden Muslime bedenkt, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Freitag.

    Nach Angaben der finnischen Sicherheitsbehörden sind in letzter Zeit mehr als 20 Bürger in den Krieg nach Syrien und in den Irak gezogen. Da in Finnland insgesamt nur 20 000 Muslime leben, ist das enorm viel. Zum Vergleich: Aus Schweden sind etwa 80 freiwillige Dschihadisten von insgesamt 600 000 Muslimen in den Nahen Osten gezogen, aus Norwegen 50 von 180 000 Muslimen, aus Dänemark etwa 160 von insgesamt 240 000 Muslimen.

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    Finnische Politiker und Medien begründen diesen bedauernswerten Trend unterschiedlich. In erster Linie verweisen sie auf die Xenophobie unter den Finnen. Laut einer Studie der Universität Jyväskylä, die in insgesamt 38 europäischen Ländern durchgeführt wurde, hegen vor allem finnische Schüler Fremdenhass: Jeder zehnte Finne zeigte sich zu gesetzwidrigen Handlungen gegenüber Zuwanderern bereit.

    „Junge Muslime werden Radikale, weil die Gesellschaft rassistisch eingestellt ist. Sie sehen keine Möglichkeiten, sich darin zu integrieren, und sind leichte Opfer für die Dschihad-Propaganda“, sagte Sakari Suutarinen von der Universität Jyväskylä. Nach seiner Auffassung braucht Finnland eine Schulreform, weil sich die Ansichten junger Menschen im Schulalter herausbilden. „Im Unterschied zu anderen nordeuropäischen Ländern herrscht in unseren Schulen eine autoritäre Atmosphäre. In anderen Ländern gibt es beispielsweise Schulräte, an denen Schüler beteiligt sind. Bei uns wurde diese Selbstverwaltungsform abgeschafft“, so Suutarinen. „Wie können Jugendliche Demokratie lernen, nach Kompromissen suchen und andere Meinungen respektieren, wenn es bei uns in der Schule keine Demokratie gibt?“

    Das beweist auch ein Bericht zum Thema „Schülergesundheit“ des finnischen Instituts für Gesundheit und sozialen Schutz, dem zufolge Zuwandererkinder sich in der Schule isoliert fühlen, keine Freunde haben und häufig rassistisch angegriffen werden.

    „Es ist sehr leicht, idealistisch eingestellte junge Menschen anzuwerben, die keine Wurzeln in Finnland haben, indem man ihnen ein Leben verspricht, das einer höheren Idee gewidmet ist und in dem es keine finanziellen Probleme gibt. Wenn ein junger Mann in seiner neuen Heimat nichts zu verlieren hat, warum sollte er nicht in den Krieg ziehen?“, schrieb Suaad Onniselka, Islamlehrer aus Helsinki, in der Zeitung „Hufvudstadsbladet“. „Die finnische Gesellschaft gibt solchen jungen Muslimen immer zu verstehen, dass sie hier fremd sind, egal wie lange sie in diesem Land leben.“

    Experten zufolge erlebt der Fremdenhass seit dem Erfolg (20 Prozent) der Partei „Echte Finnen“ bei der Parlamentswahl 2011, die jetzt die zweitgrößte Fraktion im Parlament hat, einen Aufschwung. Die Rechtspopulisten wettern selbst gegen ethnische Schweden, die immerhin seit 700 Jahren in Finnland ansässig sind. Auffallend war in diesem Sinne die Reaktion der Zuschauer auf den Dokumentarfilm „Schwedisches Finnland“ im Fernsehsender Yle, in dem es um den großen Beitrag der ethnischen Schweden zur finnischen Kultur und Geschichte ging. „Ich wurde als ‚schwedische Hure‘ und ‚Verräter‘ beleidigt“, sagte der Filmautor Juhani Seppanen. „Ich musste mir sogar eine neue Telefonnummer besorgen, um mich vor wütenden Zuschauern zu schützen.“

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