22:49 06 Dezember 2016
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    Iskander-M bei einer Übung

    Russland erwägt Atomraketen-Stationierung auf der Krim

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    Russlands Verteidigungsministerium hat ein Fazit des Militärmanövers in der vergangenen Woche im Gebiet Kaliningrad gezogen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte einen Tag zuvor nicht ausgeschlossen, dass Atomwaffen auf der Halbinsel Krim stationiert werden. Mit diesen Maßnahmen könnte Russlands Militär die Nato-Infrastruktur und die US-Raketenabwehrsysteme in Europa ins  Visier nehmen. Russland könnte zudem die operativ-taktischen Iskander-M-Systeme in Stellung bringen. Experten zufolge sind Russlands Maßnahmen im Baltikum und auf der Krim eine adäquate Reaktion auf die Aktivitäten der USA und der Nato in unmittelbarer Nähe zu den Grenzen Russlands.

    Der Chef der Hauptverwaltung des Generalstabs, Andrej Kartapolow, teilte am Dienstag mit, dass während des Manövers vom 5. bis zum 10. Dezember Iskander-Raketen ins Gebiet Kaliningrad verlegt worden seien.

     

    Die Nato-Spitze äußerte bereits vor einer Woche ihre Besorgnis wegen den Flügen russischer Militärmaschinen über der Ostsee. In Lettland berichteten Medien, dass in der vergangenen Woche rund 80 russische Militärflugzeuge entdeckt und identifiziert worden seien. Wie es im russischen Verteidigungsministerium am Dienstag hieß, wurden innerhalb von zwei Tagen eine Raketen- und eine Landungsbrigade ins Gebiet Kaliningrad verlegt.

    Auffallend ist, dass die US- und Nato-Geheimdienste die Verlegung und die Stationierung der Iskander-Systeme im Gebiet Kaliningrad nicht bemerkt haben. Andernfalls hätte die Welt bereits vor einer Woche davon erfahren.

    Laut Chefdiplomat Lawrow erwägt Moskau die Stationierung von Atomwaffen auf der Krim. Nicht nur Flugzeuge, sondern auch Schiffe und U-Boote könnten mit Nuklearwaffen bestückt werden. Es sieht danach aus, dass Iskander-M-Systeme auf der Halbinsel aufgestellt werden.

    Die Iskander-Raketen haben eine Reichweite von 500 Kilometern und können mit nuklearen Gefechtsköpfen bewaffnet werden.

    Damit handelt es sich offenbar um eine asymmetrische Antwort auf den Ausbau des europäischen US-Raketenabwehrsystems und die Annäherung der Nato-Infrastruktur an die russischen Staatsgrenzen. Von diesen möglichen Maßnahmen hatte bereits früher der russische Präsident Wladimir Putin gesprochen. Auch Weißrusslands Staatschef Alexander Lukaschenko schloss die Stationierung von Iskander-Raketen in seinem Land wegen der zunehmenden Bedrohung durch die Nato nicht aus.

    Das russische Verteidigungsministerium teilte jedoch nicht mit, ob die Iskander-Systeme im Gebiet Kaliningrad langfristig stationiert oder sie zusammen mit den anderen Verbänden zu ihren Heimatstützpunkten zurückgebracht werden.

    Laut dem Militärexperten Wladimir Kosin ist die Verstärkung der russischen Truppenverbände in der Nähe der Nato-Mitgliedsländer eine logische, durchdachte und richtige Maßnahme. In Europa seien bereits 500 Nuklearraketen der USA stationiert. Außerdem könnten weitere Systeme in den baltischen Ländern stationiert werden, weil das rechtlich nicht verboten sei, so der Experte.

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