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    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft (146)
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    Russlands Wirtschaft ist nach der „Wiedervereinigung“ mit der Krim im März in eine internationale Isolation geraten. Besonders schmerzhaft werden die westlichen Sanktionen für die Russen aber erst in langfristiger Perspektive werden, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Freitag.

    Neben den fallenden Ölpreisen sind die westlichen Sanktionen der größte Risikofaktor für Russland im nächsten Jahr.

    Washington hatte seine „Strafmaßnahmen“ gegen Russland bereits im März beschlossen, als Präsident Barack Obama einen Erlass unterzeichnete, dem zufolge nicht nur mit den Ereignissen in der Ukraine verbundene Personen, sondern ganze Zweige der russischen Wirtschaft (Finanzwesen, Energiewirtschaft, Rüstungs- und Hüttenindustrie sowie die Öl- und Gasbranche) bestraft werden sollen.

    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft
    © AP Photo / Alexander Zemlianichenko

    Bis Juli hoffte man in Moskau, dass sich die USA und die EU nicht auf Sanktionen gegen einzelne Branchen einigen würden. Denn im Unterschied zu Washington müssen die Europäer einen extrem hohen Preis zahlen: Der Handelsumsatz zwischen Russland und den USA belief sich 2013 auf 38 Milliarden Dollar, der zwischen Russland und der EU betrug aber 326 Milliarden Euro (400 Milliarden Dollar).

    Zum Wendepunkt für die Europäer wurde der Absturz der Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 210 Europäern an Bord im Juli in der Ukraine. Damals äußerte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, dass Russland mit seinen Handlungen gegen das Völkerrecht verstoße und die europäische Ordnung gefährde.

    Danach entschied sich Brüssel für Russland-Sanktionen, die nach Einschätzung der EU-Kommission das russische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um 0,5 Prozent und 2015 um 1,1 Prozent drosseln werden.

    Im Herbst kamen zu den westlichen Russland-Sanktionen der Verfall der Ölpreise und im November bzw. Dezember ein dramatischer Absturz des russischen Rubels hinzu. Dennoch schätzte Präsident Wladimir Putin den negativen Einfluss der westlichen Sanktionen auf die russische Wirtschaft auf nur 25 bis 30 Prozent. Zuvor hatte Finanzminister Anton Siluanow angeführt, dass Russlands Haushalt wegen der geopolitischen Sanktionen 40 Milliarden Dollar jährlich und wegen des drastischen Rückgangs der Ölpreise 90 bis 100 Milliarden Dollar jährlich verliere.

    Nach Angaben von Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew könnte die russische Wirtschaft um 2,5 bis drei Prozent wachsen. „Dafür darf man aber keine offensichtlichen Dummheiten begehen“, betonte er. Im Dezember senkte das Wirtschaftsministerium seine Wachstumsprognose für 2015 auf „minus 0,8 Prozent“. Kurz danach prognostizierte die Weltbank, dass das russische BIP um 0,7 Prozent schrumpfen werde.

    Wegen der im September vom Westen verhängten Sanktionen gegen die russische Ölindustrie mussten viele Projekte zwischen russischen und ausländischen Unternehmen auf Eis gelegt werden. Shell verkündete beispielsweise die Einstellung der Kooperation mit Gazprom-Neft. Total musste auf seine Zusammenarbeit mit Lukoil verzichten. ExxonMobil legte alle zehn Projekte zur Erschließung von Ölvorkommen in Russland auf Eis.

    Laut einer im August erschienenen Prognose von Standard & Poor’s (S&P) werden die Sanktionen in kurzfristiger Perspektive keine allzu verheerenden Folgen für die russische Wirtschaft haben: Sie sind so angelegt,  dass sie vor allem den Projekten zur „unkonventionellen“ Ölerschließung schaden. In erster Linie geht es um die Ölförderung in der Arktis und um die Schieferölerschließung.

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    Rubel, Gazprom Neft, Wladimir Putin, Alexej Uljukajew, Anton Siluanow, Russland