22:16 20 April 2019
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    Anti-Panik-Maßnahme: Russland schränkt Getreideexport ein

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    Nowyje Iswestija
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    Die russische Regierung schränkt die Ausfuhr von Getreide durch neue Zollgebühren ein, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Mittwoch.

    Diese Maßnahme, die gestern in einer Regierungssitzung bei Premier Dmitri Medwedew vereinbart wurde, hat das Ziel, einen raschen Preisanstieg für Getreide auf dem Binnenmarkt wegen der Abwertung des Rubels zu verhindern.

    Vizepremier Arkadi Dworkowitsch teilte mit, dass bei der aktuellen Ernte von 104 Millionen Tonnen Getreide das Exportpotenzial, bei dem keine negativen Folgen für den Binnenmarkt entstehen, etwa 28 Millionen Tonnen ausmache. Im scheidenden Jahr seien insgesamt 21 Millionen Tonnen Getreide ins Ausland ausgeführt worden, so Dworkowitsch.

    Rein formell wurde kein Getreide-Embargo verhängt. Aber zum 20. Dezember stellte die Russische Eisenbahnen AG das Beladen von Getreidewaggons mit der Begründung ein, dass es keine Garantie gebe, dass die Empfänger das Getreide erhalten und die Waggons rechtzeitig entladen werden. Zudem setzte die Agraraufsichtsbehörde Rosselchosnadsor die Ausstellung von Getreideexportzertifikaten für alle Länder außer Ägypten, der Türkei, Indien und Armenien aus. Ägypten und die Türkei sind die größten Importeure russischen Getreides.

    Zum wichtigsten Instrument für die Exporteinschränkungen soll allerdings eine Erhöhung der Zollgebühren für die Getreideausfuhr werden, was in der nächsten Regierungsberatung voraussichtlich beschlossen wird.

    Die von "Nowyje Iswestija" befragten Experten warnen jedoch, dass die Erhöhung der Zollgebühren auch für die Landwirte und die Bevölkerung negative Folgen haben werde. Unter anderem könnte die Einschränkung des Getreideexports dazu führen, dass die Ernte im nächsten Jahr geringer ausfalle, so der Vorsitzende des Russischen Getreideverbandes, Arkadi Slotschewski.

    Dieser Auffassung stimmte auch der Direktor des Analysenzentrums Sovecon, Andrej Sisow, zu. Die Einführung von Zollgebühren sei „eine Fronabgabe“ für die Agrarproduzenten. Das Ziel sei, die Preise auf dem Binnenmarkt nach dem Lebensmittelembargo gegen den Westen einzudämmen. Das werde aber „zu großen Verlusten für die Landwirtschaft führen, weil der Exportrückgang unvermeidlich eine Verringerung der Saatflächen zur Folge haben wird“, so der Branchenkenner. „Nicht auszuschließen ist, dass Russland den Getreideexport gänzlich einstellt. Jedenfalls ist offensichtlich, dass dies ein herber Schlag für die russischen Produzenten sein würde.“

    Der freiwillige Verzicht auf den Getreideexport könnte eine weitere negative Folge haben: Die Türkei hat beispielsweise bereits mitgeteilt, dass sie dieses Embargo höchstens zwei Monate dulden und anschließend nach neuen Getreidelieferanten suchen werde.

    „Aus der Sicht der Regierung ist es besser, wenn die Exporteure ein paar Milliarden Dollar weniger verdienen, als dass die Brotpreise nach oben schnellen“, sagte Denis Rakscha von Investmentbank. „Faktisch geht es im Moment darum, dass (auf dem Getreidemarkt) keine Panik wie auf dem Devisenmarkt entsteht. Diese Panik zu verhindern, ist für die Regierung wichtiger, als die Exporteure mehr Geld verdienen zu lassen.“

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    Tags:
    Getreide, Arkadi Dworkowitsch, Dmitri Medwedew, Russland