06:38 20 Oktober 2020
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    Das wichtigste außenpolitische Ergebnis des scheidenden Jahres ist zweifelsohne die große Krise in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Negative Tendenzen hatten sich zwar bereits vor dem „Euro-Maidan“ in der Ukraine abgezeichnet, doch kaum jemand hätte gedacht, dass die nach dem Berliner Mauerfall und nach dem Zerfall der Sowjetunion entstandene Architektur der internationalen Beziehungen so schnell zusammenbrechen würde.

    Die Weigerung des damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, im November 2013 ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, wonach Massenproteste auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew ausbrachen, wurde im Westen als Ergebnis des massiven Drucks durch Moskau gedeutet. Die Ukraine-Krise, die sich mit jedem Monat zuspitzte, verschlechterte die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen. Dennoch hielten sich die beiden Seiten weiterhin für Partner.

    Russland wollte dem Westen seine „Soft Power“ bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Sotschi und beim G8-Gipfel im Juni ebenfalls in Sotschi zeigen: Diese Veranstaltungen sollten die negativen Auswirkungen der Ukraine-Krise relativieren. Die westlichen G8-Mitglieder rechneten damit, den Gipfel in Sotschi dafür nutzen zu können, Russland in den elitären Klub der Demokratien zurückzuholen. 

    Doch schon im Frühjahr kam es zu Vorfällen, die eine Annäherung unmöglich machten. Für Moskau wurde die Nichterfüllung des am 21. Februar unter Mitwirkung internationaler Vermittler unterzeichneten Abkommens zur politischen Regelung der Ukraine-Krise zum Wendepunkt. Der Kreml hielt das Scheitern dieser Vereinbarung und die anschließende Flucht Janukowitschs aus der Ukraine für einen Beweis dafür, dass der Westen kein verantwortungsvoller Partner ist, der das Völkerrecht respektiert.

    Im Westen wurde Russlands Wiedervereinigung mit der Krim scharf kritisiert und als Annexion wahrgenommen.

    Der danach ausgebrochene Sanktionskrieg führte wenige Monate später zur Absage des G8-Gipfels in Sotschi und zur Umwandlung der G8 in die G7.

    Die Ereignisse in der Ostukraine, auf die ein Bürgerkrieg folgte, spalteten Russland und den Westen endgültig: Der Kreml warf dem Westen vor, die Ukraine-Krise als Druckinstrument gegen Russland ausnutzen zu wollen. Washington und Brüssel machten Moskau für den Krieg in der Donbass-Region verantwortlich.

    Am Ende des Jahres wurde in Moskau offen von einem „äußeren Feind“ gesprochen. Putin warf dem Westen im Dezember vor, dem russischen Bären verbieten zu wollen, Beeren und Honig in der Taiga zu fressen, und ihm sogar die Zähne und Krallen ausreißen zu wollen. Der von inneren Kontroversen geplagte Westen bekam die Möglichkeit, angesichts der neuen „Gefahr aus dem Osten“ zusammenzurücken, so dass die Gegner eines neuen Kalten Kriegs in der Unterzahl geblieben sind.

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    Tags:
    Wladimir Putin, Viktor Janukowitsch, USA, Russland, Ukraine